Der kleine Verzicht der CS-Chefs

Die variable Vergütung für das Topmanagement der Bank wird wegen der Milliardenbusse im Zusammenhang mit dem US-Steuerstreit gekürzt. Dennoch sinkt die Gesamtlohnsumme für die Teppichetage kaum.

CS-Mitarbeiter gönnen sich vor dem Londoner Hauptsitz der Grossbank eine Rauchpause. Foto: Chris Ratcliffe (Bloomberg)

CS-Mitarbeiter gönnen sich vor dem Londoner Hauptsitz der Grossbank eine Rauchpause. Foto: Chris Ratcliffe (Bloomberg)

Andreas Möckli@AndreasMoeckli

Unter dem Strich verdienen sie etwa gleich viel wie letztes Jahr. Credit-Suisse-Chef Brady Dougan erhält für das Jahr 2014 rund 9,7 Millionen Franken, die restliche Geschäftsleitung 54,4 Millionen Franken. Wer glaubte, die 2,6-Milliarden-Dollar-Busse, mit der sich die Bank des US-Steuerstreits entledigte, würde zu markant tieferen Gehältern führen, sieht sich getäuscht. Die Gesamtsumme, die an Geschäftsleitung und Verwaltungsrat fliesst, sinkt im Vergleich zum Vorjahr nur um knapp 5 Prozent.

Im Geschäftsbericht erweckt die Bank einen anderen Eindruck. Geschäftsleitung und Verwaltungsrat hätten aufgrund der «erheblichen Auswirkungen» des bedeutendsten und langwierigsten Rechtsfalls der Credit Suisse einer «freiwilligen Kürzung» ihrer Vergütung zugestimmt. Man sei der Auffassung, die Beilegung des Steuerstreits müsse Konsequenzen für die obersten Organe der Bank haben. So würden der Ruf und die Integrität der Geschäftsbereiche gewahrt. Dies unabhängig davon, welche Personen zu einem bestimmten Zeitpunkt im Verwaltungsrat oder in der Geschäftsleitung die Verantwortung getragen hätten.

«Verzicht sieht anders aus»

Als Folge der Kürzung fällt die variable Vergütung des Topmanagements um 20 Prozent tiefer aus. Die CS spricht von einer Kürzung von 9 Millionen Franken, wobei etwas weniger als die Hälfte auf aufgeschobene Ansprüche am Langfristbeteiligungsplan aus dem Jahr 2013 entfällt. Gleichzeitig sind jedoch die Fixlöhne für die Geschäftsleitung gestiegen, unter anderem weil zwei neue Mitglieder dazugekommen sind. Unter dem Strich bleibt die Lohnsumme im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert.

Beim Verwaltungsrat werden die Bezüge um 25 Prozent gekürzt. So erhält Präsident Urs Rohner 3,6 Millionen Franken, 2013 waren es noch 4,9 Millionen Franken.

Dougan konnte seinen Lohn trotz des gekürzten Bonus halten, da er die sogenannten nicht finanziellen Ziele deutlich übertraf. Dazu gehört etwa die Umsetzung der Strategie oder der Umgang mit Risiken. Aus Sicht des Vergütungsausschusses besonders zu würdigen sei die Rolle des Amerikaners bei der Einigung im US-Steuerstreit.

Angesichts der Milliardenbusse und der durchzogenen Leistung im letzten Jahr seien die Löhne für die CS-Spitze noch immer zu hoch, sagt Michael Otte, Chef des Stimmrechtsberaters zRating. Der sogenannte Bonusverzicht müsse relativiert werden. Maximal hätten Dougan 12,5 Millionen Franken ausbezahlt werden können, hätte er sämtliche seiner Ziele deutlich übertroffen. «Obwohl sein variabler Lohnanteil gekürzt wurde, sind noch immer beachtliche 78 Prozent des Maximalbetrags ausgeschöpft worden. Ein echter Verzicht sieht anders aus», sagt Otte.

Bindende Abstimmung

Erstmals können die Aktionäre an der kommenden Generalversammlung vom 24. April bindend über die variable Vergütung der Geschäftsleitung für das Jahr 2014 abstimmen. Auf dem Konto von Dougan und seiner Kolleginnen und Kollegen befinden sich also erst die Fixlöhne. Die Aktionäre stünden nun in der Pflicht, sich kritisch mit den Boni auseinanderzusetzen, sagt Otte von ­zRating. Welche Empfehlung der Stimmrechtsberater abgibt, sei noch nicht entschieden. Was geschieht, falls die Aktionäre die Boni des Topmanagements ablehnen sollten, konnte die CS gestern nicht sagen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Unternehmen kann der Verwaltungsrat der Bank selber bestimmen, ob er über die Vergütung der Geschäftsleitung im Voraus oder erst im Nachhinein abstimmen lässt. Die Credit Suisse hat dies im Nachgang zur Abzockerinitiative so in den Statuten festgelegt, welche die Aktionäre an der letztjährigen Generalversammlung abgesegnet haben.

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