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Boeings kühne Vision einer goldenen Zukunft

Der amerikanische Flugzeugbauer blickt optimistischer in die Zukunft denn je: Laut einer Boeing-Studie zur Marktentwicklung wird sich die Zahl der Passagierjets bis 2030 verdoppeln.

Davon wird Boeing noch mehr nach Japan liefern können: Der Dreamliner.
Davon wird Boeing noch mehr nach Japan liefern können: Der Dreamliner.
Reuters

Gleitflug in Europa, Auftrieb in Asien: Indien, China und die anderen aufstrebenden Volkswirtschaften bestimmen in den nächsten Jahren, wo es auf dem Markt für kommerzielle Jets lang geht. Europa und die Vereinigten Staaten geben ihre lange dominierende Rolle an die grossen Länder mit immensem Nachholbedarf ab. Insgesamt verdoppelt sich die Flotte.

Das geht aus der Boeing-Prognose über die Marktentwicklung bis 2030 (Current Market Outlook) hervor, die der US-Hersteller am Montag in London offiziell vorstellte. Boeing-Vizepräsident Randy Tinseth gab sich dabei zuversichtlich hinsichtlich stabiler Wachstumsraten. Ein Blick in die Vergangenheit zeige, dass der Markt trotz zweier Golfkriege, vier Rezessionen, zweier Finanzkrisen, eines Ölschocks, einer «Beinah-Epidemie» (SARS) und trotz des 11. Septembers 2001 langfristig stets gewachsen sei, und zwar um jährlich etwa fünf Prozent.

34'000 neue Flugzeuge

So fiel die Prognose leicht, dass sich die Zahl der Passagierjets weltweit bis 2030 auf 40'000 verdoppelt. Tinseth sagte bei seiner Präsentation der Marktperspektive voraus, bis dahin würden etwa 34'000 neue Flugzeuge im Wert von 4,5 Billionen US-Dollar verkauft werden.

Eventuelle Rückschläge in einzelnen Regionen verlieren dabei für weltweit operierende Produzenten ihren Schrecken, weil sie in der Regel anderswo auf dem Globus wieder ausgeglichen werden. Angesichts des Booms im asiatisch-pazifischen Raum mit einem durchschnittlichen Wachstum von 6,7 Prozent sieht der amerikanische Hersteller die auf 3,9 Prozent abnehmenden Zuwachsraten im Flugreisemarkt innerhalb Europas gelassen.

Auch im Detail verschiebt sich einiges: Der Trend geht zu mehr Nonstop-Verbindungen mit mittelgrossen Fliegern. Auch der Anteil an Billigfliegern steigt von 14 auf 19 Prozent. Am häufigsten würden künftig Mittelstreckenflugzeuge nachgefragt, nämlich weltweit 23'240 im Wert von zusammen 2,03 Billionen US-Dollar. Gefolgt von 7950 grösseren Mittel- und Langstreckenjets mit zwei Mittelgängen im Gesamtwert von 2,08 Billionen Dollar. Den Markt für Super-Jumbos wie die B-747/8 und den Airbus A-380 schätzte Boeing auf 790 Stück im Gesamtwert von 280 Milliarden Dollar.

Im Vergleich zu den Umsatzerwartungen mit diesen klassischen Linienjets nehmen sich die 80 Milliarden Dollar, die beim Verkauf von 2020 Regionaljets in die Kassen kommen, gering aus. Diesen Markt der Flieger unter 100 Sitzen überlassen Boeing und wohl auch Airbus anderen Herstellern.

Mehr Dreamliner als geplant

Nur auf Nachfrage ging Marketing-Spezialist Tinseth auf das künftige Verhältnis Boeing-Airbus ein. Den von Airbus angekündigten Bau einer Fabrik in den USA kommentierte er kühl: «Es kommt auf Qualität und Preis an und nicht darauf, welche Adresse auf der Visitenkarte steht.» Ansonsten werde bei den wichtigen Segmenten der Marktanteil der beiden grossen Hersteller Airbus und Boeing etwa 50 zu 50 bleiben.

Vorausgesetzt, China und Indien machen ihre Drohung nicht wahr, Airbus wegen des EU-Alleingangs bei der Einbeziehung des Luftverkehrs in den Emissionshandel zu boykottieren. Wie zur Bestätigung der Boeing-Prognose kündigte die japanische Air Nippon Airways am Dienstag an, mehr Boeing-787-Dreamliner zu bestellen als die bisher geplanten 55 Stück.

dapd/kpn

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