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Coco - das neue Heilmittel gegen Finanzkrisen

Coco heisst das Finanzinstrument, das die Banken künftig zu einer kleineren Gefahr für die Allgemeinheit machen soll. Ein von der Finanzindustrie geäufneter Rettungsfonds bringt nichts.

Sein Vorschlag ändert nichts an den Fehlanreizen der Banker: Joseph Ackermann will einen Rettungsfonds für Banken in Not begründen.
Sein Vorschlag ändert nichts an den Fehlanreizen der Banker: Joseph Ackermann will einen Rettungsfonds für Banken in Not begründen.
Keystone

Grossbanken sind gegen ihren eigenen Untergang versichert. Denn wenn sie sich zu stark verspekulieren, werden sie durch die Steuerzahler gerettet. Diese Art von Versicherung enthält bereits wieder den Keim für die nächste Krise. Denn gehen beim überbordenden Eingehen von Risiken die Wetten auf, lässt sich viel Geld verdienen. Gehen sie verloren, bezahlt die Allgemeinheit.

Weltweit zerbrechen sich daher jetzt die Regulierungsbehörden den Kopf darüber, wie die Risikoanreize für die Banker verbessert werden können. Eine Zerschlagung der Grossbanken in kleinere Einheiten ist der radikalste Vorschlag. Weniger weit geht die Forderung, die Institute wenigstens so zu organisieren, dass einzelne Teilbereiche fallen gelassen werden können. Gegen beide Vorstösse läuft die Banklobby Sturm.

Höheres Eigenkapital reicht nicht

Mildere Vorschläge drehen sich um das Eigenkapital der Bank. Die Forderung nach einer Erhöhung des Eigenkapitalanteils setzt sich wahrscheinlich überall durch. Die beiden Grossbanken in der Schweiz haben die schärferen Vorschriften der Schweizer Aufsichtsbehörde (Finma) bereits erfüllt: Der Eigenkapitalanteil der Credit Suisse (die sogenannte «Leverage Ratio») liegt nach dem dritten Quartal des Jahres bereits bei 4,1 Prozent, jene der UBS bei 3,5 Prozent. Die Finma verlangt einen minimalen Wert von 3 Prozent bis 2013.

Doch die Aufsichtsbehörden werden sich damit nicht zufrieden geben. Daher hat Joseph Ackermann, der Schweizer an der Spitze der Deutschen Bank, die Idee eines Sicherungsfonds ins Spiel gebracht. Banken sollen durch Beiträge selbst einen Fonds äufnen, auf den sie zugreifen können, wenn das Überleben eines Instituts gefährdet ist. Damit würden die Banken für die Kosten der eingegangenen Risiken selbst aufkommen, so die Überlegung.

Eine neue Wunderwaffe gegen die Krise

Manuel Ammann, Bankenprofessor an der Universität St. Gallen hält wenig von diesem Vorschlag: «Damit bleiben die Fehlanreize bestehen», erklärt er, «denn auch ein solcher Fonds wirkt implizit wie eine Versicherung». Jene, die untragbare Risiken eingehen, können sich auch hier auf ein Auffangnetz verlassen, das Banken finanzieren, die ihr Geschäft umsichtig betreiben. Dazu kommt, dass ein solcher Fonds kaum über Mittel verfügen würde, um in einer schweren Finanzkrise viel bewirken zu können. Das weiss auch Ackermann. Er hat erklärt, in systematischen Bankenkrisen bleibe der Staat immer «der Aktionär der letzten Instanz» - derjenige also, der nach der Party die Zeche berappen muss.

Jetzt macht ein neuer Vorschlag die Runde. Dabei dreht es sich um eine neue Form von sogenannt hybridem Kapital. So werden Zwischenformen von Eigenkapital und Fremdkapital bezeichnet (siehe auch Kasten). So genannte «Contingent Convertible Bonds», meist nur Coco genannt, sollen die Anreize der Manager mit jenen der Öffentlichkeit in Übereinstimmung bringen. Am Anfang handelt es sich um gewöhnliche Obligationen. Die Banken werden die damit erworbenen Mittel daher als gewöhnliches Fremdkapital verbuchen. Kommt die Bank nicht in Schwierigkeiten, bleiben sie das auch. Gerät die Bank allerdings in eine Krise, werden sie automatisch in Aktien - das heisst in Eigenkapital – umgewandelt und das zu aktuellen Börsenkursen. Da in diesem Fall die Aktien der Bank kaum mehr viel Wert sein werden, entsteht durch die Wandlung eine starke Verwässerung des Aktienkapitals. Während die Inhaber der Bank dadurch leiden – ebenso das Management über die aktienbasierten Bonusprogramme – wird die Bank insgesamt stabiler, da ihre Verschuldung abnimmt. Durch die Umwandlung wird im Krisenfall der Konkurs abgewendet und eine staatliche Rettung wird nicht mehr nötig.

Vertrauensverlust als Folge

Bankenprofessor Ammann sieht für Coco-ähnliche Wertpapiere ein grosses Zukunftspotenzial. Systemrelevante Banken müssten seiner Meinung nach gezwungen werden, sich in solchen Instrumenten zumindest teilweise zu verschulden. Doch auch bei diesem neuen Instrument liegt der Teufel im Detail. Wenn die Banken nur in ungenügendem Ausmass Gelder über Cocos aufnehmen müssen, können jene im Krisenfall die Finanzinstitute erst recht gefährden: Während die Verschuldung sich nur unwesentlich ändert, sorgt die Nachricht, dass die Papiere in Aktien umgetauscht werden müssen, für einen Vertrauensverlust.

Ein weiteres Problem ist der Preis. Wie für andere hochriskante Schuldpapiere müsste für Cocos ein hoher Zins bezahlt werden. Ein hoher Pflichtanteil an Cocos zu genügend hohen Zinsen würde die Banken viel kosten. Die mächtige Bankenlobby dürfte daher alles tun, um solche Lösungen zu verhindern – auch wenn die Finanzbranche damit nur eine angemessene Prämie für eine Versicherung bezahlen würde, die vor allem die Allgemeinheit besser schützt.

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