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Die wichtigsten Führungswechsel in der Schweizer Wirtschaft

Der Zerfall einer Männerbastion, umstrittene Wechsel von der Politik in die Wirtschaft und heisse Gerüchte um die UBS: Im Jahr 2011 brodelt es in den oberen Etagen der Schweizer Wirtschaft.

In Schweizer Führungsetagen kündigen sich für 2011 einige wichtige Rochaden an. Für viel Aufsehen sorgte der rasche Wechsel von Moritz Leuenberger in die Privatwirtschaft. Mit der Wahl einer Frau in die SBB-Konzernleitung ist eine der letzten Männerbastionen gefallen.

Erstmals in der Geschichte der SBB wird künftig mit der 46-jährigen Jeannine Pilloud als Leiterin Personenverkehr eine Frau in der Konzernleitung sitzen. Ihren Job wird die gelernte Journalistin und Architektin im ersten Semester 2011 antreten.

Bisher war die ehrenamtliche Direktorin des Schweizerischen Schwimmverbandes und Mutter zweier Kinder Senior Vice President für das international tätige Telekommunikationsunternehmen T-System. Ihr Vorgänger, der 47-jährige Jürg Schmid, hatte die SBB noch in der Probezeit wieder verlassen und kehrte als Direktor zu Schweiz Tourismus zurück.

Ebenfalls erstmals nimmt mit der bald 40-jährigen Luzernerin Natalie Rüedi ab Anfang 2011 eine Frau in der Konzernleitung des Milchverarbeiters Emmi Einsitz. Die ausgebildete Primarlehrerin trat 2000 bei Emmi ein. Seit 2009 ist sie Personalchefin und Mitglied der erweiterten Konzernleitung.

Umtriebige Politiker

Rechtlich kein Problem, aber dennoch heftig umstritten, war die kurz nach seinem Rücktritt bekannt gegebene Zuwahl von Bundesrat Moritz Leuenberger in den Verwaltungsrat der grössten Schweizer Baufirma Implenia, die im April 2011 stattfinden soll. Beim ehemaligen Verkehrsminister gingen für die Bauwirtschaft wichtige Dossier wie Lötschberg- und Gotthard-Tunnel über den Schreibtisch.

Alt-Bundesräte in Verwaltungsräten sind allerdings keine Seltenheit. Bekanntestes Beispiel ist der UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger. Villiger sitzt ausserdem bei der «NZZ», bei Nestlé und bei Swiss Re im Verwaltungsrat.

Ebenfalls einen schnellen Wechsel von der Politik in die Bauwirtschaft vollzog der im Mai zurückgetretene CDU-Ministerpräsident von Hessen, Roland Koch. Koch wird ab Juli 2011 Konzernchef der zweitgrössten deutschen Baufirma Bilfinger Berger. Der 52-jährige Koch wird ausserdem ab 1. Januar Chef des Aufsichtsrats der UBS in Deutschland.

In der Öffentlichkeit wurden Stimmen laut, die sich für eine Wartezeit der Politiker vor einem Wechsel in die Privatwirtschaft aussprachen. Kaum beachtet wurde hingegen Leuenbergers Ernennung zum Berater der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung für internationale Verständigung. Auch die Wahl von Alt-Bundesrat Joseph Deiss zum Präsidenten der UNO-Generalversammlung fand grösstenteils Zustimmung.

Wie es Usanz ist, hat sich nach seiner Wahl in den Bundesrat Johann Schneider-Ammann von seinem Familienunternehmen verabschiedet. Konzernchef der Langenthaler Ammann Group wird Ulrich Meier und Präsident des Verwaltungsrates Roman Boutelier.

Heisse Gerüchteküche um UBS

Die ganz grossen Wechsel bei den Banken blieben in diesem Jahr aus. Die Gerüchteküche angeheizt hat allerdings die Berufung des Topbankers Sergio Ermotti in die UBS-Konzernleitung. Der Tessiner Ermotti, der im Oktober bei der italienischen UniCredit das Rennen um die Nachfolge von Alessandro Profumo gegen den Italiener Federico Ghizzoni verloren hatte, wurde bereits als Kronfavorit für die Nachfolge von Konzernchef Oswald Grübel gehandelt.

Der 50-jährige Ermotti leitet ab dem 1. April die UBS-Geschäfte in den Regionen Europa, Naher Osten und Afrika. Ebenfalls im Rennen um die Nachfolge an der UBS-Konzernspitze ist der 43-jährige Deutsche Karsten Kengeter, der kürzlich vom Co-Chef des UBS- Investmentbanking zu dessen alleinigem Chef befördert wurde.

Die UBS-Konzernspitze sah sich denn auch genötigt zu kommunizieren, dass Grübel und Villiger der UBS bis mindestens 2012 erhalten bleiben werden.

Für eine Verjüngung der UBS-Führungscrew sorgt auch die Ernennung des 49-jährige Amerikaners Tom Naratil auf Ende Mai zum neuen Finanzchef. Naratil ist seit 2009 Finanzchef und Risikoverantwortlicher der US-Vermögenssparte der UBS.

Einen neuen Finanzchef hat auch die Credit Suisse. Der Brite David Mathers löste im Oktober den langjährigen Finanzchef Renato Fassbind ab. Fassbind wird als Berater weiterhin für die CS tätig sein, ausserdem wird er Verwaltungsrat des Logistikkonzerns Kühne Nagel. Gründe für den Abgang des Finanzchefs, der die CS vergleichsweise erfolgreich durch die Finanzkrise geführt hat, wurden nicht angegeben.

Franz mit Karrieresprung

Vor einem grossen Karrieresprung steht der frühere Chef der Fluggesellschaft Swiss, Christoph Franz. Er rückt im Januar an die Spitze der Swiss-Mutter Lufthansa auf und tritt dort die Nachfolge von Wolfgang Mayrhuber an.

Franz soll ausserdem an der Generalversammlung vom März zusammen mit Nestlé-Chef Paul Bulcke und Shell-Chef Peter Voser in den Verwaltungsrat des Pharmamultis Roche gewählt werden.

Limberger als Wiederholungstäter

Einmal mehr sorgte Thomas Limberger für einen der spektakulärsten Wechsel. Limberger ist Mitte November abrupt als CEO und Verwaltungsratspräsident von Von Roll zurückgetreten.

Bereits vor dreieinhalb Jahren war der heute 43-jährige Limberger bei OC Oerlikon Knall auf Fall gegangen. Limberger macht sich nun selbständig.

Bei der Swisscom-Tochter Fastweb als Feuerwehrmann einspringen musste Swisscom-Chef Carsten Schloter im April, als er nach der Suspendierung des bisherigen Fastweb-Chefs Stefano Parisi interimistisch selber den Chefposten übernahm.

Da die Klärung der Vorwürfe gegen Parisi noch andauert – die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mehrwertsteuerbetrug und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor – wurde die operative Führung von Fastweb Anfang November mit Alberto Calcagno allerdings neu besetzt.

SDA/mrs

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