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Die Propheten der Krise

Je stärker die Finanzwelt in die Krise rasselt, umso mehr stellt sich die Frage: War das denn nicht vermeidbar? Natürlich war es das. Eine Reihe von Experten warnte früh genug.

George Soros ist nicht nur der erfolgreichste Spekulant des 20. Jahrhunderts, spätestens mit der jetzigen Krise etablierte er sich auch als herausragender Analytiker der Wirtschaftszyklen. Schon 2006 ahnte er, dass die amerikanische Immobilienblase bald platzen werde, dann erwartete er eine Finanzkrise, wie sie seit der Grossen Depression nie mehr eingetreten war. Mit seinem Hedge-Fund setzte er ab Frühjahr 2007 auf fallende Aktienkurse und sinkende Hauspreise, womit er völlig richtig lag und fast 3 Milliarden Dollar verdiente.
George Soros ist nicht nur der erfolgreichste Spekulant des 20. Jahrhunderts, spätestens mit der jetzigen Krise etablierte er sich auch als herausragender Analytiker der Wirtschaftszyklen. Schon 2006 ahnte er, dass die amerikanische Immobilienblase bald platzen werde, dann erwartete er eine Finanzkrise, wie sie seit der Grossen Depression nie mehr eingetreten war. Mit seinem Hedge-Fund setzte er ab Frühjahr 2007 auf fallende Aktienkurse und sinkende Hauspreise, womit er völlig richtig lag und fast 3 Milliarden Dollar verdiente.
Keystone
Der Bogen sei überspannt, verkündete Walter Wittmann im Juni 2007. Damals veröffentlichte der Volkswirtschaftler und emeritierte Professor der Uni Freiburg ein Buch mit dem Titel "Der nächste Crash kommt bestimmt". Darin bemerkte er, dass sich die grösste Finanzblase der Geschichte aufgebaut habe - ihre Zutaten: gigantische Liquidität, zuviele Derivate, fiebriges Geschäft bei Übernahmen und Fusionen sowie bei Währungsspekulationen. Wenige Wochen später war es soweit: Die Aktienkurse sackten ab, die Hiobsbotschaften aus den Banken häuften sich.
Der Bogen sei überspannt, verkündete Walter Wittmann im Juni 2007. Damals veröffentlichte der Volkswirtschaftler und emeritierte Professor der Uni Freiburg ein Buch mit dem Titel "Der nächste Crash kommt bestimmt". Darin bemerkte er, dass sich die grösste Finanzblase der Geschichte aufgebaut habe - ihre Zutaten: gigantische Liquidität, zuviele Derivate, fiebriges Geschäft bei Übernahmen und Fusionen sowie bei Währungsspekulationen. Wenige Wochen später war es soweit: Die Aktienkurse sackten ab, die Hiobsbotschaften aus den Banken häuften sich.
Keystone
Stephen Roach war seit 1991 Chefökonom der amerikanischen Grossbank Morgan Stanley, inzwischen ist er Chef des Asiengeschäfts, und in der Finanzwelt nennt man ihn auch den "ewigen Bären": Denn Roach streut seit Jahren Pessimismus. Im Herbst 2004 sagte er den USA ein "wirtschaftliches Armageddeon" voraus. Damals wurde er noch weitherum belächelt, weshalb es ihm auch nicht gelang, Morgan Stanley aus dem Schlamassel herauszuhalten.
Stephen Roach war seit 1991 Chefökonom der amerikanischen Grossbank Morgan Stanley, inzwischen ist er Chef des Asiengeschäfts, und in der Finanzwelt nennt man ihn auch den "ewigen Bären": Denn Roach streut seit Jahren Pessimismus. Im Herbst 2004 sagte er den USA ein "wirtschaftliches Armageddeon" voraus. Damals wurde er noch weitherum belächelt, weshalb es ihm auch nicht gelang, Morgan Stanley aus dem Schlamassel herauszuhalten.
Keystone
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Eigentlich wären Finanzkrisen leicht vorhersehbar: Wenn die Börsen zu ständig neuen Rekorden ansetzen, obwohl sich das nicht aus den Unternehmenserfolgen erklärt; wenn sich die Preise für ein Wertpapier nicht mehr mit der Rendite erklären lassen; oder wenn die Risiken nicht mehr gedeckt sind, dann wird es langsam Zeit für den Notausstieg.

Doch schon immer folgte die spekulierende Menschheit demselben Muster: Bis die Blase platzt, hofft jeder, dass es ewig so weitergeht. Wenn die Blase dann geplatzt ist, scheint es plötzlich jedem klar, dass das nicht gutgehen konnte. Nur ein paar vereinzelte Experten können für sich beanspruchen, schon immer vor der Katastrophe gewarnt zu haben.

Wer es nicht kommen sah, war eigentlich selber schuld

In der aktuellen Krise ist das Verhältnis besonders krass: Die edelsten Adressen der Finanzwelt gerieten an den Rand des Abgrunds, weil sie das Chaos nicht kommen sahen - trotz Heerscharen von Analysten. Und daneben bleiben nur ein paar vereinzelte Experten, die früh genug den Crashteufel an die Wand malten. Betrachtet man heute ihre Analysen noch einmal, so entsteht ein frustrierender Eindruck – nämlich dass die Sache längst absehbar war. Und vor allem: Dass die Propheten, genau genommen, schlicht und einfach den alten Weisheiten vertraut hatten. Zum Beispiel dass Preisrekorde, die sich nicht rational erklären lassen, irgendeinmal zur Korrektur führen. Oder dass Risiken, die nicht mehr gedeckt sind, in die Katastrophe führen.

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