Zum Hauptinhalt springen

Der Anfang vom Ende des Kreditverbots

Wegen der Corona-Krise darf Postfinance jetzt Notkredite vergeben. Diese Lockerung wird wohl kaum mehr rückgängig gemacht.

MeinungJorgos Brouzos

Das ist ein Dammbruch: Postfinance darf sich am Hilfsprogramm des Bundes beteiligen und Kredite vergeben. Dabei ist dies der Bank eigentlich verboten. Nun nimmt eine fast schon vergessene Debatte wieder Fahrt auf. Vor eineinhalb Jahren hat der Bundesrat angekündigt, dass er das Kreditverbot für Postfinance aufheben will. Geschehen ist seither wenig. Die Vernehmlassungsvorlage lässt auf sich warten. Doch die Zeit drängt.

Während es den meisten Banken in den letzten Jahren ausgezeichnet ging, wurden die Warnrufe von Postfinance immer lauter. Der Gewinn schrumpft, und eine rasche Besserung ist nicht in Sicht. Denn das Geschäftsmodell der Bank kommt stärker unter Druck. Die Erträge aus Wertpapieranlagen sinken, neue Gebühren für die Kunden sorgen für Ärger und können den Ausfall nur teilweise ausgleichen. Damit läuft die Bank Gefahr, nicht genügend Kapital für einen Krisenfall aufbauen und den Grundversorgungsauftrag nicht mehr finanzieren zu können.

Die staatlichen Kantonalbanken fürchten die ebenfalls staatliche Postfinance.

Die kurzfristige Lockerung für Post­finance ist daher richtig. Tausende Kleinbetriebe können so in der Not frisches Geld aufnehmen, um ihren Betrieb in den kommenden Wochen über Wasser zu halten. Es ist sinnvoll, dass sich möglichst viele Banken am Notprogramm des Bundesrats beteiligen.

Doch vor allem die Kantonalbanken machen sich Sorgen. Die grössten Konkurrenten von Postfinance befürchten, dass dies nur ein Vorgeschmack auf eine endgültige Öffnung sein könnte. Sprich: Die staatlichen Kantonalbanken fürchten neue Konkurrenz durch die ebenfalls staatliche Postfinance. Sollte die Posttochter bei den Firmenkrediten einen guten Job machen, dürfte das Kreditverbot aber wohl bald vollends fallen. Spätestens dann sollte eine Teilprivatisierung von Postfinance ins Auge gefasst werden. Im Bankensektor braucht die Schweiz nicht noch einen staat­lichen Wettbewerber.

Und wenn dann auch die Eigentümerschaft der Kantonalbanken überdacht wird, wäre dies nur zu begrüssen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch