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Der Sohn, der seinen Vater verriet

Der kürzlich verstorbene Mark Madoff soll nichts von den Machenschaften seines Vaters gewusst haben. Vom ergaunerten Geld hat er sich aber ein luxuriöses Leben finanziert.

Bernard Madoff hat in den USA einen Investmentfonds nach dem Schneeballsystem betrieben. Der Schaden, den der Grossbetrüger anrichtete, wird auf mindestens 65 Milliarden Dollar beziffert. Die Zahl der Geschädigten beträgt schätzungsweise 4800.
Bernard Madoff hat in den USA einen Investmentfonds nach dem Schneeballsystem betrieben. Der Schaden, den der Grossbetrüger anrichtete, wird auf mindestens 65 Milliarden Dollar beziffert. Die Zahl der Geschädigten beträgt schätzungsweise 4800.
Keystone
Jahrelang in der Firma seines Vaters tätig gewesen: Undatiertes Foto von Mark Madoff.
Jahrelang in der Firma seines Vaters tätig gewesen: Undatiertes Foto von Mark Madoff.
AFP
Der einstige Finanzjongleur ist im Butner-Gefängnis im US-Bundesstaat North Carolina Häftling Nr. 61727-054. Madoff arbeitet in der Gefängnis-Küche, er schrubbt Pfannen und Töpfe. In der Freizeit spielt er gerne Boccia, Schach und Dame.
Der einstige Finanzjongleur ist im Butner-Gefängnis im US-Bundesstaat North Carolina Häftling Nr. 61727-054. Madoff arbeitet in der Gefängnis-Küche, er schrubbt Pfannen und Töpfe. In der Freizeit spielt er gerne Boccia, Schach und Dame.
Keystone
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Die Geschichte vom grössten Finanzschwindel erhielt kürzlich eine tragische Fortsetzung: Mark Madoff, der Sohn des Milliardenbetrügers Bernard Madoff hatte Selbstmord begangen - zwei Jahre nachdem er seinen Vater angezeigt und so die Lawine ins Rollen gebracht hatte.

Mark Madoff wurde am Samstag erhängt in seiner New Yorker Wohnung aufgefunden, wie die Polizei bestätigte. Bernard Madoff hatte seinen beiden Söhnen den Betrug Ende 2008 offenbart und war auf deren Hinweis hin festgenommen worden.

An Hundeleine erhängt

Sein Schwiegervater habe den 46-Jährigen entdeckt, hiess es in US- Medien. Mark Madoff habe sich mit einer Hundeleine erhängt, berichtete die Polizei. Sein zweijähriger Sohn schlief demnach im Nebenzimmer mit dem Hund an seiner Seite.

Mark Madoff habe seiner Frau, die sich mit einem weiteren Kind des Paars in Florida aufhielt, kurz davor eine E-Mail geschickt. Darin habe er gebeten, dass jemand vorbeikommen und nach dem Kleinkind sehen solle. Laut Polizeikreisen wurde kein Abschiedsbrief gefunden.

In der Firma des Vaters tätig

«Es ist eine schreckliche und unnötige Tragödie», hiess es in einer Erklärung der Anwälte der Madoff-Söhne. Mark sei ein unschuldiges Opfer der Machenschaften seines Vaters geworden. «Mark hat dem zwei Jahre währenden Druck von falschen Anschuldigungen und Andeutungen nicht mehr standgehalten.»

Zuletzt hatte es geheissen, Mark sei über den jahrzehntelangen Betrug seines Vaters sehr verbittert gewesen. Das «Wall Street Journal» schrieb kürzlich, dass die beiden Madoff-Söhne Mark und Andrew in den vergangenen zwei Jahren kein einziges Wort mit ihren Eltern gewechselt hätten.

Madoffs Söhne hatten zwar in der Firma ihres Vaters gearbeitet, wollen von dem Schneeball-System aber keine Ahnung gehabt haben. Die Ermittler konnten ihnen kein Fehlverhalten nachweisen. Allerdings verklagte sie der Treuhänder Irving Picard, der versucht, den Betrugsopfern zumindest einen Teil ihres Schadens zu ersetzen. Er wirft Madoffs Söhnen vor, dass sie mit dem ergaunerten Geld ein luxuriöses Leben geführt hätten.

150 Jahre Haft

Bernard Madoffs Investmentfirma hatte auf dem Papier ein Volumen von mehr als 60 Milliarden Dollar - tatsächlich war jedoch viel heisse Luft dahinter, weil der Finanzjongleur die Gewinne früherer Kunden einfach mit den Investitionen der nächsten Anleger bezahlte. In der Finanzkrise, als ausreichend neues Geld ausblieb, kam das Schneeball- System aber ins Stocken.

Nach jüngsten Schätzungen soll Madoff über Jahrzehnte hinweg bei mehreren tausend Investoren rund 20 Milliarden Dollar eingesammelt haben.

Es war der grösste Wirtschaftsbetrug der Geschichte. Der 72- Jährige wurde im Juni 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt. Die Strafe sitzt er in einem Bundesgefängnis in North Carolina ab.

100 Klagen hängig

Am Samstag lief auch die Frist ab, bis zu der Treuhänder Picard Geld von mutmasslichen Nutzniessern des Betrugssystems zurückfordern konnte. Zum Schluss feuerte Picard seine bisher grösste Klage ab: Von der österreichischen Bankerin Sonja Kohn verlangt er 19,6 Milliarden Dollar. Er wirft ihr vor, über Jahrzehnte wissentlich Investoren an Madoff weitervermittelt und dafür Millionen an Provisionszahlungen kassiert zu haben.

Insgesamt verlangt Picard von diversen Finanzunternehmen rund 50 Milliarden Dollar. Von der Grossbank UBS fordert er 2,5 Milliarden Dollar. Unter den Beklagten sind weitere bekannte Namen wie die britische Grossbank HSBC oder die US-amerikanische Grossbank JP Morgan. Mehr als 100 Klagen sind hängig.

Bisher hat der US-Jurist etwa 2,6 Milliarden Dollar für Madoffs Opfer zusammengekratzt. Die Genfer Privatbank UBP einigte sich mit Picard auf eine Entschädigungssumme von bis zu 500 Millionen Dollar.

SDA/mrs

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