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Deutsche Glacehersteller im Hitzerausch

Das anhaltend heisse Wetter bringt den Produzenten von Glace bereits Rekordumsätze – wie schon im Jahrhundertsommer 2003.

Die Sortenvielfalt steigt, doch Vanille bleibt in Deutschland der Renner: Angebot in einem Café in Göppingen.
Die Sortenvielfalt steigt, doch Vanille bleibt in Deutschland der Renner: Angebot in einem Café in Göppingen.
Keystone

Die Hitzewelle der vergangenen Wochen sorgt nach dem verregneten Start in die Sommersaison für wahre Rekordumsätze. Ob Schokolade, Vanille oder exotische Sorten wie Williams-Christ-Birne – die Deutschen schlecken derzeit so viel Eis wie schon lange nicht mehr. Die vergangene Woche habe beim Eisverkauf sogar den Jahrhundertsommer von 2003 übertroffen, sagt Langnese-Deutschland-Chef Alexander Kühnen.

Allein vom Klassiker Capri gingen jährlich über zwölf Millionen Stück über die Ladentheke. Werksdirektor Oliver Ackermann erklärt, dass derzeit pro Minute 500 Liter Langnese-Eis produziert würden. Täglich würden 50 Lkw-Ladungen Eis das Werksgelände verlassen. Insgesamt 750 Mitarbeiter arbeiten derzeit im Heppenheimer Werk rund um die Uhr an sechs Tagen die Woche.

Zwei Millionen Stück Speiseeis pro Tag

Auch beim Eishersteller Schöller zeigt man sich zufrieden. In den ersten zehn Juli-Tagen seien 25 Prozent mehr Eis als im gleichen Zeitraum im Rekordsommer 2003 verkauft worden, sagt Sprecher Sören Pinkow. Er betont jedoch, dass es sich dabei um eine Momentaufnahme handle. 2003 habe der Sommer sehr viel früher begonnen; der Eishunger sei im Juli bereits schon gestillt gewesen. Generell werde an heissen Tagen acht- bis zehnmal so viel Eis verkauft als an kühleren, fügt er hinzu. Täglich rund zwei Millionen Stück Speiseeis würden täglich im Werk in Uelzen produziert.

Nach einer Statistik vom Eis Info Service, einer Informationsstelle für deutsche Markenhersteller, gönnt sich jeder Deutsche durchschnittlich acht Liter Eis im Jahr – und das fast konstant seit zehn Jahren. Über eine Milliarde Eis am Stiel werden pro Jahr geschleckt. Im Rekordsommer 2003 wurden sogar insgesamt 587 Millionen Liter Speiseeis verkauft, der Pro-Kopf-Verbrauch lag damals bei 8,7 Liter. Damit belegt Deutschland in einem internationalen Vergleich aber nur eine Position im Mittelfeld: Denn die Neuseeländer schlecken mit einem stolzen Pro-Kopf-Verbrauch von 28,4 Litern im vergangenen Jahr weltweit am meisten Eis.

Von einem Rekordsommer will man bei der Union der italienischen Speiseeishersteller in Deutschland (Uniteis) allerdings noch nicht sprechen. «Der Frühling war sehr regnerisch, kalt und nicht so umsatzstark», sagt Pressesprecherin Anna Lisa Carnio. Insofern habe man grossen Nachholbedarf. Jedoch seien die Produzenten sehr optimistisch, dass es ein guter Sommer werden könnte.

Fruchtsorten derzeit besonders begehrt

Besonders gefragt bei den tropischen Temperaturen sind Carnio zufolge Fruchteis oder erfrischende Sorbets. «An solch heissen Tagen ist die Nachfrage nach klassischen Eissorten wie Vanille oder Schokolade nicht ganz so hoch», erklärt die Pressesprecherin.

Nach Prosecco- und Ricotta-Eis gibt es in diesem Jahr eine ganz neue Kreation der Delikatessen-Vereinigung: Cantuccino-Eis – benannt nach dem Mandelkeks, den man in der Toskana in süssen Wein tunkt. Allerdings verkaufen sich solche exotische Sorten laut der Sprecherin eher schlechter als die Klassiker.

dapd/raa

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