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Die UBS kämpft sich durch dichten Nebel

Das lange Warten auf positive Signale der UBS hält an. Die gestern präsentierten Zahlen lassen noch keine Hoffnung auf bessere Zeiten aufkommen.

Ziehen die Kunden der UBS weiterhin Geld ab? Diese Frage stand im Zentrum der gestrigen Quartalsberichterstattung der Grossbank. Ein Ja hätte auf einen fortschreitenden Vertrauensverlust hingedeutet. Ein Nein auf eine Stabilisierung der Situation. Der neue Finanzchef John Cryan blieb eine klare Antwort schuldig. In einer Telefonkonferenz sprach er von sehr schwierigen ersten zwei Wochen im Oktober. Der Abfluss von Kundengeldern habe sich aber verlangsamt. «Verlangsamt» mag zunächst positiv klingen. Es heisst aber vor allem, dass der Abfluss der Kundengelder nicht gestoppt ist.

Die bereits Mitte Oktober bekannt gegebenen Zahlen zum Mittelabfluss wurden gestern bestätigt. Im dritten Quartal zogen Kunden 84 Milliarden Franken ab – Privatpersonen 50, institutionelle Anleger 34 Milliarden. Von Januar bis September sah der weltgrösste Vermögensverwalter netto 140 Milliarden Franken davonschwimmen. In der Vorjahresperiode verzeichnete er einen Zufluss von 125 Milliarden. Ende September verwaltete die UBS noch 2640 Milliarden Franken – 19 Prozent weniger als vor Jahresfrist.

Die Bedingungen bleiben widrig

Finanzchef Cryan erklärte den Geldabfluss mit dem Bedürfnis der Kunden, ihr Geld auf verschiedene Banken zu verteilen. Auch würden Kunden Geld abziehen, um damit Schulden abzubauen. Hinzu komme die enttäuschende Wertentwicklung einiger UBS-Anlagefonds und die negative Publizität insbesondere in der Schweiz und den USA. Im Brief an die Aktionärinnen und Aktionäre wird ergänzt: «Einige Kunden hatten zudem Bedenken hinsichtlich der finanziellen Situation der UBS.»

Diese Bedenken vermochte Cryan nicht auszuräumen. Die Märkte spielen nach wie vor verrückt. Dem kann sich die UBS nicht entziehen, wie auch Verwaltungsratspräsident Peter Kurer im Aktionärsbrief ausführt. Das Umfeld sei «extrem widrig». «Wir erwarten, dass sich solche Bedingungen weiterhin negativ auf die Vermögen unserer Kunden und damit auf unsere Erträge auswirken werden.» Zugute halten muss man den UBS-Verantwortlichen, dass sie gestern für einmal auf Schönfärbereien verzichtet haben. Zu oft haben sie in den letzten Monaten die Situation besser dargestellt, als sie sich danach entwickelt hat.

Cryan sprach zwar von «ermutigenden Signalen», die nach Bekanntgabe des staatlichen Rettungspakets am 16. Oktober feststellbar seien. Er musste aber selbst eingestehen, dass es nach nur zwei Wochen schwierig sei, die Auswirkungen der Hilfsaktion zu beurteilen.

Nur auf den ersten Blick erfreulich ist, dass die Bank den schon früher bekannt gegebenen Gewinn von 296 Millionen Franken für das dritte Quartal bestätigte – dies nach vier Quartalsverlusten in Folge. Er beruht weitgehend auf buchhalterischen Massnahmen – zum einen auf einer Neubewertung eigener Kredite, zum andern auf einer Steuergutschrift. Zusammen schlug das mit 3,1 Milliarden Franken zu Buche.

Verlust im vierten Quartal absehbar

Bereits heute ist zudem absehbar, dass das vierte Quartal wieder rote Zahlen bringen wird. Dies allein schon deshalb, weil die UBS 6 Milliarden Dollar als Eigenkapital in die Zweckgesellschaft einbringen muss, in die sie nach dem Plan von Bund und Nationalbank ihre Risiken auslagern will. Diese 6 Milliarden werden der Rechnung des vierten Quartals belastet.

Dessen ungeachtet halten die UBS-Chefs an ihrer früher gemachten Zusicherung fest, 2009 wieder Gewinne schreiben zu wollen. Auch die Börse vermochte die gestrigen Informationen der Bank nicht wirklich zu deuten. Fast den ganzen Tag bewegte sich der Aktienkurs in der Verlustzone. Gegen Handelsende drehte der Wert aber mit 4 Prozent ins Positive.

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