Die Berner Börse verlässt Bern

Die einzige verbliebene Konkurrentin zur Schweizer Börse in Zürich zieht es nun ebenfalls an die Limmat.

Nach 132 Jahren verlässt die Berner Börse BX Berne Exchange die Stadt Bern und zügelt nach Zürich.

Nach 132 Jahren verlässt die Berner Börse BX Berne Exchange die Stadt Bern und zügelt nach Zürich. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Nach 132 Jahren kehrt die Berner Börse ihrer Heimatstadt den Rücken zu. Die BX Swiss, wie sich das Unternehmen heute nennt, zügelt ihr Büro von der Berner Aarbergergasse an die Zürcher Löwenstrasse. Dort, einen Speerwurf von der Schweizer Börse SIX entfernt, sei man näher bei den Kunden, sagt Luca Schenk, Geschäftsführer der Berner Börse. «Alle unsere Stakeholder sitzen in Zürich: die Banken, die über uns handeln, und die Anbieter der Fonds, die bei uns gehandelt werden.»

Während das operative Geschäft künftig in der Limmatstadt betrieben wird, bleibt der juristische Sitz der BX Swiss AG in Bern (BX steht für Berne Exchange). Das Unternehmen ist 2014 aus dem Berner Börsenverein hervorgegangen. Die Trägerschaft der Berner Börse bestreiten seit jeher die in Bern aktiven Banken, darunter UBS, Credit Suisse, BEKB, Valiant, Julius Bär und die DC Bank. Im Aktionariat gebe es keine Änderungen, sagt Börsenchef Schenk.

Die Berner Börse zählt heute lediglich drei Mitarbeiter, Schenk inklusive. «Wir sind schlank unterwegs und haben viel ausgelagert», sagt dieser. In Zürich soll die Zahl der Angestellten nun auf sechs steigen, denn die BX Swiss will ihr Angebot weiter ausbauen. Bereits in den letzten Jahren hat sie sich vom Handelsplatz für Regionalunternehmen zur kleinen Konkurrentin der Schweizer Börse gewandelt.

So können über die Berner Börse heute alle Schweizer und diverse ausländische Aktien gehandelt werden, dazu verschiedene Fonds. Die deutsche Baader Bank stellt als Market Maker sicher, dass alle Titel auch jederzeit gekauft und verkauft werden können.

Ohne Hochfrequenzhandel

Schenk betont, dass die BX Swiss gemäss einer eigenen Auswertung in 70 Prozent der Zeit kleinere Spreads bietet als die SIX. Das heisst, dass An- und Verkaufspreise der Aktien näher beieinander liegen als bei der Schweizer Börse, was für Käufer und/oder Verkäufer der Titel vorteilhaft ist. Bei den börsengehandelten Fonds (ETF) sei dies sogar in 90 Prozent der Zeit der Fall. Schenk begründet dies mit den Hochfrequenzhändlern, die an der Schweizer Börse aktiv sind, bei der Berner Börse aber keinen Zugang haben. «Bei der SIX gewinnen die Schnelleren, also die Maschinen.»

Stachel im Fleisch der SIX

Trotzdem ist die Berner Börse volumenmässig noch ein Zwerg. «Grundsätzlich hätten die Marktteilnehmer jedes Interesse, über uns zu handeln», sagt Schenk. Doch offentsichtlich ist die BX Swiss noch zu wenig bekannt – und auch noch nicht ans E-Banking aller Banken angeschlossen. Schenk und sein Team müssen um Aufmerksamkeit kämpfen.

Mit dem Umzug nach Zürich versucht die Berner Börse nun ihre Rolle als Stachel im Fleisch der Schweizer Börse noch zu verstärken. Die Aktionäre der SIX wird das nicht stören: Es sind wie bei der BX Swiss die Schweizer Banken – und wenn sich die Konkurrenz der beiden Börsen positiv auf Preis oder Leistung auswirkt, kann sie das nur freuen. (Der Bund)

Erstellt: 16.12.2016, 20:32 Uhr

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