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Die lange Liste von Mängeln der UBS

Fehlende Organisation, ungenügende Kontrolle und auch die Boni waren ein Problem: Die Finanzmarktaufsicht hat bei der UBS eine ganze Reihe von Ursachen festgestellt, die die Devisenmanipulation ermöglichten.

Kontrollmechanismen fehlten: UBS-Filiale in Zürich. (6. Mai 2014)
Kontrollmechanismen fehlten: UBS-Filiale in Zürich. (6. Mai 2014)
Keystone

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat wegen den getätigten Manipulationen im Devisenhandel Massnahmen gegen die UBS ergriffen. Sie zieht bei der Grossbank neben weiteren Massnahmen unberechtigte Gewinne in Höhe von 134 Millionen Franken ein. Gegen elf ehemalige und gegenwärtige Mitarbeitende eröffnet die Finma Enforcementverfahren.

Die Untersuchungen seien damit abgeschlossen, teilte die Finanzmarktaufsicht mit. «Die Finma stellte fest, dass Mitarbeitende der Bank in Zürich/Opfikon wiederholt und über eine längere Zeitperiode hinweg zumindest versucht hatten, Devisenreferenzwerte zu manipulieren.»

Zudem hätten sich Mitarbeitende entgegen den Interessen eigener Kunden verhalten, hiess es. «Risikomanagement, Kontrollen und Compliance im Devisenhandel waren ungenügend.» Wegen des Verhaltens ihrer Mitarbeitenden sowie der Verletzung der Organisationsvorschriften habe die UBS schwer gegen die Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit verstossen.

Manipulation über Chatunterhaltungen

Die Mängelliste ist lang: Neben der Manipulation von Referenzwerten verhielt sich die UBS entgegen den Interessen von Kunden und Gegenparteien. So hätten beispielsweise mehrere Devisenhändler aktiv und zum Nutzen der Bank Stop-Loss-Aufträge von Kunden ausgelöst, spekulierten in Form von Partial Fills risikofrei auf Kosten des Kunden oder gaben vertrauliche und identifizierende Kundeninformationen an Dritte weiter.

Eine wichtige Rolle bei diesen Fehlverhalten im Devisen- und Edelmetallhandel spielten elektronische Kommunikationsplattformen. Die missbräuchlichen Verhaltensweisen gingen auf in Chats ausgetauschte Informationen zurück. Die Finma untersuchte tausende von verdächtigen Chat-Konversationen von Händlern verschiedener Banken.

Interne Kontrollen versagten

Laut der Finma wurden diese Verstösse durch «schwerwiegende organisatorische Mängel im Devisenhandel der UBS» begünstigt. Die Risikobeurteilung der UBS im betroffenen Bereich sei unangemessen gewesen. Ein Problem sei das «erfolgsbezogene Anreizsystem» gewesen. Die variablen Lohnbestandteile der Händler machten im Durchschnitt das Dreifache des Grundgehalts aus.

Des Weiteren habe die Bank über keine angemessenen Kontrollinstrumente verfügt, um Verstösse gegen Marktverhaltensregeln oder manipulatives oder treuwidriges Verhalten gegenüber Kunden zu erkennen. «Es existierten auch keine ausreichenden, auf den Devisenhandel zugeschnittenen internen Richtlinien», schrieb die Finma.

Die UBS hatte erstmals 2010 Hinweise auf das Fehlverhalten einzelner Devisenhändler erhalten. Laut der Finma kam es innerhalb des Devisenhandels der Bank zu unterschiedlichen Whistleblowing-Meldungen. Diese hätten sich teilweise auf gravierende Verfehlungen der Mitarbeiter bezogen. Die entsprechenden Untersuchungen seien aber jeweils nur einzelfallbezogen und nicht systematisch innerhalb des gesamten Devisenhandels erfolgt, hiess es im Bericht.

Schliesslich sei die Compliance innerhalb des Devisenhandels nicht angemessen ausgestaltet gewesen. «Sie wurde durchwegs zu wenig gewichtet, sowohl bei internen Schulungen wie auch bei Mitarbeiterbeurteilungen.» Die Mitarbeitenden seien daher weder hinreichend sensibilisiert gewesen, noch hätten Kontrollen bestanden, um die Compliance an den Handelsdesks sicherzustellen.

Massnahmen gefordert

Damit ein solcher Fall in Zukunft verhindert werden kann, hat die Finma verschiedene Massnahmen ergriffen. Für den globalen Devisen- und Edelmetallhandel beschränkte die Finma die maximale jährliche variable Vergütung für die Dauer von zwei Jahren auf 200 Prozent des Grundgehaltes.

Zudem wurde die UBS verpflichtet, mindestens 95 Prozent des globalen Devisenhandels zu automatisieren und den Kunden- vom Eigenhandel zu trennen. Bereits eingeleitet wurden Massnahmen wie die Einführung von Überwachungs- und Analyseinstrumenten, die Einschränkung von Kommunikationsmitteln und ein Verbot von bestimmten Mitarbeitergeschäften.

Zur Überwachung der vollständigen Umsetzung der Massnahmen wird die Finma einen Prüfbeauftragten einsetzen.

Untersuchung dauerte ein Jahr

Die Finma hatte im Oktober 2013 ein Enforcementverfahren gegen die UBS wegen des Verdachts auf marktmissbräuchliches Verhalten im Devisenhandel eröffnet. Sie setzte einen Untersuchungsbeauftragten ein, der das Marktverhalten der Devisenhandelsabteilung der UBS Investment Bank in Zürich, die internen Führungsprozesse sowie die interne Kontrollorganisation untersuchte.

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht stand mit zahlreichen ausländischen Behörden in Kontakt. Die Kooperation funktionierte laut Finma ausgezeichnet und war im Fall der britischen Finanzmarktaufsicht FCA besonders intensiv.

SDA/rar

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