«Bosch hat mitgeholfen, das Bild 
des gierigen Managers zu prägen»

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die früheren KPT-Verwaltungsräte ihre Pflichten verletzt haben. Walter Bosch und Bernhard Liechti hätten dies aber aus unterschiedlichen Motiven getan.

Bernhard Liechti (links) und Walter Bosch am Montag auf dem Weg ins Amtshaus.

Bernhard Liechti (links) und Walter Bosch am Montag auf dem Weg ins Amtshaus.

(Bild: Keystone)

Adrian Sulc@adriansulc

Er sei «zermürbt und ausgelaugt», sagte Ex-KPT-Präsident Walter Bosch am Mittwoch in seinem Schlusswort vor dem Kantonalen Wirtschaftsstrafgericht. Die vergangenen Jahre seien für ihn bereits Strafe genug gewesen. Auch der frühere Vizepräsident der Berner Krankenversicherung, Bernhard Liechti, bat das Gericht um einen Freispruch: «Die letzten fünf Jahre waren für mich und meine Frau eine sehr belastende Zeit. Ich möchte betonen, dass ich stets in bester Absicht gehandelt habe.» Die Verteidiger von Walter Bosch und Bernhard Liechti schossen sich derweil auf die Arbeit der Staatsanwaltschaft ein. Sie liessen am Plädoyer von Staatsanwältin ­Simone Blank kein gutes Haar, Liechtis Anwalt Lorenz Erni nannte die Vorwürfe gegen die beiden «absurd» und «an den Haaren herbeigezogen».

Die drei Richter sahen dies jedoch anders. «Die Handlungen der Beschuldigten hätten zu einem Vermögensverlust bei der KPT geführt, wenn es zur Fusion mit der Sanitas gekommen wäre», sagte Gerichtspräsidentin Barbara Lips gestern Nachmittag an der Urteilsverkündung im Berner Amthaus. Dank der ­Intervention der Finma und dem Scheitern der Fusion mit der Sanitas ist der KPT schliesslich kein monetärer Schaden entstanden. Trotzdem sprach das Gericht Bosch und Liechti in allen drei Anklagepunkten wegen mehrfacher qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung schuldig und verurteile sie zu 3 Jahren Freiheitsentzug, wobei 6 Monate davon im Gefängnis zu verbringen sind. Es verzichtete aber auf den Antrag der Staatsanwältin, ein fünfjähriges Berufsverbot über die beiden zu verhängen – weil die Finma bereits ein entsprechendes vierjähriges Berufsverbot ausgesprochen hat. Jedoch müssen Bosch und Liechti je 57'000 Franken für die Kosten der Untersuchung und die Verhandlung zahlen.

«Herr Bosch hat mit seinem Handeln der KPT-Gruppe und auch der ganzen Branche Schaden zugefügt und hat mitgeholfen, das Bild des gierigen Managers zu prägen», sagte die Gerichtspräsidentin. Sie zeichnete von Bosch das Bild ­eines Machertypen, der sich über die Regeln hinwegsetzte und egoistisch handelte, um sich als erfolgreicher Fusionierer hinstellen zu können.

Bosch ging es nicht ums Geld . . .

Bosch sei als Präsident zwar im Rampenlicht gestanden und Liechti nur dessen Vize gewesen, doch dies habe auf das ­Urteil keinen Einfluss, da die Handlungen beider Täter gleich zu gewichten seien, sagte die Gerichtspräsidentin.

Einzig im ersten Anklagepunkt beurteilten die Richter die Schuld der beiden unterschiedlich. Dabei geht es um den Preis, zu welchem die KPT vor der Fusion mit der Sanitas ihre ­Mitarbeiteraktien hätte zurückkaufen sollen – und der Verwaltungsrat einen so überhöhten Rückkaufpreis offerierte, dass die KPT um 51 Millionen Franken geschädigt worden wäre. Je 1,7 Millionen Franken davon wären Bosch und Liechti zugeflossen.

«Wir kommen zum Schluss, dass die eigene Bereicherung nicht die ­Triebfeder von Herrn Boschs Handeln war», sagte die Gerichtspräsidentin, denn Bosch habe sich mit Vollgas für die Fusion eingesetzt. Dazu kommt, dass Bosch und seine Frau «ein vermögendes Ehepaar» seien, und nicht auf das Geld angewiesen gewesen wären. Das Gericht geht in diesem Punkt von eventualvorsätzlichem Handeln aus.

. . . Liechti hingegen schon

Anders bei Liechti: Dieser sei gemäss ­eigener Aussage zuerst gegen die Fusion mit der Sanitas gewesen, «doch als er die eigenen finanziellen Vorteile erkannt hatte, setzte er sich dafür ein», so Richterin Lips. Liechti habe den Rückkaufpreis berechnet und dabei betriebswirtschaftlich unhaltbare Argumente vorgebracht. Während der Strafuntersuchung und dem Prozess «hat er jedoch versucht, sich hinter anderen zu verstecken». Finanziell gehe es Liechti zwar nicht schlecht, doch er könne nicht als vermögend bezeichnet werden. Der unrechtmässige Gewinn von 1,7 Millionen Franken wäre bei Liechti somit stärker ins Gewicht gefallen. So gingen die Richter bei Liechti im Gegensatz zu Bosch von vorsätzlichem Handeln aus.

Laut Gericht haben sich Bosch und Liechti im Zusammenhang mit dem geplanten Aktienrückkauf im Frühsommer 2010 nicht nur strafbar gemacht, weil sie einen überrissenen Preis von 600 Franken festgelegt haben und damit das Mitarbeiterbeteiligungsreglement der KPT missachteten, das einen Rückkaufpreis von 34.22 Franken vorsah. Sondern auch deshalb, weil sie das Aktienrückkaufprogramm ohne gültigen Verwaltungsrats­beschluss starteten.

Bosch und Liechti hätten den Verwaltungsrat schriftlich über den geplanten Rückkaufpreis von 600 Franken abstimmen lassen. Der Verwaltungsrat und damalige Mobiliar-Chef Urs Berger verweigerte seine Zustimmung und verlangte eine Diskussion darüber. Doch Bosch liess das Rückkaufangebot an die Mitarbeiter bereits versenden.

«Massiver Interessenkonflikt»

«Alle Verwaltungsräte befanden sich in einem massiven Interessenkonflikt», sagte Lips, denn jeder Verwaltungsrat sei auch Aktionär gewesen und habe somit ein Eigeninteresse gehabt. Die Verwaltungsräte hätten den Interessenkonflikt lösen können, indem sie den Entscheid über das Rückkaufprogramm an die Delegierten der KPT-Genossenschaft oder an einen Externen abgegeben hätten.

Auch das von der Verteidigung vorgebrachte Argument, Bosch und Liechti hätten auf die Meinung des KPT-Verwaltungsrats und Wirtschaftsjuristen Rolf Jetzer vertrauen dürfen, liess die Gerichtspräsidentin nicht gelten. Bosch und Liechti seien wesentlich länger in der KPT und im Krankenversicherungsgeschäft tätig gewesen als Jetzer. «Und weshalb haben sie nicht auf Urs Berger gehört, der zwar kein Jurist, aber in der Branche erfahren ist?» Sie verwies zudem darauf, dass sich Berger in der Frage des Aktienrückkaufs auf den Rechtsdienst der Mobiliar stützte (welcher vom überteuerten Aktienpreis abgeraten hatte).

Weiter sei es für das Gericht «unverständlich», dass Bosch die Warnungen der eigenen Revisionsgesellschaft vor dem hohen Rückkaufpreis ignorierte. Auch dass die KPMG die KPT auf ein ­Reputationsrisiko hinwies, habe Bosch ignoriert. «Es handelt sich dabei um eine der renommiertesten Revisions­gesellschaften der Welt. Das ist nicht einfach eine Lappalie, die man übergehen kann», so die Gerichtspräsidentin. Bosch und Liechti hätte nichts hinterfragt, sondern nur nach Argumenten gesucht, den hohen Rückkaufpreis irgendwie rechtfertigen zu können. So habe Bosch auch den eigenen Verwaltungsrat teilweise falsch informiert.

Urteil geht an die nächste Instanz

Auch im zweiten Anklagepunkt, einem KPT-internen Darlehen von 70 Millionen Franken, um den Aktienrückkauf zu finanzieren, handelten Bosch und Liechti laut dem Gericht eigenmächtig und zum Schaden der KPT. Ebenso im dritten Anklagepunkt, den total 7 Millionen Franken, die Bosch und Liechti den Verwaltungsräten auszahlen liessen, um die mit der Fusion drohenden Lohneinbussen bis zum Ende der vierjährigen Amtsperiode zu kompensieren. Bosch hätte laut Gericht unberechtigterweise 2 Millionen Franken, Liechti 1,5 Millionen Franken erhalten.

Die Anwälte von Walter Bosch und Bernhard Liechti kündigten gestern noch im Gerichtssaal an, das Urteil ans Obergericht weiterzuziehen.

Der Bund

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