China expandiert auch in die Schweiz

In Europas Wirtschaft ist China der fünftgrösste Investor. Und das Land will weiter zulegen.

Die Schweiz ist für chinesische Investoren immer noch ein kleiner Fleck auf der Landkarte: Angestellte von Syngenta demonstrieren gegen Restrukturierungen im Unternehmen, Mai 2015.

Die Schweiz ist für chinesische Investoren immer noch ein kleiner Fleck auf der Landkarte: Angestellte von Syngenta demonstrieren gegen Restrukturierungen im Unternehmen, Mai 2015. Bild: Maxime Schmid/Keystone

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*Dieser Artikel wurde bereits am 3. November 2015 publiziert.

Schon vor Syngenta waren die Chinesen an Schweizer Firmen interessiert: Gemäss der Standortförderungsorganisation Switzerland Global Enterprise haben sich mittlerweile über 80 chinesische Firmen in der Schweiz niedergelassen. Eine wichtige Rolle spielt laut Fachleuten, dass die Schweiz vor vielen anderen Ländern ein Freihandelsabkommen mit der Volksrepublik geschlossen hat und ebenfalls als eines der ersten europäischen Länder ihre Unterstützung für die Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) zugesichert hat. AIIB wird von China alimentiert und gilt als Gegenstück zur Weltbank, die von den USA dominiert wird.

Seit 2008 ist der chinesische Netzwerkausrüster Huawei mit Sitz in Dübendorf in der Schweiz tätig. 2010 kam die Genfer Ölfirma Addax für eine Milliardensumme in die Hände der China ­Petrochemical. Die Textilsparte von OC Oerlikon, die Swissmetal-Werke oder der Uhrenhersteller Eterna sind heute ebenfalls in chinesischem Besitz. In ­diesem Jahr ging der weltweit führende Flugzeugabfertiger Swissport an die HNA Group über, zu der die viertgrösste chinesische Airline Hainan gehört. Der chinesische Milliardär Wqang Jianlin ­integrierte die Zuger Sportmarketing-Agentur Infront in seine Dalian-Wanda-Gruppe. Infront vermarktet unter ­and­erem die Übertragungsrechte für die nächsten Fussballweltmeisterschaften. Dem Chinesen, dessen Vermögen auf 34 Milliarden Dollar geschätzt wird, gehört auch ein Fünftel des spanischen Fussballclubs Atlético Madrid.

Im Finanzsektor vertreten

In Zürich hat das grösste private Investmentkonglomerat Fosun eine Niederlassung eröffnet. Fosun hat sich unter anderem bei der Modemarke Tom Tailor, beim Hotelbetreiber Club Med, bei portugiesischen Versicherern sowie bei ­einer deutschen Privatbank eingekauft. Der Pharmakonzern Tasly – spezialisiert auf traditionelle chinesische Medizin – hat Genf als Standort gewählt. Seit Mitte Oktober etabliert sich die China Construction Bank (CCB) mit einer Lizenz der Finma in Zürich. Der CCB-Eintritt steht im Zusammenhang mit den Be­mühungen der Schweiz, zu einem ­Renminbi-Hub in Europa zu werden. Firmen sollen darüber Transaktionen mit der chinesischen Währung abwickeln können.

Auf der europäischen Landkarte chinesischer Investoren ist die Schweiz ­allen Aktivitäten zum Trotz erst ein kleiner Flecken. Laut einer Mitte dieses Jahres veröffentlichten Studie über chinesische Direktinvestitionen in Europa zwischen 2000 und 2014 floss ein Grossteil der chinesischen Gelder nach Gross­britannien, das unter Chinesen als einer der offensivsten Märkte der Welt und als führendes Finanzzentrum Europas gilt. Die Flughäfen Heathrow und Manchester, der Müsliproduzent Weetabix, die Pizzakette Pizza Express, Ölanlagen in der Nordsee, Immobilienprojekte in und um London – überall sind chinesische Investoren dabei. Bis 2015 sollen chinesische Geldgeber gemäss der Bank of China bis zu 141 Milliarden Euro in britische Infrastrukturprojekte stecken. Mit deutlichem Abstand auf Grossbritannien folgen Deutschland, Frankreich, Portugal und Italien als bevorzugte Standorte chinesischer Investoren.

Gemäss einer Studie der ETH Zürich war China Ende 2014 zum fünftgrössten Investor in der Alten Welt avanciert. Zunehmend rücken auch die ost- und südeuropäischen Länder ins Blickfeld der fernöstlichen Geldgeber. Und es dürfte noch mehr Geld fliessen: Schliesslich will das Reich der Mitte quasi die alte Seidenstrasse zu Lande und zu Meer ­reaktivieren, um China mit Europa und dem Mittelmeer zu verbinden. In das Projekt sollen 40 Milliarden Dollar fliessen. Die Sicherung von Transportwegen und Märkten für chinesische Waren und Dienstleistungen bei gleichzeitiger Sicherung von technologischem Know-how steht für die Investoren im Vordergrund.

Harte Arbeit für wenig Lohn

Probleme treten zuweilen beim Schutz der Beschäftigten in chinesischen Betrieben auf: Eine Ahnung davon erhielt die Schweiz mit Huawei. Der Telecomausrüster geriet vorübergehend ins Visier der Behörden, nachdem sich ­Hinweise häuften, dass chinesische Arbeitnehmer illegal in der Schweiz zu Dumpinglöhnen beschäftigt wurden.

In Italien ist das längst ein weit­verbreitetes Phänomen. Als die italienische Textilindustrie in den 90er-Jahren unterging, zogen Chinesen in die leeren Fabrikhallen und eröffneten Sweatshops mit chinesischen Stoffen, chinesischen Techniken – und mehr oder weniger chinesischen Löhnen sowie 24-Stunden-Betrieb. Bekannt dafür wurde die Stadt Prato in der Nähe von Florenz. Rund 16 000 Chinesen leben in der 200 000 Einwohner zählenden Stadt. Die Behörden gehen aber davon aus, dass sich weit über 30 000 weitere Chinesen illegal in der Stadt aufhalten. Prato gilt heute als die Stadt mit der grössten chinesischen Community in Europa. Mit Fleiss und Sparsamkeit schuften chinesische Arbeiter dort so lange, bis sie sich mit etwas Erspartem selbstständig machen und ein eigenes Geschäft eröffnen können.

Erstellt: 03.02.2016, 07:25 Uhr

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