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Blaues Vögelchen mit roten Zahlen

Twitter schreibt nach wie vor keinen Gewinn. Im ersten Halbjahr 2013 fuhr der Kurznachrichtendienst einen Verlust von 70 Millionen Dollar ein. Trotzdem soll der Gang an die Börse ein Erfolg werden.

Noch ist der Termin für den Börsengang nicht bekannt: Twitter- und Aktien-Apps. (Archivbild)
Noch ist der Termin für den Börsengang nicht bekannt: Twitter- und Aktien-Apps. (Archivbild)
Keystone

New York Twitter muss aufgrund des angestrebten Börsengangs erstmals der Öffentlichkeit einen ausführlichen Einblick in sein Geschäft gewähren. Damit hat sich bestätigt, was bisher allgemein angenommen wurde: Der Kurznachrichtendienst hat es bisher noch nicht in die Gewinnzone geschafft.

Beim Börsengang will Twitter bis zu eine Milliarde Dollar einnehmen. Das geht aus dem Börsenprospekt hervor, den Twitter in der Nacht zum Freitag vorlegte. Der Online-Dienst hatte den seit langem erwarteten Börsengang vor drei Wochen angekündigt, zunächst aber alle Details geheimgehalten.

500 Millionen Tweets täglich

Was die Investoren anlocken soll, ist die grosse Reichweite: Laut dem am Donnerstag vorgelegten Börsenprospekt hat Twitter mehr als 215 Millionen aktive Nutzer pro Monat. Rund 100 Millionen Menschen nutzten den Dienst sogar täglich, «und das annähernd weltumspannend», heisst es. Rund 500 Millionen Tweets, also maximal 140 Zeichen langen Nachrichten, die auch Links zu Fotos, Videos oder Websites enthalten können, werden pro Tag verschickt.

Einen genauen Termin für den Börsengang nennt Twitter bisher nicht. Gerechnet wird mit November. Zunächst muss Twitter die Anleger auf einer sogenannten Roadshow überzeugen, ins Unternehmen zu investieren.

Rote Zahlen

Die Anleger werden sich nun die Geschäftszahlen ganz genau anschauen: Während Twitter im Jahr 2010 erst 28 Millionen Dollar an Einnahmen hatte, waren es 2011 schon 106 Millionen Dollar und im vergangenen Jahr 317 Millionen Dollar. Und Twitter wächst weiter: Im ersten Halbjahr diesen Jahres hat das Unternehmen bereits 254 Millionen Dollar Umsatz gemacht.

Allerdings verliert Twitter bislang Geld. Alleine im ersten Halbjahr lag der Verlust unterm Strich bei 69 Millionen Dollar und war damit fast eineinhalb Mal so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Insgesamt sammelte sich in den Jahren ein Minus von über 400 Millionen Dollar an.

Die Gründer halten verhältnismässig kleine Anteile

Der Börsengang dürfte zumindest einen neuen Milliardär schaffen: Twitter-Mitgründer Evan Williams hält 12,0 Prozent am Unternehmen und ist damit grösster Anteilseigner. Sein Compagnon Jack Dorsey, der als letzter des Gründertrios noch bei Twitter aktiv ist, kommt auf 4,9 Prozent. Der aktuelle Chef Dick Costolo hält 1,6 Prozent der Anteile.

Haupteinnahmequelle des Unternehmens ist Werbung, die in den Nachrichtenstrom eingestreut werden. Fast zwei Drittel der Anzeigenerlöse kommen von mobilen Geräten. Dem stehen jedoch hohe Ausgaben für Rechenzentren, neue Produkte und die Vermarktung gegenüber.

Die Aktienplatzierung wird der prominenteste Börsengang eines Internetunternehmens seit Facebook im Mai vergangenen Jahres. Facebook kam zuletzt auf 1,15 Milliarden Mitglieder und ist an der Börse inzwischen rund 120 Milliarden Dollar wert.

Schnell, aber nicht immer verlässlich

Twitter hat sich zu einem Medium für Breaking News gemausert. So ist der Dienst bei dramatischen Ereignissen wie dem Bombenanschlag auf den Marathon in Boston dank seiner vielen Nutzer eine der schnellsten Informationsquellen, wenn auch nicht immer eine der verlässlichsten.

Twitter hatte Mitte September in einem Tweet enthüllt, dass das Unternehmen im Geheimen seinen Börsengang angestossen habe. Der Kurznachrichtendienst konnte als junges Unternehmen seinen Börsenprospekt zunächst geheim halten.

Der Börsenprospekt ist eine umfangreiche Selbstdarstellung des Unternehmens samt Geschäftszahlen, Risiken, Aussichten und Eigentumsverhältnissen. Als Risiko wird ausdrücklich die Marktmacht grösserer Technologiefirmen genannt, allen voran Google.

SDA/chk/ssc

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