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Die schwarzen und weissen Konten der UBS

Im Prozess gegen Ex-UBS-Banker Raoul Weil erhebt ein Zeuge schwere Vorwürfe gegen die Schweizer Bank.

Den Geschworenen fehlte es an direkten Beweisen für einen Schuldspruch: Raoul Weil (hier mit seiner Frau Susan Lerch) verlässt nach dem Freispruch das Gerichtsgebäude in Fort Lauderdale (Florida). (4. November 2014)
Den Geschworenen fehlte es an direkten Beweisen für einen Schuldspruch: Raoul Weil (hier mit seiner Frau Susan Lerch) verlässt nach dem Freispruch das Gerichtsgebäude in Fort Lauderdale (Florida). (4. November 2014)
Keystone
Er gehörte laut dem Hauptzeugen zu den einflussreichsten Stimmen in der UBS: Raoul Weil mit seiner Frau Susan Lerch Weil vor dem Gericht in Florida. (23. Oktober 2014)
Er gehörte laut dem Hauptzeugen zu den einflussreichsten Stimmen in der UBS: Raoul Weil mit seiner Frau Susan Lerch Weil vor dem Gericht in Florida. (23. Oktober 2014)
Andrew Innerarity, Reuters
Im Prozess in Florida plädiert er auf unschuldig: Raoul Weil (links) mit seinem Anwalt David Mendel (7. Januar 2014) in Fort Lauderdale.
Im Prozess in Florida plädiert er auf unschuldig: Raoul Weil (links) mit seinem Anwalt David Mendel (7. Januar 2014) in Fort Lauderdale.
J Pat Carter, Keystone
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Der erste Zeuge der Anklage war gestern Hansruedi Schumacher, der bis 2002 das US-Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS geführt hatte. Schumacher war seit 2009 zur Verhaftung ausgeschrieben und stellte sich kurz vor dem Prozess überraschend der Justiz in Florida. Vor Gericht erklärte er, seinerzeit 15'000 US-Konten betreut zu haben. «Wir wussten von der Art und Weise, wie die Konten angelegt waren, dass die Mehrheit der 15'000 Kunden ihre Steuern hinterzogen», zitierte die Wirtschaftsagentur Bloomberg den Banker.

Die nicht deklarierten Konten wurden gemäss Schumacher intern mit «schwarz» oder «einfach» bezeichnet, die deklarierten mit «weiss» oder «kompliziert». Die UBS-Banker in den USA hätten versucht, ihrer Aufdeckung zu entgehen, indem sie Kunden in Hotels trafen, eine zweite, geheime Festplatte für ihre Laptops mit sich führten oder Visitenkarten ohne UBS-Logo und Titelbezeichnung auf sich hatten. «Die Welt des Schweizer Bankgeheimnisses lehrt Schweizer Banker, unter dem Radar durchzuschlüpfen», so Schumacher gemäss dem Bericht von Bloomberg.

Das US-Geschäft war bekanntlich für beide Seiten ein Gewinn: Die UBS konnte überhöhte Kommissionen verlangen; und die Steuerbetrüger entgingen mit ihren versteckten Anlagen den amerikanischen Gewinnsteuern von 30 Prozent. «Ich bin nur hier, um die Wahrheit zu ­sagen. Ich habe für das, was ich tat, ­geradezustehen», so der 56-jährige Schumacher. Er hatte 2002 zur Neuen Zürcher Bank gewechselt und zahlreiche UBS-Kunden mit sich genommen. Die NZB wurde 2009 von der US-Justiz angeklagt und schloss daraufhin das ­Geschäft.

«Ein angenehmer Chef»

Ob Schumacher für seine Kooperation eine Strafermässigung oder gar Straffreiheit erhält, ist noch unklar. Zu Weil hatte er nichts Negatives zu sagen. Er räumte ein, den Angeklagten als «angenehmen Chef» erlebt zu haben.

Zuvor hatte Weil noch versucht, den Prozess zu stoppen. Er machte geltend, die Anklage wegen Beihilfe zum Steuerbetrug stütze sich nicht auf eine einwandfreie Gesetzesgrundlage, sondern lediglich auf eine «durch Richter erfundene Theorie». Tatsächlich ist unter Juristen strittig, ob der Tatbestand des Betrugs auch auf Regierungsstellen, konkret auf die Steuerbehörde IRS, angewendet werden kann. Insofern beurteile er den Antrag von Weil nicht einfach als nichtig, hielt Richter Cohn fest. Dennoch lehne er den Abbruch des Prozess ab, weil der Antrag erst in letzter Sekunde eingereicht worden sei. Auch inhaltlich hält der Antrag nicht stand, da ein Betrug zulasten der IRS in der Vergangenheit schon oft von Gerichten akzeptiert wurde und zu Urteilen geführt hat. Wenn die Praxis geändert werden muss, dann ist dies gemäss Cohn Sache des ­Supreme Court.

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