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Das Börsen-Märchen ist gelungen

Der Börsengang des chinesischen Internet-Händlers Alibaba wurde wie erwartet der grösste der Welt. Eine ganze Reihe von Managern und Fachleuten ist nun Millionär.

Alibaba sorgt für Börsen-Märchen,die grosse Nachfrage katapultierte den Kurs an der New Yorker Börse NYSE vom Ausgabepreis von 68 Dollar auf über 90 Dollar: Alibaba-Gründer Jack Ma in New York. (19. September 2014)
Alibaba sorgt für Börsen-Märchen,die grosse Nachfrage katapultierte den Kurs an der New Yorker Börse NYSE vom Ausgabepreis von 68 Dollar auf über 90 Dollar: Alibaba-Gründer Jack Ma in New York. (19. September 2014)
Andrew Burton/Getty Images
Hat gut lachen: Alibaba-Chef Jack Ma an der New York Stock Exchange. (19. September 2014)
Hat gut lachen: Alibaba-Chef Jack Ma an der New York Stock Exchange. (19. September 2014)
AP Photo/Mark Lennihan, Keystone
Heimisches Zentrum: Angestellte von Alibaba spielen Tischfussball im Firmensitz in Hangzhou, China. (19. September 2014)
Heimisches Zentrum: Angestellte von Alibaba spielen Tischfussball im Firmensitz in Hangzhou, China. (19. September 2014)
China Daily, Reuters
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Alibaba hat die New Yorker Börse mit dem weltgrössten Börsengang aller Zeiten in Euphorie versetzt. Mit einem Kurssprung um 36 Prozent auf 92,70 Dollar legte der chinesische Internet-Händler ein furioses Börsendebüt hin.

Wenig später kostete das begehrte Papier sogar 99,70 Dollar, bevor der Kurs wieder auf rund 93 Dollar nachgab. Es dauerte angesichts einer Flut von Kaufaufträgen fast zweieinhalb Stunden, ehe die New Yorker Börse überhaupt einen ersten Kurs nennen konnte.

Grösster Börsengang der Welt

Viele Anleger, die bei der Zuteilung leer ausgegangen waren, wollten die Titel offenbar zu fast jedem Preis in ihren Depots haben. Nach Angaben des führenden US-Aktienhändlers TD Ameritrade erreichte das Ordervolumen für Alibaba noch vor dem ersten Kurs gut zwei Drittel der Kaufaufträge am ersten Handelstag von Facebook – und das Dreifache des Volumens von Twitter.

«Das ist der grösste Börsengang, den die Welt je gesehen hat, deshalb herrscht Feierstimmung auf dem Parkett – ob man will oder nicht», sagte Händler Benedict Willis von Sunrise Securities.

Gewaltiger Andrang

Der Andrang in New York war seit dem Morgen gewaltig: Die Börse war mit Bannern von Alibaba geschmückt, davor drängten sich Journalisten, Händler und Offizielle um Firmengründer Jack Ma und sein Team.

Ma, auch das «Krokodil vom Jangtse» genannt, verzichtete jedoch darauf, persönlich die Börsenglocke zum Handelsstart zu läuten. Stattdessen liess er acht Alibaba-Kunden den Vortritt, um das Firmenmotto «Customers first» symbolisch zu untermauern.

Mit dem ersten Kurs ist Alibaba fast 230 Milliarden Dollar (216 Milliarden Franken) wert, mehr als alteingesessene US-Konzerne wie Walt Disney oder Coca-Cola – und 61 Milliarden Dollar mehr als zum Ausgabepreis.

Investoren rissen sich um Papiere

Dabei waren die Papiere schon zum Höchstpreis von 68 Dollar ausgegeben worden. Die Investoren rissen dem Unternehmen die Aktien buchstäblich aus den Händen.

Alibaba verkaufte Papiere für 25 Milliarden Dollar, zwei Drittel des Geldes gehen an die bisherigen Investoren wie den US-Internetkonzern Yahoo, der mit dem Verkauf von Alibaba-Aktien allein acht Milliarden Dollar kassierte. Grösster Alibaba-Anteilseigner ist die japanische Softbank mit 32 Prozent, die sich aber von keiner Aktie getrennt hat.

Eine ganze Reihe von Managern und Software-Fachleuten bei Alibaba wird mit dem Schritt an die Börse zum Millionär. Allein Milliardär Ma kassiert fast 900 Millionen Dollar.

Keine Pleite wie bei Facebook

Die New Yorker Börse hatte sich für den Ansturm der Investoren gewappnet: Sie liess ihre Systeme gleich in zwei Probeläufen auf Herz und Nieren testen, um keine Pleite zu erleben wie die US-Technologiebörse Nasdaq vor zwei Jahren bei der Erstnotiz von Facebook. Damals war der Handel unter der Flut von Aufträgen schier zusammengebrochen. Die Kurse waren um Stunden verspätet, viele Anleger verloren Geld.

Alibaba hat sich zu einem Onlineriesen entwickelt: 15 Jahre nach der Gründung in Mas Ein-Zimmer-Wohnung wickelt Alibaba mehr Geschäfte ab als Amazon und Ebay zusammen. Rund 80 Prozent der Online-Umsätze in China, der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt, gehen auf das Konto von Alibaba. Und anders als viele andere Internetfirmen schreibt Alibaba Gewinn.

«Sorgen um Transparenz chinesischer Firmen»

Für viele Menschen ausserhalb Chinas klingt der Name Alibaba aber noch exotisch: Nach einer Ipsos-Umfrage im Auftrag von Reuters haben 88 Prozent der Amerikaner von Alibaba noch nie gehört – zumindest bis heute.

Am Rande wurden kritische Stimmen laut: «In der Geschichte hat es selten einen Börsengang dieser Grösse gegeben, bei dem man weniger über das Unternehmen wusste», sagte der demokratische US-Senator Bob Casey aus Pennsylvania. «Ich mache mir immer noch Sorgen um die Transparenz chinesischer Firmen, die an unseren Börsen notiert sind.»

SDA/mw

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