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Die älteste Bank der Welt taumelt

Alter schützt vor der Krise nicht: Die 1472 gegründete Banca Monti dei Paschi in Siena steckt mitten im Euro-Wirbelsturm. Deshalb kann sie nicht mehr der «Bancomat der Region» sein.

Manchmal schliessen sich die Kreise der Geschichte. Die Krise um die Staatsanleihen von Eurostaaten ist dort angekommen, wo diese öffentlichen Wertpapiere einst erfunden wurden. In der italienischen Mittelalterstadt Siena steckt eine Bank im Krisenstrudel, die es seit 1472 gibt – die Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) ist damit die älteste noch bestehende Bank der Welt.

Heute hat MPS nach eigenen Angaben über 1900 Filialen in Italien und ist auf den wichtigen Finanzplätzen der Welt in allen Geschäftsbereichen des modernen Banking tätig.

Längst ist Italien in den Fokus der Finanzmärkte geraten. Es steigt die Angst, die Regierung der drittgrössten Euro-Volkswirtschaft könnte ihre Schulden nicht mehr bezahlen – und mit der Angst steigt der Druck auf die italienischen Banken.

Das Risiko der sicheren Anlagen

Die fünf grössten Eigner von italienischen Staatsanleihen sassen Ende 2010 auf Papieren im Wert von 164 Milliarden Euro, rechnet das «Wall Street Journal» (WSJ) vor. MPS sei dabei am riskantesten in den einst als ultrasicher geltenden Anlagen investiert: Staatsanleihen im Wert von 32,5 Milliarden Euro hielt MPS Ende Jahr – und das bei einem Eigenkapitalpolster von wenig mehr als 7 Milliarden Euro.

Laut dem «Wall Street Journal» soll Brüssel MPS demnächst zu einer Kapitalerhöhung von 2 Milliarden Euro (knapp 2,5 Milliarden Franken) zwingen. Im Frühling 2009 musste die Bank bei der italienischen Regierung um eine Finanzspritze von 1,9 Milliarden Euro ersuchen. Unlängst wurde MPS – zusammen mit anderen italienischen Banken – von Standard & Poor's auf ein Triple B heruntergestuft.

«Können nicht mehr Bancomat sein»

Die Probleme des Instituts mit den repräsentativen Geschäftsräumen an der historischen Piazza del Campo in Siena betreffen die gesamte Region. Denn die Stiftung, die rund 55 Prozent der Anteile an der Bank hält, fühlte sich bisher ganz ihren Ursprüngen als nicht gewinnorientiertes, wohltätiges Pfandleihhaus für Arme in Notsituationen verpflichtet. Doch diese fetten Jahre dürften nun erst einmal vorbei sein: «Wir können nicht mehr Sienas Bancomat sein», sagt Stiftungspräsident Gabriello Mancini dem WSJ.

Mit 3000 Arbeitsplätzen in der Region ist MPS ausserdem der grösste Arbeitgeber Sienas – und für 60 Prozent der Privaten und Unternehmer der Gegend verantwortlich. Bis zur Krise im Jahr 2008 flossen laut WSJ aus der mächtigen Fondazione jährlich rund 250 Millionen Euro in gemeinnützige Projekte in der Toskana. Dieses Jahr sollen es noch 50 Millionen sein. Mit einem jährlichen Zuschuss von 25 Millionen Euro durfte bisher jeweils die Stadt Siena rechnen – die Bank stellte damit ein Sechstel des öffentlichen Budgets.

«Noch nicht das volle Ausmass»

Um die Aktienmehrheit – und damit die Kontrolle über die Geschäfte und die Wohlfahrtstätigkeit – zu behalten, hat sich die Bank tief verschuldet. Immer in der Hoffnung, dass die konjunkturelle Abwärtsspirale irgendwann aufhört. Doch der Kurs der Aktie ist weiterhin am Sinken. Und angesichts der anhaltenden Eurokrise und des Wertzerfalls von Staatsanleihen brauchen die Banken weiterhin vor allem eines: mehr Kapital.

Der Rektor der örtlichen Universität, die bisher ebenfalls mit der Grosszügigkeit der Fondazione rechnen konnte, sagt gegenüber dem WSJ: «Was wir in Siena zu spüren bekommen haben, ist noch nicht das volle Ausmass.»

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