Ab heute stehen in Zürich 200 Elektro-Roller zur Verfügung

Neben Velos und Autos bietet Mobility in Zürich E-Roller an. Ein Verkehrsexperte findet das gut – hat aber gewisse Bedenken.

Neben Autos kann man jetzt auch E-Roller via App mieten. «Tages-Anzeiger»-Redaktor Daniel Schneebeli macht den Test. (Video: Lea Blum)

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Mobility bietet neben Autos nun auch Elektro-Roller zum Teilen an. Ab heute stehen 200 Scooter in der Stadt Zürich zur Verfügung. Thomas Sauter-Servaes, Verkehrsexperte an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, zum Sinn und Unsinn des neuen Angebots.

Herr Sauter-Servaes, Mobility mischt im Sharing-Markt auch noch mit E-Rollern mit. Braucht es dieses Angebot neben Velos, E-Bikes und Autos?
Ich bin Befürworter neuer Sharing-Konzepte, egal ob Auto, Roller oder Velo. Am Schluss führen sie dazu, dass wir wegkommen vom Besitz eines eigenen Autos und mehr in Mobilitätsdienstleistungen denken. Damit reduziert sich die Abhängigkeit vom Auto, der Verkehr wird entlastet und wir brauchen weniger Flächen für Fahrzeuge, die 95 Prozent des Tages nur rumstehen.

Noch hat das Umdenken nicht stattgefunden. Die Roller könnten den Verkehr zunächst also zusätzlich belasten.
Wir diskutieren über das Falsche: Das Problem ist nicht der zusätzliche Roller, sondern das bestehende System, in dem jeder ein Fahrzeug besitzt. Herkömmliche Autos sind ineffizient, unser Flächenverbrauch ist durch private Fahrzeuge zu gross. Ziel muss sein, dass Leute vom eigenen Auto auf Lösungen, die platzeffizienter, stadt- und umweltverträglicher sind, umsteigen.

Sie haben also keine Bedenken?
Das Angebot darf nicht dazu führen, dass Leute, die sonst zu Fuss gehen, den ÖV nutzen oder Velo fahren, auf einen Roller umsteigen. Es muss überwacht werden, ob der Konsum nur weiter angeregt wird oder ob sich dieser tatsächlich verlagert. Das ist aber nicht die Aufgabe von Mobility, sondern eine gesamtgesellschaftliche. Zunächst müssen Sharing-Konzepte wachsen, damit sie von der breiten Masse als Alternative wahrgenommen werden. Solange diese neuen Lösungen nicht auf Verbrennungsmotoren bauen, sehe ich das positiv. Potenziell können E-Roller sogar eine Null-Emissions-Variante darstellen.

«Die Fusswege dürfen nicht mehr und mehr mit irgendwelchen Mobilen vollgestellt werden.»

Auch für E-Roller müssen Batterien hergestellt und Ladestationen betrieben werden. Beides geht nicht emissionsfrei.
Im gesamten Kontext sind E-Roller sicher keine Zero-Emission-Lösung. Aber diese gibt es bei herkömmlichen Autos auch nicht. Es kommt immer auch darauf an, mit welchem Strom man Elektromobile auftankt. Dieser kann Atomstrom oder einen Kohleanteil enthalten. Bei E-Rollern besteht aber die Möglichkeit, von fossilen Energien wegzukommen. Die haben wir bei Verbrennungsmotoren nicht.

Bereits jetzt sind die Parkplätze in Zürich mit Fahrzeugen diverser Velo- und E-Velo-Anbieter vollgestopft. Das wird mit den Rollern nicht besser. Was ist die Lösung?
Die Stadt muss sich überlegen, was ihr langfristiges Ziel ist und wo sie die Flächen für die gewünschten Sharing-Konzepte hernimmt. Die Fusswege dürfen nicht mehr und mehr mit irgendwelchen Mobilen vollgestellt werden. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass man Parkflächen, die bis jetzt von Autos genutzt werden, für andere Mobile umwandeln muss.

Halten Sie es für realistisch, dass sich die Stadt für eine solche Umwandlung einsetzt? Zuletzt stand auf der Kippe, ob Catch-a-car, das Car-Sharing-Modell von Mobility, das nach dem Free-Floating-Modell funktioniert, nach Zürich kommen darf. Einwände sind auch, dass die Autos zu viele Parkplätze in Anspruch nehmen würden.
Auch hier muss das eigentliche Problem der Stadt diskutiert werden. Die Sharing-Angebote sind es wohl nicht. Das Argument, geteilte Autos verstopften die Städte, ist dasselbe wie bei den Fernbussen. Bei diesen hiess es, sie verstopften die Autobahnen. Das ist Unsinn. Vom Flächenverbrauch her sind Sharing-Konzepte optimale Lösungen. Genau das brauchen wir in den Städten. Für eine Verlagerung hin zu diesen Konzepten braucht es also Zuckerbrot und Peitsche: Anreize, Sharing-Angebote zu nutzen, aber wohl auch die Peitsche, also Massnahmen, um das individuelle Autofahren kostengerechter zu gestalten. Letzteres ist politisch schwer durchsetzbar.

Sind die Roller für Mobility ein Befreiungsschlag? Zuletzt präsentierte der Fahrdienstleister, unter anderem wegen Investitionen in die Roller, einen Einbruch beim Reingewinn von 40 Prozent.
Ich glaube E-Roller könnten eine grosse, neue Welle in der innerstädtischen Mobilität auslösen. Allerdings sind sie nur Baustein einer Lösung und müssen mit anderen Fortbewegungsformen kombiniert werden. Längerfristig werden Leute nur von ihrem eigenen Auto ablassen, wenn die Summe der Alternativen mindestens dieselbe Qualität bietet. Das versucht Mobility, indem der Dienstleister Autos mit Rollern verbindet. Mobilitätsdienstleister müssen systemisch denken. Uber etwa hat zuletzt mit Jump eine Bike-Sharing-Plattform gekauft und kooperiert nun mit ÖV-Anbietern. So kombiniert das Unternehmen Fortbewegungsformen zu einem System. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.04.2018, 12:22 Uhr

Thomas Sauter-Servaes

Thomas Sauter-Servaes ist Studiengangleiter Verkehrssysteme an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). (Bild: ZVG)

Mobility bringt das Scooter-Sharing

Neben Autos bietet Mobility jetzt auch Elektro-Roller zum Teilen an. Ab heute stehen 200 der Scooter in der Stadt Zürich zur Verfügung. Pro Kilometer zahlen die Nutzer 0.25 Franken. Das Besondere: Anders als bei den Mobility-Autos müssen die Roller nicht an spezifischen Standorten abgeholt und abgegeben werden. Sie funktionieren nach einem Free-Floating-Modell, das man von Veloverleihern wie O-Bike oder Limebike kennt. Abgestellt werden dürfen die Scooter in der ganzen Stadt Zürich mit Ausnahme von Affoltern, Leimbach, Witikon und Seebach.

Im festgelegten Gschäftsgebiet gibt es laut Mobility-Sprecher Patrick Eigenmann 1200 öffentliche Zweirad- und Motorradabstellanlagen. Stehen zu viele Scooter an einem Ort, kann Mobility diese umverteilen.

Mitgliedschaft vorausgesetzt

Um die E-Scooter nutzen zu können, müssen Kunden Mitglied bei Mobility sein. Dafür gibt es drei Möglichkeiten: Erstens können sie ein Abo lösen, zweitens Genossenschafter werden und eine einmalige Einschreibegebühr sowie einen Genossenschafterbeitrag zahlen oder drittens die Option Click & Drive lösen. Diese funktioniert ohne Abo-Gebühren, einzelne Fahrten sind aber teurer (30 statt 25 Rappen bei Scootern).

Kunden dürfen die E-Scooter nutzen, wenn sie im Führerschein mindestens über die Katagorie A1 verfügen. Öffnen lassen sich die Scooter per Mobility-App, Mobility-Card oder Swisspass. Helme, Warnsicherheitswesten und Einweg-Hygienehauben sind in den Rollern vorhanden. Um den Service, Unterhalt und Versicherung sowie die Ladung der Batterie kümmert sich Mobility. (cfr)

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