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Die Post hat Angst

Der Pöstler kommt nicht mehr in den Weiler La Goule – zu gefährlich sei die Fahrt auf der engen Strasse. Vor Ort hat man den Verdacht: Es geht um etwas anderes.

Wohin mit der Post? Der Weg nach La Goule sei zu gefährlich.
Wohin mit der Post? Der Weg nach La Goule sei zu gefährlich.
Walter Bieri, Keystone

Dunkel, wild und mit einer gruseligen Grundatmosphäre. Die jurassischen Freiberge mit ihren tief in den Kalk geschnittenen Tälern und den dichten Kiefernwäldern können einen Aussenstehenden schon mal etwas einschüchtern. Die Schweizerische Post, diese aufrechte, stolze Institution, wurde gar in die Flucht geschlagen. Das zumindest in der Region rund ums 2000-Seelen-Dorf Le Noirmont, zu Deutsch: Schwarzberg.

So hat die Post verlauten lassen, dass sie den Weiler La Goule nicht mehr beliefern könne. Zu gefährlich sei der Weg dorthin. «Die Strasse ist in einem erbärmlichen Zustand, Steinschläge und Erdrutsche drohen», so eine Pressesprecherin. Das könne man den Mitarbeitern und auch den Fahrzeugen nicht mehr zumuten. Damit erhalten die paar Häuser unten am gemächlich dahinfliessenden Doubs ab sofort keinen Besuch mehr vom Pöstler. Die Weihnachtskarte der Grand-Mère, das Päckli vom Versandhaus oder die neueste Ausgabe des «Journal du Jura» gibts also, glaubt man der Post, nur noch für die Furchtlosen oder Lebens­müden von La Goule: jene, die es wagen, den Höllenweg nach Le Noirmont zu nehmen, um die dort neu eingerichteten Briefkästen zu leeren.

Hilfe vom Gemeindepräsidenten

Aber ist denn diese enge Strasse an der waldigen Hügelflanke wirklich so gefährlich? Ein Reporter von «Le Matin» hat sich diese Frage gestellt und die gefährlichste Strasse der Schweiz besucht – mit flauem Magen, wie er schreibt. So ganz alleine wollte der Zeitungsmensch das Abenteuer aber nicht bewältigen. Er holte sich Hilfe vom Gemeindepräsidenten von Le Noirmont, der in einem klapprigen Kleinwagen vorfuhr.

In einer gemütlichen Fahrt rollte die Schicksalsgemeinschaft Richtung La Goule, meisterte ohne Probleme die sechs Spitzkehren, passierte den einspurigen Tunnel und kam nach einer Viertelstunde schliesslich wohlbehalten im Weiler am Fluss an. Laut dem Gemeindepräsidenten datiert der letzte grosse Unfall auf diesem Abschnitt aus den 60er-Jahren. Von einer Todesstrasse könne als mitnichten die Rede sein.

Warum also diese Entscheidung der Post? Das sei eine lächerliche Pirouette, sagt dieser nur. Klar ist: La Goule links liegen lassen, spart Kosten. ­Le Noirmont und auch der Kanton wollen das aber nicht einfach hinnehmen. Zumal in den nächsten Jahren die Strasse saniert wird. So sollen nicht nur die zahlreichen Wanderer und Touristen den Weg finden, sondern künftig auch wieder der Pöstler.

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