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Coop und die deutsche Rewe wollen Russlands Grosshandel erobern

Die Detailhändler beliefern jetzt gemeinsam auch Grosskunden in Mittel- und Osteuropa. Das neue Joint Venture wird im Cash & Carry- und Foodbereich die Nummer zwei in Europa.

Gemeinsam stark: Coop und Rewe wollen Europas Restaurants mit Esswaren beliefern.
Gemeinsam stark: Coop und Rewe wollen Europas Restaurants mit Esswaren beliefern.
Keystone

Die Bande zwischen der mächtigen deutschen Rewe-Gruppe mit 45 Milliarden Euro Umsatz und Coop werden enger. Gut drei Jahre nach der Gründung von Transgourmet Schweiz, einem Gemeinschaftsunternehmen für den Abhol- und Belieferungsgrosshandel in Frankreich und der Schweiz, gründen die Handelsgruppen ein neues Joint Venture. Das teilte Coop gestern mit, nachdem die deutsche «Lebensmittelzeitung» am Samstag darüber spekuliert hatte.

Damit explodiert der Umsatz mit der Gastronomie und anderen Grossabnehmern von heute 2,6 auf 6,5 Milliarden Euro. Geografisch wird das Tätigkeitsgebiet auf Deutschland, Polen, Rumänien und ab Dezember auch auf Russland ausgedehnt. Der regionale Fokus liegt laut Medienmitteilung auf der «nachhaltigen Weiterentwicklung der chancenreichen Märkte in Mittel- und Osteuropa». Weil noch mehr Ware gemeinsam beschafft wird, können Coop und Rewe noch bessere Konditionen erzielen und Synergien nutzen, welche die Kosten insgesamt senken.

Das neue Gemeinschaftsunternehmen wird zur Nummer zwei im Cash & Carry- und Foodservice-Geschäft in Europa. In die Transgourmet Holding bringt Rewe den Grosshandelsbereich Fegro/Selgros und den Rewe-Grossverbraucher-Service mit insgesamt 4 Milliarden Euro ein.

Coop zahlt finanziellen Ausgleich

Coop selber bringt keine Aussteuer in die Ehe ein, die kommt von Transgourmet Schweiz, an der Coop und Rewe gemeinsam beteiligt sind. Die Firma soll den Abholgrosshändler Prodega/Growa CC, den Belieferungsgrosshändler Howeg und die Transgourmet France in die neue Holding einbringen.

Weil der Beitrag von Coop damit um ein Vielfaches geringer ist als der von Rewe, zahlt Coop als finanziellen Ausgleich dafür Geld in die gemeinsame Kasse. Über die Höhe des Betrags wurde gemäss Coop-Sprecherin Susanne Erdös Stillschweigen vereinbart. Doch dürfte es sich auf jeden Fall um einen substanziellen Betrag handeln. In der Branche ist von einer Summe im hohen dreistelligen Millionenbereich die Rede.

Das neue Joint Venture ist ein Ergebnis der offenbar sehr guten bisherigen Zusammenarbeit der beiden Parteien. Bei Coop ist die Rede von einer «ausserordentlich guten Entwicklung» von Transgourmet, Rewe spricht von «hervorragenden Ergebnissen in der Vergangenheit». Gemeinsam werde man nun besonders in Russland die Entwicklung vorantreiben.

Für Coop-Chef Hansueli Loosli ist Rewe «der perfekte Partner, um die Wachstumsmärkte in Mittel- und Osteuropa konzentriert anzugehen». Rewe-Chef Alain Caparros betont, man könne gegenseitig noch viel voneinander lernen. Gleichzeitig weist Coop jedoch auf Grenzen hin: Die Zusammenarbeit, welche die Wettbewerbsbehörden noch absegnen müssen, betreffe nur das Grosskundengeschäft, eine Ausweitung auf den Detailhandel sei nicht vorgesehen.

Holding-Präsidium liegt bei Coop

Loosli wird die neue Holding präsidieren, ein Rewe-Mann wird Vize. Als Zeichen des gegenseitigen Engagements wird 2009 der Delegiertenversammlung von Coop Rewe-Chef Caparros zur Zuwahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen; der Generalversammlung von Rewe wird Loosli zur Wahl in das deutsche Gremium vorgeschlagen.

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