BLS schreibt schwarze Zahlen - dank Sparmassnahmen

Die BLS hat 2012 einen Gewinn von gut 2 Millionen Franken erwirtschaftet. Die Zahl der Fahrgäste ist angestiegen, der Güterverkehr dagegen zurückgegangen.

Mehr Erfolg im Personen- als im Gütertransport: Zug der BLS im Bahnhof Ramsei (16. Januar 2008).

Mehr Erfolg im Personen- als im Gütertransport: Zug der BLS im Bahnhof Ramsei (16. Januar 2008).

(Bild: Valérie Chételat)

Das Bahnunternehmen BLS ist im vergangenen Jahr operativ gewachsen. Mehrkosten, stagnierende Erträge und die Sanierung der Pensionskasse drückten aber aufs Ergebnis. Schwarze Zahlen schreibt die BLS nur dank Sparprogramm.

Unter dem Strich schaute ein kleiner Konzerngewinn von 2,1 Millionen Franken heraus. Doch damit ist die Konzernleitung nicht zufrieden, wie Verwaltungsratspräsident Rudolf Stämpfli am Donnerstag vor den Medien sagte. Der Mini-Gewinn sei nur möglich gewesen, weil das Unternehmen mit Sofortmassnahmen rund 12 Millionen Franken eingespart habe. Mit dem im vergangenen Sommer lancierten Programm will das Bahnunternehmen bis 2015 die Kosten dauerhaft um insgesamt rund 50 Millionen Franken senken.

Politik soll mitziehen

Doch Sparmassnahmen und mehr Effizienz reichten nicht aus, um mittelfristig bessere Ergebnisse zu erzielen, betonte Stämpfli. Auch die Politik sei gefordert, denn sie müsse Rahmenbedingungen schaffen, die der BLS den nötigen wirtschaftlichen Freiraum gäben.

Für Schlagzeilen sorgte die BLS diesbezüglich erst vor wenigen Tagen mit ihren Plänen, mit den «Lötschberger-Zügen» bis nach Domodossola zu fahren. Diesen Verkehr hält derzeit die SBB. Die Konzession wurde bis 2017 verlängert, dagegen wehrt sich die BLS vor Bundesverwaltungsgericht.

Strukturelle Probleme ortet Stämpfli etwa im Bestellverfahren. Die BLS fahre heute auf Wunsch der Besteller - zur Hauptsache der Kanton Bern - Züge, bevor überhaupt die Finanzierung via Offerte unter Dach und Fach sei.

Dazu komme, dass der Kanton letzten Herbst auf den Fahrplanwechsel im Dezember hin bereits geplante Verbindungen strich. Der Kanton habe dadurch zwar kurzfristig bessere Zahlen vorlegen können, hingegen seien die Kosten dieser Übung an der BLS hängen geblieben, kritisierte Stämpfli.

Schere öffnet sich

Von der öffentlichen Hand fordert die BLS, dass sie das Verkehrswachstum mit entsprechenden Abgeltungen mitträgt. Gerade im wachsenden regionalen Personenverkehr sieht Stämpfli eine sich immer stärker öffnende Kosten-Ertrags-Schere. Die steigende Nachfrage löse zwangsläufig höhere Kosten für Verkehr und Infrastruktur aus, beispielsweise für neues Rollmaterial mit höherer Kapazität, führte Stämpfli aus. Als Beispiele nannte er etwa die Beschaffung der neuen Doppelstockzüge. Bis 2025 werde das Unternehmen weitere 700 Millionen Franken investieren, um auf die Nachfragesteigerung reagieren zu können.

Ein neuer, erheblicher Kostenfaktor sind laut Stämpfli auch die vom Bund auf Anfang Jahr erhöhten Trassenpreise. Die Abgeltungen hingegen bewegten sich nicht parallel zur Mehrleistung der Bahn. Die Abgeltung pro Zugkilometer sank letztes Jahr von 10,03 Franken auf 9,44 Franken.

Wachstum beim Personenverkehr

Im vergangenen Jahr beförderte die BLS per Bahn, Bus und Schiff 58,2 Millionen Fahrgäste, ein Plus von 4,3 Prozent. Allein mit der Bahn waren pro Tag 147'000 Passagiere unterwegs. Zusammengezählt legten sie 2012 fast 905 Millionen Kilometer zurück.

Im Güterverkehr haperte es im vergangenen Jahr. BLS Cargo verzeichnet einen Rückgang der Verkehrsleistung um 13,4 Prozent. Gründe dafür waren unter anderem die vielen, langen Streckenunterbrücke auf den Transitachsen Gotthard und Simplon sowie die schwache Konjunktur im Euro-Raum, speziell in Norditalien.

Im laufenden Jahr feiert das Bahnunternehmen seinen 100. Geburtstag. Aus der 1913 eröffneten, 60 Kilometer langen Bergstrecke von Frutigen nach Brig entwickelte sich mit den Jahren eine europäische Transitachse.

bh/sda

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