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Berner Dorf schlägt Singapur

Der weltweit tätige Biotech-Konzern CSL Behring baut seine neue Produktionsanlage in Lengnau bei Biel. Es entstehen hundert neue Arbeitsplätze. Der Kanton Bern feiert die Ansiedlung als spektakulären Erfolg.

Die Industriezone Moos in Lengnau: Hier will CSL Behring einen neuen Produktionsstandort bauen.
Die Industriezone Moos in Lengnau: Hier will CSL Behring einen neuen Produktionsstandort bauen.
Iris Andermatt
Uwe E. Jocham, Direktionspräsident der CSL Behring, will weiter ausbauen.
Uwe E. Jocham, Direktionspräsident der CSL Behring, will weiter ausbauen.
Stefan Anderegg
CSL Behring im Wankdorf: Seit dem Jahre 2000 hat das Unternehmen über 290 Millionen Franken in den Standort  Bern investiert. Über 1200 Personen sind für CSL Behring tätig.
CSL Behring im Wankdorf: Seit dem Jahre 2000 hat das Unternehmen über 290 Millionen Franken in den Standort Bern investiert. Über 1200 Personen sind für CSL Behring tätig.
Keystone
Um alle Mitarbeitenden unterzubringen, mietet sich CSL Behring ins Feusi-Gebäude am Wankdorfbahnhof ein, 60 Personen werden ab September hier arbeiten.
Um alle Mitarbeitenden unterzubringen, mietet sich CSL Behring ins Feusi-Gebäude am Wankdorfbahnhof ein, 60 Personen werden ab September hier arbeiten.
zvg
Auf dem Zeughausareal (Parkplatz  mit dem weissen Reisecar) realisierte CSL Behring einen 65 Millionen Franken teuren Neubau.
Auf dem Zeughausareal (Parkplatz mit dem weissen Reisecar) realisierte CSL Behring einen 65 Millionen Franken teuren Neubau.
zvg/Flugaufnahme CSL Behring
Grundstein für das neue Service- und Logistikzentrum auf dem Zeughausareal 2011: Spatenstich mit Alexander Tschäppät, Christoph Neuhaus und Uwe E. Jocham (r.), Direktionspräsident des Pharmaunternehmens.
Grundstein für das neue Service- und Logistikzentrum auf dem Zeughausareal 2011: Spatenstich mit Alexander Tschäppät, Christoph Neuhaus und Uwe E. Jocham (r.), Direktionspräsident des Pharmaunternehmens.
Susanne Keller
CSL Behring gewann im Juni 2010 den Unternehmerpreis.
CSL Behring gewann im Juni 2010 den Unternehmerpreis.
Christian Pfander
Zuerst sprachlos, dann redselig: Uwe E.Jocham bedankte sich für die Auszeichnung.
Zuerst sprachlos, dann redselig: Uwe E.Jocham bedankte sich für die Auszeichnung.
Christian Pfander
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Nach jahrelangen Verhandlungen hat sich der weltweit tätige Biotech-Konzern für Lengnau BE als seinen neuen Standort entschieden. Ursprünglich buhlten 45 Standorte in aller Welt ums das neue CSL-Werk. In der Endausmarchung setzte sich Lengnau gegen Singapur durch. Sogar Bundesrat Johann Schneider-Ammann setzte sich für den Standort im Berner Seeland ein und empfing eine CSL-Delegation in Bern.

Der Wirtschaftsminister wertete den Standortentscheid als «positives Signal für den Industriestandort Schweiz». Er stelle mit Genugtuung fest, «dass wir einem internationalen Konzern für ein strategisches Projekt attraktive Rahmenbedingungen bieten können», erklärte Schneider-Ammann in einem Communiqué.

Steuergeschenke

Zweieinhalb Jahre hätten die Verhandlungen gedauert, sagte der bernische Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher vor den Medien. Dass der Kanton dem Konzern den Entscheid mit Steuergeschenken erleichterte, dementierte er nicht.

In welchem Umfang CSL Behring von Steuerrabatten und anderen Vorteilen profitiert, wollte Rickenbacher aber nicht sagen. Ob in dem Dossier ein Entscheid des Gesamtregierungsrats nötig war, liess er ebenfalls offen. Er räumte lediglich ein, das Geschäft sei am Mittwoch an der Regierungssitzung traktandiert gewesen.

Zuschlag trotz SVP-Initiative

Rickenbacher wies darauf hin, dass es im Verlauf der Verhandlungen auch schwierige Momente gegeben habe. Besonders das Ja des Schweizervolks zur SVP-Zuwanderungsinitiative sei wenig hilfreich gewesen. Der australische Mutterkonzern habe sich schon tags darauf, am 10. Februar, erkundigt, was dieser Entscheid genau bedeute.

Rickenbacher und Schneider-Ammann gelang es offensichtlich, die Zweifel zu zerstreuen. «Das brauchte erhebliche Überzeugungskraft», sagte Rickenbacher.

Er habe den Australiern versichert, dass die Schweiz in den letzten hundert Jahren die Volksentscheide immer vernünftig umgesetzt habe. Auch diesmal werde sich eine Lösung finden, damit Unternehmen wie die CSL Behring die benötigten Fachkräfte auch erhielten.

Zweiter Berner Standort

Die zum australischen Mutterhaus CSL Limited gehörende CSL Behring hat heute schon einen Standort in Bern. Im Stadtberner Wankdorf-Quartier beschäftigt das Unternehmen gut 1250 Personen und produziert plasmabasierte Therapeutika zur Behandlung seltener Krankheiten.

Der Berner Chef Uwe Jocham leitete auch die Evaluation des neuen Standorts. «In Lengnau bauen wir eine Produktionsanlage für Blutgerinnungsfaktoren, die nicht aus Plasma gewonnen, sondern mit rekombinanter Therapie hergestellt werden», sagte Jocham.

Der neue Standort werde Investitionen von mehreren hundert Millionen Dollar innert fünf Jahren auslösen. Mit den Bauarbeiten möchte CSL Anfang des kommenden Jahres beginnen.

CSL statt Nespresso

Von den Burgern wird die CSL Behring 120'000 Quadratmeter Land im Baurecht erwerben. Das entspricht der Fläche von etwa 17 Fussballfeldern. Damit gebe es auch die Möglichkeit für spätere Ausbauschritte, sagte Jocham.

Das Land befindet sich bereits in der Industriezone. Ursprünglich war es im Rennen für die neue Fabrikationsanlage von Nespresso. Der Kaffeekapsel-Hersteller entschied sich dann für Romont FR. Im Gegenzug stach Lengnau bei der CSL Behring nun auch Freiburger Standorte aus, wie an der Pressekonferenz zu erfahren war.

(SDA)

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