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Die Schweizer Topmanager verdienten 2012 doch mehr

Eine erste Auswertung hatte vermuten lassen, dass die Löhne in den Teppichetagen sinken. Nun zeigt sich: Die Cheflöhne der 48 wichtigsten Schweizer Unternehmen steigen – anders als im Rest Europas.

Im März hatte das Beratungsunternehmen Hostettler Kramarsch Partner auf der Grundlage der verfügbaren Zahlen eine Analyse zur Entwicklung der Chefsaläre veröffentlicht. Das Fazit: In den Teppichetagen sinken die Löhne. Die vollständigen Zahlen zeigen nun aber ein anderes Bild.

Hostettler Kramarsch Partner haben erfasst, wie viel Salär die Geschäftsleitungsmitglieder der 48 wichtigsten börsenkotierten Firmen in der Schweiz erhalten. Analysiert man die Zahlen, die nun vorliegen und vergleichbar sind, ergibt sich bei den Konzernchefs für 2012 ein Durchschnittslohn von 4,6 Millionen Franken. Das sind 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

SMI-Firmen mit plus 5,5 Prozent

Bei den 20 im Swiss Market Index gelisteten Unternehmen hatten die Chefs sogar 5,5 Prozent mehr in der Tasche: Ihr Durchschnittslohn belief sich auf 6,7 Millionen Franken. Bei den Vergütungen der gesamten Geschäftsleitung ist der durchschnittliche Zuwachs geringer, unter den SMI-Konzernen mit 2,9 Prozent aber immer noch signifikant.

Im März hatte Hostettler Kramarsch Partner auf Grundlage der ersten Zahlen einen Rückgang der durchschnittlichen Vergütungen von 1 bis 3 Prozent festgestellt. Damals konnten aber nur 32 Firmen ausgewertet werden.

Während die Konzernchefs im Schnitt mehr verdienten, sind zwischen den einzelnen Firmen markante Unterschiede feststellbar. So steigerte Roche-Chef Severin Schwan sein Salär um knapp 13 Prozent auf 13,9 Millionen Franken und stieg damit zum Topverdiener auf.

Demgegenüber musste Christopher Kirk vom Warenprüfkonzern SGS mit 65 Prozent weniger Lohn auskommen. Am stärksten zulegen konnte Clariant-CEO Hariolf Kottmann, dessen Lohntüte um 62 Prozent anwuchs.

Europaweit Stagnation

Die Saläre von Europas Topmanager stagnieren insgesamt derweil. 2012 steckten die Chefs der grössten börsenkotierten Firmen rund 1 Prozent weniger Lohn ein als im Vorjahr. Im Schnitt verdienten sie 5,7 Millionen Euro, wie aus einer neuen Studie des Beratungsunternehmens Hostettler Kramarsch Partner hervorgeht.

Während die Grundlöhne im vergangenen Jahr praktisch unverändert blieben, bezogen die Konzernchefs weniger kurzfristige Boni. Variable Vergütungen, welche die Unternehmensentwicklung über mehrere Jahre hinweg berücksichtigen, stiegen dagegen an.

«Es gibt inzwischen viele Wege, Manager gemäss gemäss dem langfristigen Unternehmenserfolg zu vergüten», sagte Stephan Hostettler am Freitag vor den Medien. «Im Kommen sind beispielsweise Aktienpläne.»

Bei diesem Modell erhält ein Konzernchef Aktien zugesprochen, die ihm aber erst nach 3 bis 5 Jahren übergeben werden. Die Idee dahinter ist, dass sich der Manager anstrengt, bis dahin den Aktienkurs zu steigern.

Gemäss der Studie sind langfristige Vergütungsmodelle bei Schweizer Unternehmen besonders beliebt. Die langfristigen variablen Lohnanteile machten bei den untersuchten Schweizer Konzernen im vergangenen Jahr fast zwei Drittel der Gesamtvergütung aus. Nur in Grossbritannien ist der Anteil noch höher.

Wie viel fix und wie viel variabel bezahlt wird, hängt auch von der Höhe der Gesamtvergütung ab. Generell sei der variable Lohnanteil grösser bei höheren Salären, erklärte Hostettler. «Es ist wohl richtig, dass man bei höheren Löhnen mehr Risiko einbaut.»

Drei Chefs von Schweizer Unternehmen

Die hiesigen Konzerne zeigten sich dabei überdurchschnittlich grosszügig: Unter den zehn bestverdienenden Chefs stehen drei einem Schweizer Unternehmen vor. Severin Schwan vom Basler Pharmariesen schaffte es mit umgerechnet 11,5 Millionen Euro auf Platz vier, direkt vor seinem Konkurrenten Joseph Jimenez (Novartis), der 10,7 Millionen Euro nach Hause trug. An der Spitze steht der Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn mit einem Salär von 12,8 Millionen Euro.

Die Studie untersuchte sämtliche Unternehmen, die in den Börsenindizes Stoxx Europe 50 und Euro Stoxx 50 gelistet sind – insgesamt 77 Firmen.

Schweizer zahlen 7,7 Millionen Euro

Die sieben untersuchten Schweizer Unternehmen bezahlten ihren obersten Chefs im Schnitt 7,7 Millionen Euro – damit liegt die Schweiz vor Spanien und Deutschland an der europäischen Spitze. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sei aber kleiner als zwischen den Branchen, sagte Maximilian Koch von Hostettler Kramarsch Partner vor den Medien in Zürich.

Die höchsten Löhne beziehen gemäss der Studie die Firmenchefs in der Pharma- und Chemieindustrie, gefolgt von der Konsumgüterindustrie. Das erklärt denn auch zum Teil die relativ hohen Topsaläre in der Schweiz: Mit Roche, Novartis und Nestlé finden sich gleich drei Schweizer Unternehmen aus diesen Sektoren unter den untersuchten Firmen.

Finanzunternehmen zurückgefallen

Deutlich zurückgefallen sind die Chefs in der Finanzbranche: Einst an der Spitze der Rangliste, sind ihre Gehälter inzwischen unter den Durchschnitt aller Branchen gefallen.

Bei den Löhnen der Verwaltungsratspräsidenten liegt die Schweiz ebenfalls vorne, und zwar mit noch grösserem Abstand als bei den Managerlöhnen. Einsam an der Spitze stand Daniel Vasella von Novartis mit einem Salär von 10,3 Millionen Euro. Im Schnitt entschädigten die untersuchten Schweizer Konzerne ihre Verwaltungsratspräsidenten mit 5,8 Millionen Euro – mehr als fünfmal so viel wie im gesamteuropäischen Durchschnitt.

Unterschiedliches Pensum

Das hat allerdings auch wesentlich mit den Unterschieden in der Unternehmensstruktur zu tun, wie Stephan Hostettler an der Medienkonferenz ausführte. Im Unterschied zu einem Aufsichtsratspräsident in Deutschland sei ein Verwaltungsratspräsident in der Schweiz in der Regel zu 100 Prozent angestellt und habe mehr Verantwortung inne.

SDA/mw

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