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Der Franken klettert rasant höher und höher

Keine Währung in Europa ist derzeit so stark: Der Franken schlägt neue Höhenrekorde. Profiliert er sich wieder als Fluchtwährung?

Jetzt lohnt es sich wieder verstärkt, kurz über die Grenze in den Supermarkt zu fahren. Jetzt müssen die Touristen aus Deutschland oder Italien wieder mehr Geld ausgeben, wenn sie in der Schweiz Ferien machen wollen. Und jetzt bekommt die Exportindustrie wieder ein Problem: Für ihre Waren fliessen am Ende weniger Franken in die Kassen.

Grund all dieser Verschiebungen ist der starke Franken. Gegenüber dem Euro zieht die Landeswährung steil nach oben, heute erreichte sie einen Allzeit-Rekord: Für einen Euro bezahlte man kurzzeitig weniger als 1.43 Franken.

Ausgerechnet der Dollar ist noch stärker

Die Erklärung liegt nahe: Wieder einmal profiliert sich die Landeswährung als Fluchtwährung, wieder einmal dient sie als sicherer Hafen in stürmischen Wirtschaftszeiten. Schliesslich klettert der Franken auch im Verhältnis zu allen anderen europäischen Devisen nach oben – ein Musterknabe in wilden Zeiten. Doch so einfach ist die Sache nicht.

Natürlich ist der Ruf hilfreich, dass die Schweiz ein Land mit eher tiefer Inflation ist, ein Staat mit politischer Stabilität und einer Nationalbank, die trotz aller Verkäufe immer noch grosse Goldreserven besitzt. Allerdings: Seit Einführung des Euro hat sich die Rolle des Franken als Fluchtwährung massiv abgeschwächt. Auffällig ist denn auch, dass der Franken derzeit gegenüber dem Dollar und dem Yen an Boden verliert.

Hauptsache Sicherheit – Rendite zweitrangig

Stärker – so Experten und Händler – wirkt derzeit, dass die Investoren aus Hochzinswährungen flüchten. Denn in den guten Jahren seit 2003 waren Milliarden aus dem Franken, dem Dollar und dem Yen in Devisen geflossen, in denen höhere Zinsen zu holen waren, allen voran in den Euro. Nun schwingt das Pendel zurück: Die Anleger kehren zurück in die Heimatwährungen – trotz der bescheideneren Zinsen dort. Denn die Stimmung an allen Märkten ist enorm konservativ, völlig auf Sicherheit bedacht.

«Man spürt eine restriktive Haltung aller Parteien», sagt Thomas Flury, Chef der Währungsanalyse bei der UBS: «Es geht momentan nicht darum, Geschäftschancen auszunützen, sondern man will Positionen glattstellen, Engagements vermindern, Risiken senken.»

USA als wichtige Anlaufstelle

Deshalb auch klettert der Dollar wieder aufwärts, obwohl die fundamentalen Daten keinen Anlass dazu gäben. Schliesslich flüchten Investoren mit amerikanischer Perspektive und Heimbasis nun einfach back home. «In Phasen von globalem Stress an den Finanzmärkten steigt die Dollar-Nachfrage», sagt Thomas Flury. «Dies unter anderem, weil der amerikanische Obligationenmarkt in solchen Situationen zu einer der wichtigsten Anlaufstellen wird.»

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