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Chinesen im Banken-Poker ausgespielt

Nach dem angekündigten Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner Bank ist in Berlin die Erleichterung über die deutsche Lösung unüberhörbar.

Der Zusammenschluss sei gut für den Finanzplatz, lobten Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück die spektakuläre Megafusion. Bei soviel Freude über den neuen nationalen Champion liegt der Verdacht nahe, dass bei der grössten deutschen Bankenübernahme seit Jahren auch die Politik kräftig mitgemischt hat.

Wer will Chinesen seine Bankdaten zeigen?

Es habe keine politische Einflussnahme gegeben, stellte Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen klar - ausgerechnet in Peking. Denn es halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach die China Development Bank (CDB) ein besseres Angebot für die Dresdner vorgelegt haben soll.

Jedoch habe es in Peking und in Berlin politischen Widerstand gegeben. Denn mancher deutsche Firmenkunde hätte sich überlegt, ob er sich von einer chinesischen Förderbank in die Bücher schauen lässt oder lieber das Institut wechselt, hiess es. Die Fusion sei allein Sache der Unternehmen und Anteilseigner, wies Regierungssprecher Ulrich Wilhelm Spekulationen zurück.

Starke Banken gut für Wirtschaftsstandort

Merkel dürfte kaum erst am Sonntagabend informiert worden sein, nachdem die Aufsichtsgremien den Weg frei gemacht haben für die fast zehn Milliarden Euro teure Übernahme der Allianz-Tochter Dresdner Bank durch die Commerzbank. Sie und Steinbrück fordern seit langem eine rasche Konsolidierung des Bankensektors.

Auch Politiker der Koalition freuen sich, dass neben dem Branchenprimus Deutsche Bank nun ein zweites heimisches Institut international eine Rolle spielen könnte. Denn starke Banken seien gut für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Schliesslich macht sie sich seit Jahren dafür stark, dass der deutsche Bankenmarkt mit weniger, dafür aber starken Instituten für den Wettbewerb gerüstet sein müsse.

Schutz von Schlüsselbranchen

Schon im noch laufenden Bieterwettbewerb um die Postbank hatte Steinbrück keinen Hehl daraus gemacht, dass er an einem starken deutschen Finanzplatz mit nationalen Champions interessiert sei.

Banken, so hatte er erst im Juli erklärt, gehörten für ihn genauso wie die Telekommunikation, Energie und Logistik zu den Schlüsselbranchen, die in Deutschland gehalten werden sollten. Aus diesem Grund will die Regierung das Aussenwirtschaftsgesetz ändern, um deutsche Konzerne vor unliebsamen ausländischen Investoren zu schützen. Dazu gehören auch finanzstarke chinesische Staatsfonds.

Abschottung des Marktes

Gleichzeitig will Deutschland dem Eindruck entgegenwirken, es schotte seine Märkte ab. Während seines Pekings-Besuchs in dieser Woche will Steinbrück entsprechende Irritationen der Chinesen ausräumen. Dies wird ihm nach dem jüngsten Bankendeal jedoch schwerer fallen.

Schwieriger werden dürfte es nun auch beim geplanten Verkauf der Postbank durch die Deutsche Post AG. Die Commerzbank, die mit ihrer Neuerwerbung jetzt genug ausgelastet ist, hat schon abgewunken. Offiziell hält sich der Bund, der indirekt Grossaktionär des Post-Konzerns ist, auch hier heraus. Für dieses Jahr hat der Bund bei einer Veräusserung der Postbank aber noch ein gewichtiges Vetorecht.

Stellenabbau sekundär

Auch die Postbank sollte Teil eines nationalen Champions sein. Vor kurzem hatte Steinbrück gesagt, beim Entscheid über einen Postbank-Verkauf spielten beschäftigungspolitische Aspekte ebenso eine wichtige Rolle wie Verkaufserlös und Geschäftsmodell.

Über den geplanten Abbau von 9000 Stellen im neuen Institut aus Commerz- und Dresdner Bank ist man in Berlin kaum überrascht. Es gebe eben zu viele Überschneidungen und Doppel-Filialen, heisst es nüchtern. So wird die Politik auch beim Stellenabbau offiziell den Zaungast geben. In dieser Hinsicht hätte ein Einstieg der Chinesen womöglich einen Vorteil gehabt: Die Banker aus Fernost müssten weit weniger Stellen streichen. Schliesslich gäbe es keine Überschneidungen.

SDA/cpm

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