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Die Banken sind stärker als der Staat

Nicht nur in Island, auch in der Schweiz sind die Bankbilanzen um ein Vielfaches grösser als das Volkseinkommen. Das Risiko eines Kollapses aber ist geringer.

UBS-Konzernchef tritt am 26. Februar 2008 mit sofortiger Wirkung zurück. Der ehemalige Credit Suisse-Chef Oswald J. Grübel übernimmt die Führung.
UBS-Konzernchef tritt am 26. Februar 2008 mit sofortiger Wirkung zurück. Der ehemalige Credit Suisse-Chef Oswald J. Grübel übernimmt die Führung.
Keystone
General Motors fährt einen Verlust von 31 Milliarden Dollar ein.
General Motors fährt einen Verlust von 31 Milliarden Dollar ein.
Keystone
Die Wellen der Depression schwappten bis nach Europa – und gaben dort den politischen Extremisten Aufwind. Eine Gruppe von Menschen steht am 13. Juli 1931 vor der in die Krise geratene Darmstädter und Nationalbank (Danatbank) in Berlin.
Die Wellen der Depression schwappten bis nach Europa – und gaben dort den politischen Extremisten Aufwind. Eine Gruppe von Menschen steht am 13. Juli 1931 vor der in die Krise geratene Darmstädter und Nationalbank (Danatbank) in Berlin.
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Der Zusammenbruch der grössten isländischen Banken droht gleich den ganzen Staat in den Ruin zu treiben, weil der Anteil der Banken an der gesamten Volkswirtschaft sehr hoch ist. Nach unterschiedlichen Quellen übersteigen die Bilanzsummen der drei grössten Banken das BIP der Insel um das Acht- bis Zehnfache.

Auch in der Schweiz sind die Bilanzsummen der Grossbanken um ein Vielfaches grösser als das Bruttoinlandprodukt (BIP). Das Verhältnis ist fast gleich wie in Island (siehe Grafik). UBS und CS bilden zusammen gut die Hälfte der Bilanzsumme des gesamten schweizerischen Bankensektors.

«Selbst in Ländern mit grossen Börsen wie Deutschland, Frankreich und England liegt dieser Wert deutlich tiefer», bestätigt Nationalrat und Ökonom Hans Kaufmann (SVP, ZH). Er meint, dass der Staat im schlimmstmöglichen Fall «widerwillig eingreifen und die Banken finanziell unterstützen müsste».

Geheimplan für den Notfall

Die Rettung wäre allerdings aus Sicht des Bundeshaushalts alles andere als ein Pappenstiel. Kaufmann geht davon aus, dass ein Beitrag in der Höhe von 10 bis 100 Milliarden Franken nötig wäre – für eine Grossbank. Die jährlichen Bundeseinnahmen liegen bei 58 Milliarden Franken. Die Schweiz bräuchte Hilfe von Aussen.

Wie eine solche Fremdfinanzierung aussehen könnte, damit beschäftigt sich ein nicht öffentlicher Massnahmenplan, den der Bundesrat für den unwahrscheinlichen Notfall vorbereitet hat. Dabei geht es vor allem um die Fragen, wie das Eigenkapital einer betroffenen Bank gestärkt und in welchem Umfang die Guthaben der Kunden gesichert würden, erklärt ein anderer Experte hinter vorgehaltener Hand.

Mit Island nicht vergleichbar

Abgesehen von den vergleichsweise hohen Bilanzsummen der Banken und den damit verbundenen Risiken sind die Voraussetzungen in der Schweiz aber in vielerlei Hinsicht anders als in Island. Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer weist darauf hin, dass die Schweizer Banken ausserordentlich gut kapitalisiert seien. «Im Unterschied zu gewissen in Not geratenen Banken haben die schweizerischen Institute zudem deutlich weniger kurzfristige Verbindlichkeiten.»

Ein hoher Anteil von kurzfristigen Schulden könne sich besonders im Fall einer Vertrauenskrise verheerend auswirken, sagt Bührer.

Komfortable Ausgangslage

Die Finanzinstitute in der Schweiz «verfügen über ein sehr breit abgestütztes Kreditportfolio – in Island ist die Abhängigkeit von Fischerei und Tourismus gross», sagt Thomas Sutter, Sprecher der Schweizerischen Bankiervereinigung. Dank dem Geschäft mit der Vermögensverwaltung stehe es zudem deutlich besser um die Liquidität. Schliesslich gebe es in der Schweiz bei guter Wirtschaftslage keinen überhitzten Immobilienmarkt.

Die Schweizer Banken seien angesichts der aktuellen Quartalszahlen in einer wesentlich komfortableren Ausgangslage als die Grossbanken der Nachbarländer, betont Kaufmann. «Wenn im schlimmstmöglichen Fall mehrere europäische Banken in einem Dominoeffekt zusammenbrechen, würde es die Schweizer Grossbanken erst am Schluss treffen», sagt Kaufmann. In diesem Fall könnten die schweizerischen Institute wohl indirekt von den Rettungsaktionen und Staatsgarantien anderer Länder profitieren, die bereits Massnahmen vorbereitet hätten, um den Dominoeffekt zu stoppen.

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