«Das ist etwas, was der UBS nicht gefällt»

Er hatte die Grossbank verpfiffen, jetzt kündigt er neue Enthüllungen an: Bradley Birkenfeld spricht in Interviews, was von seinem Buch zu erwarten ist.

Bradley Birkenfeld (51) trat in den USA als Kronzeuge gegen die UBS auf und erhielt dafür eine Rekordbelohnung von 104 Millionen Dollar. Foto: Reuters

Bradley Birkenfeld (51) trat in den USA als Kronzeuge gegen die UBS auf und erhielt dafür eine Rekordbelohnung von 104 Millionen Dollar. Foto: Reuters

Peter Burkhardt@PeterBurkhardt

Die UBS muss sich auf weitere Enthüllungen ihres ehemaligen Mitarbeiters Bradley Birkenfeld gefasst machen. Am 1. Oktober erscheint sein Buch «Lucifer’s Banker – Inside the Billion-Dollar Cartel of the Swiss Banking Industry». Darin wird der 51-Jährige wahrscheinlich neue Fakten und Namen von Steuerhinterziehern offenlegen, darunter politisch exponierte Personen, sogenannte Peps.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist gut gewählt. Nur fünf Wochen später finden die US-Präsidentschaftswahlen statt. Den genauen Inhalt seines Enthüllungsbuchs will Birkenfeld noch nicht verraten. Auf der Chefetage der UBS und bei ihren Rechtsanwälten dürften jedoch mehrere Zeitungsinterviews für Alarmstimmung sorgen, in denen er andeutete, dass er noch längst nicht sein ganzes Wissen ausgepackt habe. Gegenüber der Westschweizer Zeitung «Le Temps» sagte er: «Die UBS weiss nicht, was ich über sie weiss.» Und dem deutschen «Handelsblatt» sagte er: «Peps, Milliardäre und Millionäre überall auf der Welt – alle hatten illegale Auslandskonten. Und ich kann alles belegen, was ich sage. Das ist etwas, was der UBS nicht gefällt.»

Der Anfang vom Ende des Schwarzgeld-Geheimnisses

Birkenfeld hatte die UBS vor neun Jahren an die US-Steuerbehörden verpfiffen. Er übergab der Bundessteuerbehörde als erster Ex-Bankmitarbeiter detaillierte Informationen und Dokumente. Sie zeigten, wie die Grossbank unter dem Deckmantel des Bankgeheimnisses mehr als 19'000 US-Steuerflüchtlingen half, unversteuertes Geld zu verstecken. Damit wurde er ihr wichtigster Kronzeuge.

Birkenfelds ausgeplauderte Geheimnisse waren der Anfang vom Ende des Schweizer Bankgeheimnisses als Instrument zur Steuerhinterziehung. Und er führte die UBS an den Rand einer existenziellen Krise. Die USA drohten der Grossbank mit einer Klage, was für sie das Aus hätte bedeuten können. 2009 lenkte die UBS in einen Vergleich ein. Sie zahlte eine Busse von 780 Millionen Dollar und kaufte sich mit der Herausgabe von 4450 Kundennamen von einer Strafverfolgung frei.

Birkenfeld kassierte für seine Informationen eine Belohnung von 104 Millionen Dollar. Er musste aber für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis, nachdem er sich für schuldig bekannt hatte, für UBS-Kunden Geld vor den Steuerbehörden versteckt zu haben. Deshalb wohl der Buchtitel «Lucifer’s Banker».

Birkenfeld hilft auch Fahndern anderer Länder

Der ehemalige Vermögensverwalter ist auch Fahndern anderer Länder bei der Verfolgung von Steuersündern behilflich. Im Februar vergangenen Jahres wurde er von französischen Steuerbeamten in Paris als Zeuge zur UBS befragt. Sollte die Bank in Frankreich wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung für schuldig befunden werden, droht ihr im schlimmsten Fall eine Busse in der Höhe von 5 Milliarden Euro.

Birkenfeld spielt auch eine zentrale Rolle in der Untersuchung zu Offshore-Konten von UBS-Kunden in Griechenland. Im Juni wurde er von zwei Staatsanwälten in den Räumen der griechischen Botschaft in Washington als Zeuge einvernommen.

Die indische Regierung sei ebenfalls wegen der UBS auf ihn zugekommen, sagt Birkenfeld. Und er würde sich gerne mit dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble zusammensetzen. Nachdem er selber als Banker Steuersündern geholfen hat, ihr Geld zu verstecken, will er nun dafür sorgen, den Steuersumpf auszurotten.

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