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Die BLS-Spitze steht nun unter Zugzwang

Die SBB bieten der BLS einen Kuhhandel an und baut damit Fronten gegen die BLS auf.

MeinungAdrian Sulc
SBB-Chef Andreas Meyer hat seinem Kollegen von der BLS ein Angebot gemacht. Zwischen den beiden Unternehmen wurde aber bereits viel Geschirr zerschlagen.
SBB-Chef Andreas Meyer hat seinem Kollegen von der BLS ein Angebot gemacht. Zwischen den beiden Unternehmen wurde aber bereits viel Geschirr zerschlagen.
Alexandra Wey / Keystone

Die SBB spielen ihre Karten geschickt aus. Dem mit Abstand grössten Bahnunternehmen im Land ist es ein Dorn im Auge, dass die kleine BLS die Chance packt und eigene Fernverkehrszüge betreiben will. Dass der Wiedereinstieg in den Fernverkehr für die BLS so verlockend ist, hat einen Grund: Beim stark subventionierten Regionalverkehr dürfen keine Gewinne gemacht werden. Im Fernverkehr, also mit Intercity- und Interregio-Zügen, hingegen schon.

Die BLS wollte ihr Netz stark ausweiten und unter anderem nach St. Gallen und Basel fahren. Doch die SBB haben der BLS nun vorgerechnet, dass deren Pläne keinen Gewinn, sondern Verluste versprechen. Ob die Berechnungen einer neutralen Überprüfung standhalten würden, ist offen. Denn zwischen den beiden Unternehmen – namentlich zwischen SBB-Chef Andreas Meyer und BLS-Chef Bernard Guillelmon – wurde bereits viel Geschirr zerschlagen. Die SBB wollen ihre Fernverkehrskonzession um keinen Preis teilen. Nun bieten sie der BLS an, drei kleine und wenig prestigeträchtige Fernverkehrslinien zu betreiben. Die Südostbahn wollte ursprünglich ebenfalls eine eigene Konzession und hat vergangenen Monat einem Pakt mit den SBB zugestimmt. Doch mit einer solchen Lösung hätte die BLS genau jene Rolle des Juniorpartners, die sie nicht haben möchte.

Mit dem verknüpften Angebot einer gemeinsamen Werkstätte setzten die SBB die BLS-Spitze nun gehörig unter Druck. Denn die Neubaupläne in Bern-West benötigen viel Energie und drohen das gesamte Bahnunternehmen zu blockieren. Nun bieten ausgerechnet die SBB Hand zur Lösung. Die SBB wissen um diesen Joker und haben diese Informationen deshalb bewusst unter den eigenen Mitarbeitern breit gestreut. Sie erhoffen sich davon, dass die BLS nun gegen zwei Fronten kämpfen muss: gegen die SBB und die bernische Politik. Denn der Mehrheitsaktionär der BLS könnte am SBB-Vorschlag Gefallen finden und die Bahn zu einem Kompromiss drängen. Dann wäre das Spiel der SBB aufgegangen.

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