Zum Hauptinhalt springen

Deutsche-Bank-Absturz reisst UBS und CS mit

Erstmals fiel das Beteiligungspapier des grössten deutschen Geldinstituts unter 10 Euro. Der rapide Niedergang verunsichert die Märkte weltweit.

Rapider Abwärtstrend der einst stolzen Bank: Sitz der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.
Rapider Abwärtstrend der einst stolzen Bank: Sitz der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.
Boris Rössler, Keystone
Das Gerücht, mehrere Hedge Fonds hätten sich von ihren Deutsche-Bank-Aktien getrennt, liess den Kurs in New York am 29. September 2016 um mehr als 6 Prozent sinken.
Das Gerücht, mehrere Hedge Fonds hätten sich von ihren Deutsche-Bank-Aktien getrennt, liess den Kurs in New York am 29. September 2016 um mehr als 6 Prozent sinken.
Richard Drew, Keystone
Das US-Justizministerium wirft der Deutschen Bank vor, das Risiko von Immobilien-Beteiligungspapieren, die die Bank in den USA verkaufte, heruntergespielt zu haben.
Das US-Justizministerium wirft der Deutschen Bank vor, das Risiko von Immobilien-Beteiligungspapieren, die die Bank in den USA verkaufte, heruntergespielt zu haben.
Michael Probst, Keystone
1 / 5

Die Nervosität über die Stabilität der Deutschen Bank wird immer grösser. Heute Morgen fiel der Aktienkurs erstmals unter 10 Euro und damit auf den tiefsten Stand aller Zeiten. Auslöser sind Berichte, wonach Hedgefonds ihre Geschäfte mit der Bank reduziert hätten.

Einige Hedgefonds aus den USA hätten Gelder aus der Handelssparte von Deutschlands Branchenprimus abgezogen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Dies sorgte für einen Kurssturz der Aktie, die erstmals in der Geschichte der Deutschen Bank unter die psychologisch wichtige Marke von 10 Euro fiel. 2007 war das Papier noch über 100 Euro wert gewesen.

Aktie so billig wie ein Kasten Bier

Mit 9,898 Euro war die Aktie am Morgen zeitweise so billig wie noch nie und kostete noch so viel wie ein Kasten Bier. Gegen Mittag erholte sich der Kurs wieder etwas auf 10,335 Euro und notierte damit um 5 Prozent unter dem Vortagesschluss.

Angesichts immer neuer Spekulationen um Kapitallücken und mögliche Staatshilfen haben die Aktien in den vergangenen zwei Wochen ein Viertel an Wert verloren. Die Bank ist derzeit an der Börse keine 14 Milliarden Euro mehr wert.

Schweizer Banken mitbetroffen

Die Anleger in New York reagierten heftig. Nicht nur der Kurs der Deutschen Bank rutschte ab, auch andere Grossbanken wie Goldman Sachs, Citigroup und Bank of America mussten Verluste von teils mehr als zwei Prozent hinnehmen.

Auch im europäischen Handel verloren die Aktien der Finanzhäuser deutlich an Wert. Sämtliche Titel des Leitindexes SMI lagen im Minus. Der SMI gab um 9.30 Uhr etwas mehr als 1,5 Prozent ab. Bis Börsenschluss büsste der SMI noch 0,31 Prozent auf 8139,14 Punkte ein, im Tagestief war er im frühen Geschäft bis auf 8020 Stellen abgerutscht.

Die beiden Schweizer Grossbanken UBS und CS lagen zwischen 4 und 5 Prozent im Minus. Danach fingen sich die Aktien der Banken aber und wechselten kurz vor Schluss teilweise gar noch das Vorzeichen. So gewannen die Credit Suisse und UBS am Ende 0,9 Prozent bzw. 1,5 Prozent.

Drohende Rekordbusse abgewendet

Die Bank satnd unter anderem wegen einer drohenden Milliardengeldbusse in den USA unter Druck. Das US-Justizministerium hat wegen Geschäften mit faulen Hypothekenpapieren 14 Milliarden Dollar gefordert. Die Deutsche Bank hatte jedoch von Anfang an erklärt, dass sie die 14 Milliarden Dollar nicht zahlen werde, und auf ihre Verhandlungen mit dem US-Justizministerium gesetzt. Laut der Nachrichtenagentur AFP ist es ihr gelungen, eine deutliche Absenkung ihrer Strafzahlung zu erreichen. So soll die Summe auf 5,4 Milliarden Dollar herabgesetzt werden.

Weil die Rücklagen des Finanzunternehmens für Rechtsstreitigkeiten nur etwa 5,5 Milliarden Euro betragen, gab es in den vergangenen Tagen mehrfach Gerüchte über Pläne für Staatshilfen. Vorstandschef John Cryan wies dies am Mittwoch in der «Bild»-Zeitung zurück. Auch eine Kapitalerhöhung schloss er zum jetzigen Zeitpunkt aus. Die Frage stelle sich derzeit nicht; die Situation der Deutschen Bank sei besser, als sie derzeit von aussen wahrgenommen werde.

Italiens Regierung besorgt

Derweil dementierte die deutsche Regierung, an einem Rettungsplan für die Deutsche Bank zu arbeiten. Heute lehnte die Bundesregierung jeden Kommentar zu Spekulationen über einen Staatseinstieg bei der Bank ab. Eine Regierungssprecherin sagte, in einem Telefonat von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit US-Präsident Barack Obama sei die Bank kein Thema gewesen.

Anderswo ist die Besorgnis dagegen manifest: Italiens Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan forderte eine rasche Lösung für die Schwierigkeiten der Deutschen Bank. «Genauso wie das Problem der faulen Kredite in einem vernünftigen Zeitrahmen gelöst werden muss, sollte dies auch für die Probleme der Deutschen Bank gelten», sagte der Minister der italienischen Zeitung «La Stampa» in einem Interview.

sda/afp/rub

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch