BLS schnappt SBB Grossauftrag weg

Erfolg nach Durststrecke: BLS-Lokomotiven fahren künftig von Holland durch den Lötschberg bis nach Italien.

Die BLS prescht vor: Sie erhält vor der SBB in einem wichtigen Geschäft den Vorzug.

Die BLS prescht vor: Sie erhält vor der SBB in einem wichtigen Geschäft den Vorzug.

(Bild: Adrian Moser)

Hans Galli

Anfang April sah es für BLS Cargo noch düster aus: Sie verlor damals den Auftrag der deutschen Bahntochter DB Schenker Rail an die SBB. Das bedeutet einen Verlust von jährlich 5000 Güterzügen ab 2014. Jetzt aber hat sie ihrerseits den SBB 1000 Fahrten durch die Schweiz abgeluchst: Ab dem kommenden Dezember spannen die private ERS Railways und die BLS beim Gütertransport zwischen Rotterdam (NL) und Melzo (I) zusammen. Sie haben gemäss einer Mitteilung an der Transport- und Logistikmesse in München ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet.

Loks kommen von Coop

ERS führt die Züge von Holland bis an die Schweizer Grenze, während die BLS für den schweizerischen und den italienischen Streckenabschnitt verantwortlich ist. Wichtig ist dabei, dass die Lokomotive auf der ganzen Strecke nicht gewechselt werden muss. BLS Cargo tauscht zu diesem Zweck fünf ihrer Lokomotiven gegen fünf Mehrsystemlokomotiven BR 186 der Railcare aus. Railcare ist die Güterbahn von Coop. Die BR 186 kann auf den unterschiedlichen Stromsystemen in den Niederlanden, Deutschland, der Schweiz und Italien eingesetzt werden.

Weil kein Wechsel nötig ist, genügen die fünf Lokomotiven für die Abwicklung der 1000 jährlichen Fahrten zwischen Holland und Italien, wie BLS-Sprecherin Stefanie Burri sagte. Voraussetzung ist, dass genügend Trassees verfügbar sind, damit Wartezeiten vermieden werden können. Das ist laut Burri nur auf der Lötschberg-Strecke der Fall, weshalb die Züge künftig über diese geführt werden. Die SBB führen diese Züge heute noch durch den Gotthard. «BLS Cargo hat uns mit ihrem innovativen Traktionskonzept mit den durchlaufenden Lokomotiven und den damit deutlich verringerten Laufzeiten von Holland bis nach Italien überzeugt», hält ERS-Direktor Frank Schuhholz in der Medienmitteilung fest.

Für die BLS rentabel

Nicht nur ERS wird profitieren, sondern auch BLS Cargo: «Wir werden mit diesen Fahrten Geld verdienen», sagte Mediensprecherin Burri. Sie spielte damit auf den verlorenen Auftrag von DB Schenker an. BLS Cargo sei aus dem Bieterrennen mit den SBB ausgestiegen, weil das Geschäft nicht mehr rentiert hätte, hiess es damals.

Durch den Verlust des DB-Schenker-Auftrags gehen 80 Stellen verloren, wie BLS Cargo im April ankündigte. Der Abbau werde durch den nun gewonnenen ERS-Auftrag nicht unmittelbar gemildert, sagte Burri. Die Unternehmensleitung sei jedoch bestrebt, weitere Aufträge zu gewinnen. Die noch bis morgen Freitag dauernde Transport- und Logistikmesse in München sei die beste Gelegenheit für Verhandlungen.

Auch neuer Auftrag für die SBB

Der Wettbewerb im liberalisierten Güterverkehr auf der Nord-Süd-Achse sei sehr intensiv, sagte Christoph Rytz, Kommunikationsleiter von SBB Cargo. Die SBB hätten zwar den ERS-Auftrag von Rotterdam nach Melzo an die BLS verloren. Dafür übernähmen sie von ERS ab dem laufenden Monat neu die Gütertransporte vom deutschen Karlsruhe nach Melzo in der Provinz Mailand.

Der Bund

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