BKW-Tochter mit heikler Auftragsvergabe

Polnische Arbeiter sollen beim Unispital Zürich zu Dumpinglöhnen angestellt worden sein. Den Auftrag vergeben hatte ein Tochterunternehmen der BKW.

Hat der Berner Stromkonzern die eigene Tochterfirma zuwenig stark überwacht?

Hat der Berner Stromkonzern die eigene Tochterfirma zuwenig stark überwacht? Bild: Keystone

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Sie hätten auf einen guten Lohn gehofft, sagen die polnischen Arbeiter in einer Sendung von «Schweiz Aktuell». Aber das, was ihnen versprochen worden sei, hätten sie nie erhalten. Die vier Polen stehen vor dem Unispital Zürich, wo sie beschäftigt wurden. Neben ihnen Christa Suter von der Unia Zürich Schaffhausen. Sie spricht von einem klaren Fall von Lohndumping.

Man habe mit den Polen einen Lohn von 14.50 Euro pro Stunde vereinbart, sagt Suter. Das sei die Hälfte des Lohns, der ihnen eigentlich zustünde. Den Behörden habe man gleichzeitig Verträge mit dem korrekten Schweizer Lohn vorgelegt, der aber nie ausbezahlt wurde. Auf Verträgen, welche die Polen in der Sendung zeigen, steht der Betrag von 14.50 Euro.

Bauherr ist der Kanton Zürich. Er vergab den Auftrag über 3 Millionen Franken auf der Spitalbaustelle an die Luzerner Gebäudetechnikfirma Schmid Amrhein. Schmid Amrhein gab den Auftrag anschliessend weiter an ein Subunternehmen aus Polen, die Raga GmbH. Diese rekrutierte die polnischen Arbeiter und schickte sie anschliessend in die Schweiz. Schmid Amrhein ist seit März 2016 ein Tochterunternehmen des Berner Energiekonzerns BKW. Mit dem Zukauf von Gebäudetechnikfirmen will sich die BKW unabhängiger vom Geschäft mit dem Strom machen – handelt sich aber auch neue Probleme ein, wie der vorliegende Fall zeigt.

Die BKW schreibt, sie prüfe jeweils im Vorfeld einer Übernahme, ob ein Unternehmen in der Vergangenheit in solche Fälle verwickelt gewesen sei. Nach einer Übernahme würden dann der BKW-Verhaltenskodex eingeführt und entsprechende Schulungen durchgeführt. So habe auch das Management von Schmid Amrhein im Frühling 2017 an einer Schulung zu den Themen Kartellrecht und Compliance teilgenommen.

Im vorliegenden Fall, schreibt die BKW, habe sich Schmid Amrhein gemäss den vorliegenden Nachweisen an alle Vorschriften gehalten. Man werde dieser Frage jedoch noch im Detail nachgehen. Der Kanton Zürich habe aber bereits bestätigt, dass das Unternehmen seinen vergaberechtlichen Verpflichtungen nachgekommen sei.

Vorwürfe zurückgewiesen

Im Beitrag von «Schweiz Aktuell» weist auch der Anwalt von Raga Schweiz die Lohndumping-Vorwürfe zurück. Es sei falsch, dass die Raga ihren Arbeitnehmern nur 14.50 Euro pro Stunde bezahlt habe, teilt der Anwalt schriftlich mit. Die Raga habe bei allen ihren Arbeitnehmern in der Schweiz sowie im Ausland die jeweiligen Gesetze respektiert, «mithin sowohl die Mindestlöhne bezahlt als auch die Arbeitszeiten eingehalten.»

Als Beweis schickte der Anwalt der Sendung «Schweiz Aktuell» einen Vertrag, laut dem die Polen einen höheren Lohn erhielten. Unterschrieben hatten den Vertrag auch die polnischen Arbeiter. Diese sagten in der Sendung, sie hätten viele Sachen unterschreiben müssen, auch deutsche Verträge. Den richtigen Lohn erhalten hätten sie dennoch nicht.

Erstellt: 14.12.2017, 07:22 Uhr

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