Böse Powerpoint-Folien gegen Lufthansa

Ryanair-Chef Michael O’Leary ist bekannt fürs Pöbeln. Nun hat er sich Lufthansa vorgenommen – mit einer bitterbösen Powerpoint-Präsentation.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr als böser Gru: Ryanair-Chef Michael O'Leary liess den Lufthansa Chef als Cartoon-Figur darstellen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr als böser Gru: Ryanair-Chef Michael O'Leary liess den Lufthansa Chef als Cartoon-Figur darstellen.

(Bild: Keystone Hannibal Hanschke)

Michael O’Leary ist in der Luftfahrtbranche ein bunter Hund. Krawatten trägt der Chef von Ryanair so gut wie nie, meist tritt er in farbigem Sakko und Karohemd auf. Auch sonst verhält er sich nicht so wie der klassische Topmanager. Begriffe wie «verdammte Idioten» oder «Stück Scheisse» kommen ihm in Gesprächen locker über die Lippen. Um die Billigfluggesellschaft in die Schlagzeilen zu bringen, trat er schon mit Narrenkappe, in Badehosen oder in einem Superhelden-Kostüm auf.

Wenn er redet, dann redet er frei heraus. Oftmals bringt er dabei völlig überrissene Ideen auf. Einmal wollte er die Co-Piloten abschaffen und begründete dies damit, der Autopilot fliege sowieso das Flugzeug. Ein anderes Mal schlug er vor, Tickets gratis zu machen und dafür Geld mit Pornofilmen und Glücksspielen an Bord zu verdienen. Auch Stehplätze für Passagiere oder eine Toilettengebühr an Bord brachte er schon auf.

«Nicht einmal in Nordkorea»

In den letzten Monaten wurde O’Leary ruhiger. Er hatte gemerkt, dass Ryanair sich ändern muss, dass tiefe Preise alleine auf Dauer nicht ausreichen und auch sein Unternehmen Reisende netter behandeln muss. Doch bei einem Thema redet sich der Bauernsohn aus der irischen Kleinstadt Mullingar noch immer in Rage. Dass Lufthansa wohl grosse Teile von Air Berlin übernehme, bezeichnet er als «offensichtlichen Komplott». Mithilfe der deutschen Regierung entstehe da ein «Monster». «Nicht einmal in Nordkorea würde ein Zusammenschluss mit 95 Prozent Marktanteil abgesegnet», so O’Leary diese Woche bei einer Pressekonferenz in Berlin. Wirklich innovativ war dieses Mal aber nicht das, was der Airline-Manager sagte, sondern was er zeigte. Er hatte für den Medientermin in der deutschen Hauptstadt bitterböse Powerpoint-Folien vorbereiten lassen.

Carsten-Gru und sein Minion Thomas

Auf der einen wurde der Kopf von Lufthansa-Chef Carsten Spohr auf die Figur Gru aus dem Film «Ich – Einfach unverbesserlich» aufgeklebt. Gru, das ist die ehemalige Nummer 1 der Superschurken. An der Hand führt Carsten/Gru ein Minion, also eine dieser kleinen gelben Figuren, die nur ein Ziel haben: den schrecklichsten Schurken der Geschichte zu dienen. Aufgeklebt auf das Lebewesen ist der Kopf von Ex-Lufthansa-Manager und Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann. Die Aussage ist klar: Winkelmann ist der Lakai von Spohr, der willige Helfer im Aufbau eines Quasi-Monopols in Deutschland.

Foto: Ryanair

Auch Berlins Bürgermeister Michael Müller bekam sein Fett ab. Er hatte sich Anfang Woche für Lufthansa als Käufer von Air Berlin ausgesprochen. Das Beschäftigungsmodell des Konkurrenten Ryanair sei nicht das, was er anstrebe, hatte er gemeint. Er wünsche sich einen «verlässlichen Partner». O’Leary liess den «verrückten Bürgermeister» Müller in ein Che-Guevara-Porträt montieren. Daneben stand: «Ryanair mitarbeiterfeindlich?» Und es wurde aufgelistet, dass die Fluggesellschaft 13'000 Mitarbeitende beschäftige, davon über 1000 in Deutschland, dass es keine Streiks gebe und dass 500 Menschen auf der Warteliste für Pilotenjobs stünden.

Foto: Ryanair

Kaufen? Nein danke!

So richtig konsequent ist O’Leary dann am Ende aber nicht. Zwar forderte er die Behörden auf, etwas gegen den Zusammenschluss zu tun. Aber selbst Teile von Air Berlin kaufen wie er noch vor kurzem angekündigt hatte, das will der umtriebige Ire nun doch nicht.

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