Der rasende Chef von Ryanair

Michael O’Leary kämpft mit aller Macht und reichlich Charisma gegen Lufthansa.

Fährt bei der Konkurrenz schon mal mit dem Panzer vor: Michael O'Leary. Foto: Bernd von Jutrczenka (DPA, Keystone)

Fährt bei der Konkurrenz schon mal mit dem Panzer vor: Michael O'Leary. Foto: Bernd von Jutrczenka (DPA, Keystone)

Michael Bauchmüller@MBauchmueller

Michael O’Leary hat nicht viel Zeit zu verlieren. Weder bei Air Berlin noch bei seiner Pressekonferenz in der deutschen Hauptstadt Berlin. Der Ryanair-Chef stürzt in den Raum, schmeisst sein Sakko in die Ecke und verteilt persönlich jedem Einzelnen seine Botschaft. Zwei Seiten, DIN A4. Ein «offensichtlicher Komplott» sei im Gange, steht da. Eine «künstlich erzeugte Insolvenz». Weitaus unterhaltsamer sind diese Inhalte, die Ryanair schon seit einigen Wochen propagiert, allerdings, wenn O’Leary, Chef der irischen Billigairline seit 1994, das alles selbst sagt.

Das Komplott macht er aus zwischen Lufthansa-Chef Carsten Spohr und seinem «Minion», dem Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann, mit Unterstützung von «Miss Merkel». Ein Minion? Im Film «Ich – einfach unverbesserlich» hält sich der Bösewicht eine Armee von Minions, willfährigen Untergebenen.

Nur ist in O’Learys Version offensichtlich Spohr (er nennt ihn nur «Carsten») der Bösewicht – und Winkelmann der Untergebene. Beide arbeiteten daran, Lufthansas Marktanteil bei Inlandflügen auf 95 Prozent zu heben. «Nicht einmal in Nordkorea würde ein Zusammenschluss mit 95 Prozent Marktanteil abgesegnet», sagt der Ryanair-Chef. Kein «german champion» entstehe so, sondern ein «german monster». Einfach unverbesserlich: Der Mann neigt zu drastischen Worten – und Methoden. Vor der Zentrale des Erzrivalen Easyjet fuhr er schon mit dem Panzer vor, um die Konkurrenz auf ihr drohendes Ende vorzubereiten. Im Geschäft sind ihm viele Mittel recht.

«Ab-ge-kar-te-tes Spiel»

Im Ringen um Marktanteile in Deutschland sind es nun die Behörden. Das «Bun-des-kar-tell-amt» (O’Leary) müsse den Deal dringend überprüfen, ebenso die EU-Kommission. Entsprechende Gespräche werde Ryanair noch diese und nächste Woche führen. «Keine Airline ist jemals im August pleitegegangen», sagt O’Leary. «Das ist eine Zeit, wo selbst Air Berlin Geld hat.» Schliesslich brumme im Sommer das Geschäft.

Nein, den Grund sieht der Ryanair-Chef allein in der bevorstehenden Bundestagswahl. Sie solle es Lufthansa leichter machen, Air Berlin schuldenfrei zu übernehmen. Ein «ab-ge-kar-te-te-tes Spiel» sei das. Das deutsche Wort hat O’Leary vorher extra gelernt. Und was will nun O’Leary? Jedenfalls erst einmal nicht bieten. Es fehle ihm die Zeit, sich am «ab-ge-kar-te-ten Spiel» zu beteiligen. Auch in die Bücher von Air Berlin will er nicht schauen – das könnte das Ganze ja noch legitimieren. Aber in einem offenen Wettbewerb um Air Berlin sähe die Sache anders aus. Noch ­Fragen? Dann schnappt er sich sein Sakko und geht.

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