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Das grosse Aktienrätsel

Unternehmensgewinne sinken, die Weltwirtschaft stagniert, eine Massenarbeitslosigkeit droht – und die Aktienmärkte boomen. Wer soll das verstehen?

Steigende Indizes vermitteln ein trügerisches Bild: Ein Wertpapierhändler im früheren Parketthandelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt am Main.
Steigende Indizes vermitteln ein trügerisches Bild: Ein Wertpapierhändler im früheren Parketthandelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt am Main.

Der globale Aktienindex MSCI ist seit Juli rund zehn Prozent gestiegen. Seit dem Tiefstpunkt im März 2009 hat sich der Wert der an den Börsen weltweit gehandelten Papiere in etwa verdoppelt. Eurokrise hin, Fiscal Cliff her, die Investoren verhalten sich wie Partygäste an einem lauen Sommerabend. Dabei sind die schwarzen Wolken am Konjunkturhimmel unübersehbar geworden. Von allen Seiten droht Ungemach:

  • Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat soeben seine Wachstumsprognosenfür die Weltwirtschaft zurückgefahren. In den alten Industriestaaten nimmt die Rezessionsgefahr zu. Die Wahrscheinlichkeit eines Double-Dip liegt in den USA gemäss IWF bei 15 Prozent, in Japan bei 25 Prozent und in der Eurozone bei über 80 Prozent.
  • Die Unternehmensgewinnebrechen ein. Die jüngsten Quartalszahlen der US-Unternehmen sorgen für lange Gesichter. Anstatt einer zunächst prophezeiten Gewinnzunahme von gegen zwei Prozent gehen die Wallstreet-Analysten nun davon aus, dass die Gewinne der von Standard & Poor's erfassten Unternehmen 2,7 Prozent zurückgehen werden. Trotzdem hat der Aktienindex S&P 500 im letzten Quartal fast sieben Prozent zugelegt.
  • Die aufstrebenden Schwellenländer sind zwar zu einer wichtigen Stütze der Weltwirtschaft geworden. Doch auch in den sogenannten Brics stehen die Konjunkturzeichen auf Sturm. In China wird das Bruttoinlandprodukt(BIP) erstmals seit Jahrzehnten weniger als acht Prozent wachsen. Zudem geht der bevorstehende Machtwechsel offenbar weniger glatt über die Bühne als geplant. In Indien ist das BIP-Wachstum von neun auf fünf Prozent gefallen. Die Reformvorschläge der Regierung haben zudem eine politische Krise ausgelöst. Russland leidet unter den fallenden Gaspreisen und der zunehmenden Unbeliebtheit von Wladimir Putin. Brasilien setzt die schwächer werdende Nachfrage nach Rohstoffen zu.
  • Immer dramatischer entwickelt sich die Lage an den Arbeitsmärkten. Der jüngste IWF-Bericht zeigt auf, dass weltweit inzwischen 500 Millionen Jugendliche weder einer Erwerbstätigkeit nachgehen noch studieren. In den nächsten 15 Jahren müssen weltweit 600 Millionen neue Jobs geschaffen werden, damit sich die derzeit schon katastrophale Lage nicht noch verschlimmert.

Die steigenden Börsenindizes vermitteln allerdings ein trügerisches Bild. Viele Investoren, vor allem Kleininvestoren, steigen aus. In den USA haben sie seit Frühjahr 2009 gegen 140 Milliarden Dollar abgezogen. Während bis zur Krise kleine Kurseinbrüche als willkommene Einstiegsmöglichkeiten benutzt worden sind, schwindet heute das Vertrauen zunehmend: Zu Beginn dieses Jahrhunderts haben 53 Prozent der Amerikaner Aktien besessen, heute sind es noch 46 Prozent. Auch in der Schweiz nimmt die Risikofreudigkeit ab. So hat der neue UBS-Präsident Axel Weber kürzlich an einer KOF-Tagung erklärt: «Unsere Kunden sind risikoscheuer geworden.»

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