Die grössten Skandale in Jamie Olivers Restaurants

Gammelfleisch und Nagetiere: Probleme in den Betrieben von Jamie Oliver kündigten sich schon vor den Finanzsorgen an.

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Caroline Freigang@c_freigang

Jamie Oliver ist eigentlich als Frohnatur bekannt: In seinen Kochshows sprüht er vor Energie, während er frische Zutaten schnippelt, mariniert, püriert, anbrät. Das Lachen dürfte ihm in letzter Zeit vergangen sein: Seine Restaurants Jamie’s Italian sollen in Grossbritannien Schulden in Höhe von bis zu 93 Millionen Franken angehäuft haben.

Die Krise kam nicht ganz ohne Ankündigung: Über Jahre hinweg wurden die Läden von Jamie Oliver von mehreren Aufregern erschüttert. Zuletzt war der Fleischlieferant Olivers, Russel Hume, in einen grossen Hygieneskandal verwickelt. Die Lebensmittelkontrolleure Food Standards Agency hatten im Januar massive Hygieneverstösse in den Fabriken festgestellt. Mitarbeiter sollen abgelaufene Produkte mit neuen Etiketten beklebt und so an Kunden geliefert haben.

Abgelaufenes Fleisch, Mausefallen

Jamie Olivers Restaurantkette habe sofort alle Fleischgerichte, also Steaks, Burger, Poulet, von der Karte gestrichen, als sie davon erfuhr, teilte das Unternehmen mit. «Das war am Tag, bevor die FSA empfahl, das Fleisch wegzuschmeissen», sagte ein Sprecher von Jamie's Italian dem britischen «Telegraph». «Wir haben ausserdem sofort den Lieferanten gewechselt.»

Zuvor waren mehrere seiner Restaurants wegen Problemen mit Mäusen in die Schlagzeilen geraten. In die Filiale in Edinburgh wurden 2012 Kammerjäger geholt, um die Nagetiere loszuwerden. Schottische Medien berichteten von toten und sterbenden Mäusen in Mausefallen in der Filiale in Edinburgh. Auch auf Tripadvisor schreiben Nutzer von Mäusen im besagten Restaurant.

Auch in der Jamie’s-Italian-Filiale in Nottingham bestätigte der Umweltbeauftragte der Stadt «gewisse Maus-Aktivitäten». Die Mitarbeiter täten aber alles, um die Schädlinge loszuwerden.

Schimmelige Tierkadaver

Neben den Jamie’s-Italian-Lokalen gab es auch Ärger in Jamie Olivers Edel-Metzgerei Barbacoa. In der Filiale bei der St. Paul's Cathedral, an die auch ein Restaurant angeschlossen ist, hatten Lebensmittelinspektoren Mäusekot «in erheblichem Umfang» gefunden sowie schimmelige Tierkadaver, abgelaufenes Ochsenschwanz- und Wagyu-Fleisch, schmutzige Geräte und Umetikettierungen.

Das Barbacoa wurde mit der Note «A-hazardous» (gefährlich) bewertet – der niedrigst möglichen Bewertung. Die Schlachterei wurde für 24 Stunden geschlossen.

Ärger um Trinkgeld-Regelung

Ebenfalls unter Beschuss geriet Jamie’s Italian wegen seiner Trinkgeldpolitik. Mitarbeiter beschwerten sich, dass sie 2 Prozent vom Umsatz eines Tisches ans Restaurant abgeben mussten. Das Geld sei für Mitarbeiter in der Küche und an der Rezeption.

Da dieser Prozentsatz vom Umsatz eines Tisches und nicht vom tatsächlich eingesammelten Trinkgeld abgegeben werden musste, kam es vor, dass Kellner mit einem Minus nach Hause gingen. Das, obwohl viele Bedienungen bei Jamie’s Italian laut dem «Guardian» den Mindestlohn verdienen, Temporärverträge haben und stark vom Trinkgeld abhängen.

Schweizer Filiale nie eröffnet

Oliver hatte auch in der Schweiz geplant, Läden zu eröffnen. Getan hat sich nichts. Die Vorgänge bei Jamie’s Italian, sprich die finanziellen Probleme, betreffen laut einer Sprecherin Franchise-Filialen ausserhalb Grossbritanniens allerdings nicht. Diese seien durch Jamie’s Italian International gemanagt.

Auch Produkte, die Jamie Oliver bei Coop verkaufte, sind mittlerweile nicht mehr im Sortiment. Das Kochmagazin «Jamie», welches in der deutschen Version von Gruner + Jahr herausgegeben und auch in der Schweiz verkauft wurde, wurde zuletzt eingestellt.

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