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Die Swiss verärgert ihre Flugbegleiter

Die Fluglinie ködert Lufthansa-Aushilfen mit Löhnen, von denen viele Swiss-Angestellten nur träumen können.

Erschöpftes Kabinenpersonal bei der Swiss – und jetzt sollen die deutschen Aushilfen auch noch mehr kassieren.
Erschöpftes Kabinenpersonal bei der Swiss – und jetzt sollen die deutschen Aushilfen auch noch mehr kassieren.
Keystone

Eigentlich hätte das Stelleninserat das Kabinenpersonal der Swiss zuversichtlich stimmen müssen. Die Suche nach zirka 50 zusätzlichen Flugbegleitern für die Wintermonate von November bis März lässt hoffen, dass die Angestellten der Airline ihr Berufs- und Privatleben bald wieder besser vereinbaren können. Endlich wieder Ferien im Voraus buchen und vom Personalbüro feste Zusagen erhalten. Endlich wieder Einsatzpläne, in denen die eingegebenen Wünsche überwiegend berücksichtigt werden können. Der Personalmangel, der im Sommer beinahe zum Eclat führte, dürfte sich entschärfen.

6098 Franken Aushilfslohn

Die Wut beim Kabinenpersonal hat sich indes nicht gelegt. Für die temporären Aushilfen, die die Arbeitgeberin Swiss bis Ende Monat unter den Flugbegleitern des deutschen Mutterkonzerns Lufthansa rekrutieren will, ist die Schweizer Airline nämlich bereit, einen stolzen Betrag aufzuwerfen: Einen Bruttolohn von 6098 Franken pro Monat sollen Stewards und Stewardessen von den Crew-Basen der Kranich-Fluglinie in Frankfurt oder München für ihren Kurzeinsatz in der Schweiz bekommen. So stehts in der Annonce. Das Anfangssalär eines regulären Kabinenmitglieds liegt dagegen bei rund 3300 Franken.

«Die Lohndiskrepanz ist für unsere Mitglieder ein Affront», schimpft Urs Eicher von der Gewerkschaft des Kabinenpersonals. Zwar weiss auch Kapers, dass mit der Erfahrung das Salär steigt. So viel wie die Lufthansa-Aushilfen verdiene ein Flugbegleiter bei der Swiss normalerweise jedoch erst im 14. Dienstjahr.

Unterschiedliche Berechnungen

Diesem steht für Aufenthalte in Zürich aber kein vom Arbeitgeber bezahltes Hotelzimmer zur Verfügung. Das Schweizer Kabinenpersonal kocht. «Die Swiss ist sich offensichtlich sehr wohl im Klaren, dass sie mit den lausigen Salären für ihre Angestellten keine Kollegen aus Deutschland ködern kann», sagt Eicher. Der Gewerkschafter sieht die Lufthansa-Löhne bis zu 20 Prozent höher als jene der Swiss. Zudem seien die Arbeitsbedingungen dort besser.

Wenig Verständnis

Bei der Swiss stösst der Ärger der Flugbegleiter auf wenig Verständnis: Das Salär für die Lufthansa-Aushilfen sei angemessen und entspreche den üblichen Konditionen, zu welchen Angestellte für kurzfristige Einsätze im Ausland entlöhnt würden, erklärt Sprecher Jean-Claude Donzel. Die Temporär-Angestellten verliessen vorübergehend ihr gewohntes Umfeld – darunter vielleicht auch ihre Familie –und lebten fünf Monate lang in einem Hotelzimmer. «Das gilt es zu berücksichtigen.»

Anders als die Kapers, die den Durchschnittslohn eines Flugbegleiters bei der Swiss auf 5500 Franken pro Monat beziffert, kommt die Schweizer Airline auf einen Betrag von 6200 Franken. Damit bewegten sich die Aushilfslöhne in einem vergleichbaren Rahmen. Die Swiss rechnet ihre normalen Durchschnittsgehälter allerdings inklusive Spesen. Die Lufthansa-Springer würden für solche Posten noch zusätzlich entschädigt.

Gestern Nachmittag trafen sich Swiss und Kapers zu einer Aussprache. Ob sich die Gräben zwischen der hoch profitablen Swiss und dem frustrierten Personal aber so schnell zuschütten lassen, ist fraglich. Die Zugvögel der Lufthansa kümmert es nicht: Das Echo auf die Ausschreibung ist laut Donzel gross.

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