BKW will aus Strom Treibstoff machen

Der Berner Energiekonzern möchte überschüssigen Strom in Treibstoff für Autos umwandeln.

Weil erneuerbare Energiequellen wie Wind, Wasser oder Sonne unregelmässig Strom liefern, will die BKW während Überschussphasen damit Treibstoff herstellen.

Weil erneuerbare Energiequellen wie Wind, Wasser oder Sonne unregelmässig Strom liefern, will die BKW während Überschussphasen damit Treibstoff herstellen.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Yvonne Debrunner@yvonnedebrunner

Ein Problem erneuerbarer Energien ist, dass sie unregelmässig Strom liefern: Im Winter wenig, im Sommer viel. Das gilt für Solarkraftwerke und – wegen des Schmelzwassers – auch für Wasserkraftwerke. In manchen Phasen produzieren sie mehr Strom als nötig. Diese überschüssige Energie zu speichern, ist eine Herausforderung. Eine, für welche die BKW eine neue Lösung im Visier hat: Sogenannte Power-to-Liquid-Anlagen.

Mit diesen würde der überschüssige Strom in Methanol umgewandelt. Methanol kann zum Beispiel dem Benzin beigemischt und als Treibstoff für Autos verwendet werden. Die Methode vereint mehrere Vorteile. Der offensichtlichste: In der Schweiz könnte Treibstoff produziert werden, was die Abhängigkeit von Öl- und Benzin-Importen verringern würde.

Weniger CO2

Ein weiterer Vorteil: Um Methanol herzustellen, braucht es neben Strom Wasser – und CO2. Das CO2 will man bei Verursachern in der Schweiz beziehen. Pro Anlage könnten jährlich 6000 Tonnen CO2 gebunden werden, heisst es in der gestrigen Mitteilung der BKW. Das entspricht dem Ausstoss eines Autos mit geringem Verbrauch, das 1250 Mal die Erde umkreist. Diese Menge CO2 würde nicht in die Atmosphäre gelangen.

Die BKW arbeitet bei dem Projekt mit zwei Partnerunternehmen zusammen: Zum einen mit der Luzerner Firma Swiss Liquid Future. Sie hat die Technologie entwickelt und hält die Lizenz. Swiss Liquid Future wäre auch Eigentümerin der Anlagen und würde den Verkauf des Methanols organisieren. Die Anlagen bauen und warten soll der deutsche Konzern Thyssenkrupp.

Das Projekt steckt allerdings noch in der Anfangsphase: Man «evaluiere derzeit geeignete Standorte für diese Power-to-Liquid-Anlagen», heisst es in der Mitteilung. Als Standort in Frage kommen wohl die Wasserkraftwerke der BKW. Denn laut Informationen auf der Webseite von Swiss Liquid Future werden die Anlagen direkt an Kraftwerken installiert, um Übertragungsverluste zu vermeiden.

Die Luzerner Firma sieht in der Technologie gar den Weg aus der wirtschaftlichen Misere der Wasserkraftwerke: Indem die überschüssige Energie als Treibstoff am hochpreisigen Kraftstoffmarkt verkauft werde, könnten Wasserkraftwerke in die Gewinnzone zurückkehren, heisst es auf der Webseite.

Der Bund

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