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Börsen stoppen Spekulanten

An den Aktienmärkten in New York und London wird das Wetten auf sinkende Kurse – sogenanntes Leerverkaufen – verboten. Die Schweizer Börse droht schärferes Vorgehen an.

Im Kampf gegen Marktmanipulationen, die Anleger und Märkte bedrohten, werde man jede Waffe des Arsenals einsetzen, kündigte der Vorsitzende der US-Börsenaufsicht SEC, Christopher Cox, am Freitag an. Das in einer dringenden Verfügung verhängte vorübergehende Verbot von Leerverkäufen (short selling) werde das Gleichgewicht am Markt wiederherstellen.

Für Kurssturz von HBOS und Lehman mitverantwortlich

Die SEC handelte in Absprache mit der britischen Finanzmarktaufsicht FSA. Betroffen vom vorübergehenden Verbot des short selling sind fast 800 Finanzaktien. Kritiker wandten ein, ein Verbot von ungedeckten Leerverkäufen (naked short selling) hätte ausgereicht.

Leerverkäufe waren in den vergangenen Tagen als mitverantwortlich für den Kursverfall der angeschlagenen US-Investmentbank Lehman Brothers und der britischen Hypothekenbank HBOS bezeichnet worden.

New Yorker Staatsanwalt ermittelt

Der New Yorker Staatsanwalt Andrew Cuomo will untersuchen, ob sich Akteure bei solchen Wetten auf sinkende Kurse in geheimer Absprache und durch das Verbreiten von Gerüchten oder negativen Informationen schuldig gemacht haben.

Die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) plant nach Auskunft ihres Sprechers Alain Bichsel kein vollständiges Verbot von Leerverkäufen. In einer koordinierten Aktion mit der Schweizer Börse SWX erinnerte die Börsenaufsicht aber an ihr Rundschreiben über Aufsichtsregeln zum Marktverhalten.

SWX will schärfer überwachen

Demnach sind Leerverkäufe ohne Deckung unzulässig, namentlich wenn damit Marktverzerrungen beabsichtigt sind oder sie zu Marktmanipulationen eingesetzt werden. Die Banken müssen sicherzustellen, dass bei Effektenverkäufen für Kunden diese in der Lage sind, zum Abwicklungstermin die Effekten zu liefern. Die EBK werde gegen entsprechende Missbräuche einschreiten. Die SWX stellte eine scharfe Überwachung in Aussicht.

Die Aufsichtsbehörde informierte die Marktteilnehmer zugleich, dass das Verbreiten von irreführenden Gerüchten und das Streuen von wahrheitswidrigen Informationen marktmissbräuchlich sind und in keiner Form toleriert werden. Die EBK werde solches Verhalten mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln des Finanzmarkt-Enforcements verfolgen. Die EBK erinnerte schliesslich alle Marktteilnehmer daran, sich im gegenwärtigen Marktumfeld konsequent an die Aufsichtsregeln halten, wie sie namentlich im Rundschreiben zum Marktverhalten festgeschrieben sind. Konkrete Fälle von Missbräuchen liegen der EBK zurzeit nicht vor, wie Bichsel weiter sagte. Die Börse gibt nach ständiger Praxis keine Auskunft über Vorabklärungen.

AP/cpm

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