Zum Hauptinhalt springen

Die grosse Misere der Ölkonzerne

Die Ölförderer geben mehr aus, als sie einnehmen. Mit dem sinkenden Ölpreis spitzt sich ihre Lage zu. Nun stehen sie vor der Herausforderung, wo sie die Sparschraube am ehesten anziehen sollen.

Wollen die Ölförderer ihre Investitionen und Dividenden hochhalten, müssen sie sich verschulden: Ölpumpen in China.
Wollen die Ölförderer ihre Investitionen und Dividenden hochhalten, müssen sie sich verschulden: Ölpumpen in China.
Wei Leung/EPA

Der Ölpreiszerfall setzt sich auch im neuen Jahr fort. Sieben Wochen in Folge ist die Notierung des Rohstoffs nun bereits gesunken. Der Preis der Rohölsorte Brent befindet sich derzeit noch knapp über 50 Dollar. Seit dem vergangenen Juni ist er damit um über die Hälfte eingebrochen. Selbstredend vermiest dies den grossen Ölförderern das Geschäft. Mittelfristig stellt sich den Unternehmen aber noch ein ganz anderes Problem.

Schon vor dem Kurssturz haben die grossen Konzerne wie BP, Royal Dutch Shell oder Exxon Mobil mehr ausgegeben als eingenommen. Der Grund: Die Kosten für die Erschliessung neuer Ölfelder ist in den vergangenen Jahren markant gestiegen, gleichzeitig haben die Aktionäre die Unternehmen mit der Forderung nach höheren Dividenden unter Druck gesetzt.

Nun sehen sich die Ölförderer mit einem Dilemma konfrontiert. Sie stehen vor der Wahl, die Investitionen in die Erschliessung neuer Ölquellen zurückzufahren, die Dividenden zu senken oder sich zu verschulden. Kürzen die Unternehmen die Investitionen in neue Entwicklungsprojekte, so gefährden sie ihre künftigen Erträge. Schliesslich müssen bestehende Erdölfelder, deren Vorräte zur Neige gehen, laufend mit der Erschliessung neuer Quellen ersetzt werden.

Dividenden unter Druck?

Andererseits gibt es derzeit keine Signale, dass die Ölkonzerne ihre Dividenden senken werden. Angesichts der sinkenden Aktienkurse sind die Ausschüttungen derzeit das einzige Mittel, um die Aktionäre bei Laune zu halten. Die Firmenchefs haben in den letzten Monaten denn auch betont, dass an der Höhe der Dividenden nicht gerüttelt wird.

Die Anlegergemeinde lässt sich dadurch nicht beruhigen. Es gebe keinen Zweifel, dass die Ausschüttungen an die Aktionäre ernsthaft in Gefahr seien, sagte etwa ein Goldman-Sachs-Analyst dem «Wall Street Journal». Gemäss seinen Berechnungen müssten die Unternehmen ihre Investitionen in den nächsten Jahren um 30 Prozent zurückfahren, wenn sie ihre Dividenden auf dem derzeitigen Niveau halten wollen. Dabei ging der Analyst von einem Ölpreis aus, der sich bei 70 Dollar einpendelt.

Selbst als das Rohöl noch weit höher notierte, mussten sich viele Unternehmen verschulden, um all ihre Ausgaben zu decken. Eine Studie der Citigroup hat dies für die zwölf grössten börsenkotierten Ölkonzerne analysiert. So waren deren Ausgaben im Jahr 2013 für Dividenden und Investitionen um 23 Prozent höher als der Bargeldzufluss. Die Bank schätzt, dass sich für das vergangene Jahr ähnliche Zahlen zeigen werden.

Analysten rätseln über Ölpreis

Noch ist die Finanzierungssituation der Unternehmen komfortabel. Die Schulden der vier weltgrössten, nicht staatlich kontrollierten Ölkonzerne betragen weniger als 20 Prozent des gesamten Kapitals. Laut Analysten besteht noch Spielraum nach oben. Bislang haben sich die Konzerne verschuldet, um grosse Förderprojekte zu finanzieren. Künftig wird dies nötig sein, um den sinkenden Ölpreis aufzufangen.

Derweil rätseln Analysten, wann der Ölpreiszerfall ein Ende nimmt. Der Kurs befinde sich weiterhin im freien Fall, schreibt die UBS in einem Bericht. Der Markt sei besessen von der Vorstellung einer Angebotsschwemme, meint die niederländische Bank ABN Amro. Lieferunterbrüche, wie etwa jener in Libyen vor einigen Tagen, würden komplett ignoriert. Im nordafrikanischen Land, das die grössten Ölreserven des Kontinents besitzt, wurde ein Öltanker bombardiert.

Gleichzeitig greifen Rohstoffhändler auf ungewohnte Mittel zurück. So wurden laut der Nachrichtenagentur Reuters Supertanker gemietet, um darin so lange Öl zu lagern, bis der Preis wieder steigt. Zu den Unternehmen gehören die in der Schweiz ansässigen Vitol und Trafigura, aber auch Royal Dutch Shell. Vitol hat offenbar einen der grössten Supertanker weltweit gemietet. Er fasst knapp eine halbe Milliarde Liter.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch