Die Pleite-Strategie von Etihad in Europa

Air Berlin ist pleite, Alitalia sucht verzweifelt nach einem Käufer: Die Beteiligungen in Europa haben der Etihad nur Probleme gebracht.

Viel Geld investiert, wenig gewonnen: Eine Etihad-Maschine steht auf dem Rollfeld am Flughafen Zürich. (Foto: Flickr/Lukas von Däniken)

Viel Geld investiert, wenig gewonnen: Eine Etihad-Maschine steht auf dem Rollfeld am Flughafen Zürich. (Foto: Flickr/Lukas von Däniken)

(Bild: Keystone)

Die Idee der Etihad Airways war simpel: Über Minderheitsbeteiligungen an europäischen Fluggesellschaften zu europäischen Passagieren kommen. Und diese dann über die Heimat Abu Dhabi in ferne Destinationen fliegen.

Doch der Plan scheint missglückt. Die 49-prozentige Beteiligung an Alitalia und die 30-prozentige Beteiligung an Air Berlin haben den Besitzern aus den Arabischen Emiraten nur Probleme gebracht. Ihre 33-prozentige Beteiligung an der Schweizer Regionalairline Etihad Regional (ehemals Darwin) verkaufte Etihad vor einigen Wochen.

Das Europa-Abenteuer von Etihad begann 2011. Damals stieg Etihad im grossen Stil bei Air Berlin ein. Die zweitgrösste deutsche Airline steckte da schon in der Krise: Seit 2008 schrieb sie rote Zahlen, 2011 betrug der Verlust ganze 420 Millionen Euro. Der Aktienkurs war seit dem Börsengang 2006 abgestürzt.

Etihad musste schon zu Beginn Hunderte Millionen Euro in die Airline pumpen, und leistete bis zum letzten April immer wieder neue Beträge. Genützt hat es offenbar nichts: Die Insolvenz von Air Berlin kam zustande, weil Etihad letzten Freitag verkündete, keine weiteren Finanzspritzen mehr leisten zu wollen.

Es bleiben die direkten Verbindungen

Ähnlich verlief das Engagement bei Alitalia. Dort stieg Etihad 2014 ein – auch Alitalia machte zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahren Verluste. Danach folgten massive Sparprogramme, ein abrupter Chefwechsel und Konflikte mit den Angestellten. Der italienische Staat rettete die Airline mehrmals vor der Insolvenz, doch im Mai gab er auf: Er stellte die Alitalia unter Fremdverwaltung und sucht aktuell einen Käufer für die Krisen-Airline. Am 15. September läuft die Frist für die Interessenten ab, um ihre Offerten zu unterbreiten.

Auch in die Alitalia-Beteiligung steckten die Emirate Milliarden von Euro. Nun bleiben ihnen die Direktverbindungen zwischen Abu Dhabi und Europa. Und eine Zusammenarbeit mit der deutschen Lufthansa: Sie kann seit dem letzten Februar Etihad-Flüge mit dem eigenen Code nach Abu Dhabi buchen, gleichzeitig fliegen einzelne eigene Maschinen mit dem Code von Etihad.

Erinnerungen an die Swissair

Die Misere mit den Etihad-Beteiligungen erinnert an die «Hunter-Strategie», an der auch die Swissair zugrunde ging. Sie wollte in den 90er-Jahren eine Allianz mit europäischen Partnern und kleinen, nationalen Airlines unter eigener Führung aufbauen.

Doch bei diesen handelte es sich allzu oft um unrentable Fluggesellschaften, welche die Swissair mit Finanzspritzen stützen musste. So lange, bis sie selber in Geldnot geriet – und am 2. Oktober 2001 das Grounding verkünden musste.

fko

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