Betrüger knacken das mobile Bezahlsystem von Apple

Der US-Konzern ist mit einer absoluten Sicherheitsgarantie für sein Bezahlsystem angetreten. Nun haben sich Diebe ein Schlupfloch zunutze gemacht. Apple Pay soll dennoch in Kürze auch in Europa erhältlich sein.

Apple Pay wurde trotz Spezialcode geknackt. Foto: Bryan Thomas (Getty Images)

Apple Pay wurde trotz Spezialcode geknackt. Foto: Bryan Thomas (Getty Images)

Es war nur eine Frage der Zeit, bis ­Apple Pay attackiert wurde. Jedes neue Bezahlsystem ist bislang noch Opfer von Betrügern geworden; der Unterschied ist nur, dass Apple mit einer absoluten Sicherheitsgarantie angetreten ist. Das Schlupfloch scheint denn auch nicht bei Apple zu liegen, sondern bei Banken und ihren zu nachlässigen Sicherheitstests. Apple plant, das neue System noch dieses Jahr in Europa anzubieten.

Die Diebe bedienten sich gemäss einer Analyse von Cherian Abraham, einem Experten für mobile Bezahlsysteme, relativ simpler Einbruchswerkzeuge. Sie machten sich ein Schlupfloch bei der Verifizierung der Kreditkarten zunutze, die nötig ist, um sie mit Apple zu verbinden. Kreditkarten können Apple Pay hinzugefügt werden, indem ein Foto der Karte übermittelt oder die ­Daten manuell eingelesen werden.

Mit einer Absicherung begnügt

Die angeschlossenen Banken wenden verschiedene Methoden an, um Kartenbesitzer einwandfrei zu identifizieren, sei es mit dem simplen und oft angewandten Vergleich der letzten vier Zahlen der Sozialversicherungsnummer, mit zusätzlichen Telefonanrufen, E-Mails und mit einem Einloggen in die Onlinekonten. Einzelne Banken aber begnügten sich mit einer einzigen Absicherung, und in diese Lücke drangen die Diebe vor. Vermutet werden die Betrüger beim organisierten Verbrechen in Miami und Dallas. Die Höhe des Schadens ist nicht bekannt, doch waren gemäss Angaben des «Wall Street Journal» 80 Prozent des Diebstahlguts Geräte von Apple selbst, die einen hohen Wiederverkaufswert haben. Die Substanz von Apple Pay selbst soll nicht geknackt worden sein.

Für den Konzern war und ist die hohe Sicherheit des Bezahlsystems das entscheidende Verkaufsargument. Apple konnte in den USA bereits mehrere Hundert Banken mit dem Versprechen gewinnen, dass die Transaktionen sicherer und einfacherer seien als Kreditkarten. Diese Garantie erlaubt es Apple, von den Banken eine Transaktionsgebühr von 0,15 Prozent zu verlangen. IT-Experten erklären, dass Apple das Risiko der gestohlenen Karten zu mindern suchte, ­indem es den Kreditkartenfirmen einen einmalig zu verwendenden Spezialcode zustellte. Dies allerdings habe den Raubzug nicht verhindert.

Die Betrüger stützten sich angeblich auf den Beutezug von Hackern, die bei den grossen Warenhausketten Home Depot und Target eingedrungen waren. Home Depot gab letzten September bekannt, dass Daten von 56 Millionen Kreditkarten entwendet worden seien. Nur wenige Monate zuvor musste Target zugeben, die Daten von 40 Millionen Karten verloren zu haben.

Dass diese Angaben noch lange Zeit nach dem Diebstahl verwendet werden können, liegt am eiskalten Kalkül der ­Finanzindustrie. Für sie es billiger, die Opfer eines Betrugs zu entschädigen, als mehrere Millionen neuer Karten ­auszustellen. Die Schäden werden von Banken getragen und in die Zinsen zulasten der Konsumenten einberechnet. Erstaunlich ist deshalb, dass Apple die Verifizierung der Karten den Banken überlassen und somit einen tieferen ­Sicherheitsstandard akzeptiert hat, als der US-Konzern für die eigene Software ­gelten lässt.

Präzise Angaben zur Verbreitung von Apple Pay fehlen noch. Drei Monate nach dem Start in den USA melden ­Warenhäuser und Banken einen stark anziehenden Trend. Apple-Chef Tim Cook erklärte kürzlich, das System werde noch dieses Jahr in Europa installiert. Mehr Aufschluss könnte Apple bei der Lancierung der Apple Watch von morgen Dienstag liefern.

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