Mit Russ und Rauch gegen Ökoautos

US-Konservative setzen ihre Diesel-Trucks als Waffe gegen verhasste Hybridautos ein. Damit lässt sich der politische Feind gut ärgern.

Gegner von umweltfreundlichen Autos in den USA blasen ihren Feinden Russ und Rauch um die Ohren: Ein Diesel-Pick-up hinterlässt eine schwarze Rauchwolke.

Gegner von umweltfreundlichen Autos in den USA blasen ihren Feinden Russ und Rauch um die Ohren: Ein Diesel-Pick-up hinterlässt eine schwarze Rauchwolke.

(Bild: www.businessinsider.com)

Martin Kilian@tagesanzeiger

Barack Obama ist ihnen ein Gräuel, der Staat ein lästiges Kindermädchen, das die Bürger bevormundet. Sie lachen über Michelle Obamas Versuche, der amerikanischen Fettsucht mit besserer Ernährung beizukommen. Sie sind konservativ, überwiegend weiss, zuweilen Libertarier - und verhöhnen liberale Demokraten und Linke als «Brie-und-Chardonnay» liebende Weicheier. Oder als «Tree Huggers», deren Hang zum Umweltschutz sie gnadenlos verspotten.

Wittern sie Angriffe auf das ihrer Meinung nach verbriefte Recht auf Waffenbesitz, kaufen sie schon aus reinem Trotz noch mehr Schusswaffen und Munition. Klimawandel empfinden sie als linken Betrug, der von Obama vermeintlich angezettelte «Krieg gegen Kohle» ist ihnen hingegen eine Gewissheit. Seit Jahren ärgern sie sich nicht nur über Steuerrabatte für Hybridautos, sondern über Elektroautos und Hybride schlechthin. Und als Protest gegen die umweltfreundlichen Autos und deren Besitzer rüsten sie ihre Diesel-Pickups um, damit sie dem Feind tüchtige Portionen von pechschwarzem Russ und Rauch um Auto und Ohren blasen können.

Wie eine lästige Stechmücke

«Rolling coal» oder «rollende Kohle» sei ein probates Mittel gegen die Hybride, finden sie. Auf den Heckscheiben ihrer Trucks prangt oft ein grosser Aufkleber mit den Worten «Prius Repellent», sogenannt nach Toyotas Prius, dem Ur-Hybriden. Wie eine lästige Stechmücke soll der Prius samt Fahrer abgewehrt werden. «Prius Repellent» sei eine «perfekte Einführung in eine der grossen konservativen Subkulturen der Obama-Ära», schreibt David Weigel im Online Magazin «Slate» über die Russmacher.

Durch Veränderungen am Motor und voluminöse vertikale Auspuffrohre, sogenannte «Smokestacks» oder «Schornsteine», erzeugen die Pickup-Trucks der Hybrid-Feinde Russ- und Rauchmengen, die bei Bedarf auf das nachfolgende Fahrzeug niederrieseln. In einem YouTube-Video wird es vorgeführt: Im richtigen Moment erzeugt der Diesel die gewünschte Luftverschmutzung, schnell geht der nachfolgende Prius auf Distanz zu Russ und Rauch. «Wir haben ihn gekriegt!», kommentieren erfreut die Insassen des Pickups.

Quelle: Youtube/doug coons

In einem anderen YouTube-Video wird die «rollende Kohle» auf eine junge Frau am Strassenrand geblasen. Sie geht förmlich unter im dichten schwarzen Rauch.

Quelle: Youtube/Renato Sanchez

Die Russ-Gemeinde

Auf eigenen Facebook-Seiten und speziellen Online-Portalen tauscht sich die Russ-Gemeinde aus und lernt den eigenen Diesel zur Hybrid-Abwehr umzurüsten. So etwa auf dieselhub.com, wo allerdings gewarnt wird, «verantwortungsbewusst zu rauchen». Denn keinesfalls wolle man den Umweltschützern «Munition für weitere Emissionsbegrenzungen verschaffen». Trotzdem beschreibt dieselhub.com, wie der Motor des Trucks problemlos umgerüstet werden kann, sei es durch Manipulationen am Motorcomputer oder durch den Einbau «grösser Einspritzventile zusammen mit aggressivem Tuning».

Dadurch werde dem Aficionado «rollender Kohle» ermöglicht, «massive schwarze Rauchwolken» zu erzeugen. Und damit den politischen Feind so richtig zu ärgern.

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