Die Post geht testweise in die Luft

Die Schweizer Post will für die Zustellung von Paketen in Zukunft Drohnen einsetzen. Noch werden die Flugroboter aber Pöstler nicht ersetzen, höchstens ergänzen.

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Philippe Reichen@PhilippeReichen

Gegen 700'000 Pakete liefert die Schweizer Post pro Tag aus, in der Weihnachtszeit sind es sogar 1 Million. Die Empfänger leben nicht nur in Stadtzentren, sondern auch in entlegenen Bergregionen oder schwer zugänglichen Seitentälern. Um ihre Kunden in Zukunft noch besser erreichen und insbesondere in Notsituationen, nach schweren Unwettern zum Beispiel, rasch versorgen zu können, setzt die Post in Zukunft auf Drohnen als neues Transportmittel. Dasselbe plant sie für rasche Transfers von Laborproben. Für einen solchen Entwicklungsschritt ist die Post aber auf externe Partner angewiesen. Darum hat sie sich mit den Firmen Swiss Cargo, der Frachtgesellschaft der Airline Swiss, und Matternet, einem 2011 im kalifornischen Silicon Valley gegründeten Start-up-Unternehmen, zu einem Konsortium zusammengeschlossen.

Als Drohnenspezialistin hat Matternet in den kommenden Jahren den Auftrag, die Firmen mit einer den Schweizer Bedürfnissen angepassten Transporttechnologie auszustatten. Die Post lässt sich das einen niedrigen sechsstelligen Betrag kosten. Dieter Bambauer, bei der Post Logistikleiter, rechnet mit fünf Jahren Entwicklungszeit, betont aber: «Die Drohnen werden Pöstler nicht ersetzen. Es geht darum, unser Angebot zu ergänzen.» Das wiederum heisst: In nächster Zeit werden keine Drohnenschwärme über die Köpfe der Schweizerinnen und Schweizer hinwegsurren. «Das Gefährt soll nützen, nicht stören», sagt Bambauer.

Über die Bedeutung von Drohnen in der Paketzustellung streiten sich die Experten. Die Post scheint sich davon nicht ­beirren zu lassen und traut den Drohnen im Paketgeschäft wirtschaftliches Potenzial zu. Dieter Bambauer rechnet damit, dass die rasante Entwicklung des E-Commerce und des Onlinehandels Auswirkungen auf die Paketlogistik und damit die Zustellweise haben wird. Als Folge davon dürften Margen und die Kostenstruktur von Paketdienstleitern weiter unter Druck geraten und Effizienzsteigerungen damit unumgänglich werden.

Bazl ist bei Drohnen liberal

Eine erste Serie Testflüge mit Paketsendungen ist bereits im Gang, unter anderem auf dem Flugplatz Bellechasse in der freiburgischen Gemeinde Bas-Vully. Dort liess Matternet gestern seine Drohnen für einige Demo-Flüge aufsteigen. Die Flüge über Bellechasse sind ein Anfang. In den kommenden Tagen wird Matternet seine Drohnen in weiteren Regionen der Schweiz testen. Flüge sind auch in den Bergen vorgesehen.

Für die erste Testserie hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) dem Konsortium gemäss Bazl-Sprecher Urs Holderegger «einige Flugstrecken im Berner Seeland definiert». Der für die Drohnentests reservierte Flugraum wird der sogenannt bemannten Luftfahrt als «danger areas» gemeldet. Eine Bewilligung für die zweite Testreihe in den Bergen soll das Bazl allerdings noch nicht ausgegeben haben. Dies dürfte jedoch eine Formalie sein. Denn im Gegensatz zu den Behörden in den USA zeigt sich das Bazl im Umgang mit Drohnen um einiges flexibler. Konkret können in der Schweiz Drohnen auch ohne Sichtkontakt geflogen werden, wenn das Bazl die Bewilligung dazu erteilt hat.

Drohnenflüge ohne Sichtkontakt sind in den USA verboten, was insbesondere dem Onlinehändler Amazon Probleme bereitet. Die Firma will bei der Technologie zur Auslieferung seiner Produkte eine Pionierrolle spielen und Drohnen in Städten nutzen. Bazl-Sprecher Urs Holderegger sagt: «Tatsächlich ist der Umgang mit Drohnen in den USA noch sehr restriktiv. In der Schweiz verfolgen wir auch im Interesse der Industrie einen liberalen, risikobasierten Ansatz.» Dieser habe sich bis heute bewährt, so Holderegger.

Bald will Matternet seine Dienstleistung auch in Frankreich und Deutschland testen. Die Verhandlungen dafür sind im Gang.

Nach 20 Kilometern ist Schluss

Ein Absturzrisiko für seine Drohnen wollte Andreas Raptopoulos, CEO von Matternet, gestern nicht kategorisch ausschliessen. Das von seiner Firma entwickelte System verfügt jedoch über Sicherheitsvorkehrungen, um Unfälle zu verhindern. Das beginnt bei der von Matternet entwickelten Smartphone-Applikation, über die eine Flugroute definiert und die Drohne schliesslich auch gestartet wird. Um die Applikation bedienen zu können, braucht es ein Passwort. Die App selbst ist mit einer Daten-Cloud im Internet verbunden, in der die meteorologischen Bedingungen am Flugort ständig aktualisiert werden. Gibt es zu viel Wind (mehr als 20 Knoten) oder schwere Regenschauer wird der Benutzer gewarnt. Dasselbe gilt bei Gewitter oder Temperaturen von unter minus 10 Grad Celsius.

Schwebt die Drohne über dem Boden, wird sie von der Daten-Cloud direkt gesteuert und anhand der gespeicherten Angaben über die topografischen Bedingungen auf ihrer Flugroute an den Zielort geführt. Dabei hat Matternet gemäss eigenen Angaben eine Funktion entwickelt, welche dafür sorgt, dass die Drohne dicht besiedeltes Gebiet umfliegt. Auch können gemäss Andreas Raptopoulos Drohnen nicht entführt werden. Hat der «Pilot» die Flugroute der Drohne definiert und sie losgeschickt, weicht sie nicht mehr von ihrem Reiseweg ab.

Das Drohnenmodell Matternet One, das in der Schweiz nun getestet wird, kann Frachten bis zu einem Gewicht von 1 Kilogramm transportieren. Die Reichweite beträgt maximal 20 Kilometer, dann ist die Batterie bereits erschöpft und muss wieder aufgeladen werden. Die Energiekosten für einen Flug belaufen sich auf höchstens 5 Rappen.

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