BLS Cargo fährt mit Hybridlokomotiven bis aufs Gleis der Kunden

Das Bahnunternehmen versucht, den am Gotthard verlorenen Grossauftrag zu kompensieren. Transporte ohne Lokwechsel sollen die Kosten reduzieren.

Testfahrt der BR 187 für BLS Cargo.

Testfahrt der BR 187 für BLS Cargo.

(Bild: zvg)

Adrian Sulc@adriansulc

Äusserst schlechte Nachrichten hatte BLS Cargo im April zu verkünden: Ausgerechnet SBB Cargo hatte dem Berner Schienentransport-Unternehmen einen Grossauftrag weggeschnappt. Es ging um rund 5000 Gütertransporte auf der Nord-Süd-Achse durch den Gotthard für die Firma DB Schenker Rail, eine Tochter der Deutschen Bahn. BLS Cargo verliert so ab nächstem Jahr über 80 Prozent ihres Verkehrsvolumens am Gotthard. SBB Cargo hatte die Offerte der Berner Konkurrentin unterboten. BLS Cargo gab daraufhin bekannt, es müssten bis zu 80 Stellen abgebaut werden – rund 60 Lokführer bei der BLS und rund 20 Angestellte der BLS Cargo.

In der Medienmitteilung von Dienstag versuchte BLS Cargo nun, das Positive zu betonen – unter anderem, dass nur 10 der 20 eigenen Stellen über Entlassungen abgebaut werden müssten. Der Rest erfolge über Pensenreduktionen und natürliche Abgänge. Ob die Zahl der 60 zu entlassenden Lokführer bei der BLS reduziert werden kann, gibt die BLS nächste Woche bekannt.

Zudem teilte BLS Cargo am Dienstag mit, dass sie weitere Transportaufträge gewinnen konnte, darunter die Rangieraufgaben im Tessin für Railcare, eine Coop-Tochter, sowie rund 900 Transporte auf der Gotthard-Achse für TX Logistik. Damit sei der verlorene Auftrag am Gotthard zwar nicht kompensiert, «aber wichtige Zeichen sind gesetzt», schreibt BLS Cargo.

BLS Cargo will wieder in die Gewinnzone

Das Unternehmen arbeitet daran, die Kosten der Transporte zu senken, um in Europa konkurrenzfähig zu bleiben. So wird BLS Cargo 2014 drei Stück der neu entwickelten Bombardier-Lokomotive BR 187 einsetzen. Diese fährt mit elektrischem Strom, kann aber auf einen (langsameren) Dieselbetrieb umschalten. «Damit kommen wir bei den Kunden auf Anschlussgleise, die nicht elektrifiziert sind», sagt BLS-Cargo-Sprecherin Stefanie Burri. So benötige es keine zusätzliche Rangierlok vor Ort – und BLS Cargo könne sich das zeitintensive Abkuppeln und Anhängen der eigenen Lokomotive sparen. Für das laufende Jahr habe sich BLS Cargo eine «schwarze Null» zum Ziel genommen, sagt Burri. In Zukunft wolle BLS Cargo wieder in die Gewinnzone vorstossen.

Dies nicht trotz, sondern gerade wegen des Wegfalls des Gotthard-Auftrags – weil dieser laut Burri «unrentabel» war. Im ersten Halbjahr kam das Unternehmen bereits aus den roten Zahlen und schrieb einen Gewinn von 0,7 Millionen Franken – gegenüber einem Verlust von 1,9 Millionen Franken im ersten Halbjahr 2012. Der Umsatz stieg um knapp 5 Prozent auf 91 Millionen Franken.

Wie weiter mit den Aktionären?

Nachdem die Deutsche Bahn den Transportauftrag am Gotthard an SBB Cargo vergeben hat, stellt sich die Frage der Beteiligung an der BLS Cargo. Denn die Deutsche Bahn Schweiz Holding hält 45 Prozent der Aktien von BLS Cargo. 52 Prozent gehören der BLS. «Es laufen Gespräche mit der Deutschen Bahn über die weitere Zusammenarbeit», sagt BLS-Cargo-Sprecherin Burri. Da die Deutsche Bahn ab nächstem Jahr kein grosser Kunde mehr sei, müssten die Aktionäre die Form der zukünftigen Zusammenarbeit klären. «Die Ergebnisse sind noch auf alle Seiten offen», sagt Burri. Auch die BLS selbst wollte sich am Dienstag noch nicht zu der Frage äussern.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt