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Benetton wird wegen Brückenunglück angegriffen

Hinter dem italienischen Autobahnbetreiber steht die Familie des Modekonzerns Benetton. Diese wird jetzt massiv kritisiert.

Schwarzer Tag für die italienische Hafenstadt Genua: Der Brückenabsturz vom letzten Dienstag.

Nach dem schweren Brückeinsturz in Genua mit mindestens 38 Toten stellt sich jetzt die Frage der Verantwortlichkeit. Die italienische Regierung will den Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia zur Rechenschaft ziehen. Die private Firma wird von der italienischen Atlantia-Gruppe kontrolliert, die 51 Prozent des italienischen Verkehrsnetzes betreibt. Dieses Unternehmen wiederum gehört der Benetton-Familie, die in der Schweiz vor allem für ihre Modegeschäfte bekannt ist.

Die Familien-Holding der italienischen Industriellenfamilie, Edizione, ist mit 30 Prozent grösster Aktionär der Atlantia. In Italien wird auf sozialen Medien jetzt scharf gegen die Familie geschossen: Auf Twitter beschimpfen mehrere Nutzer die Benettons als Mörder.

Bitterböse Bildcollagen machen die Runde, in denen Nutzer mit Photoshop Bilder der Brücke in Genua neben den Schriftzug «United Colors of Benetton» gestellt haben. Eine italienische Zeitung titelte: «Der Bankomat von Benetton & Co.» in Bezug auf das Brückenunglück.

Die Benetton-Familie hatte vor Jahren ihre Tätigkeiten auf das lukrative Geschäft mit Autobahnen ausgeweitet. Das zahlte sich aus. Mittlerweile macht die Familie ihr Geld vor allem mit Mautgebühren, nicht mehr mit Mode. Forbes schätzt das Vermögen des Clans auf 3,1 Milliarden Euro.

Auch in der Politik macht sich Ärger über den Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia – und damit indirekt über den Besitzer Benetton – breit. Die italienische Regierung droht Autostrade per l'Italia mit dem Entzug der Lizenz und hohen Strafzahlungen. Instandhaltungen an der Brücke hätten nicht stattgefunden, sagte Vize-Ministerpräsident Luigi di Maio.

Vorwürfe wegen mangelhafter Wartung

Verkehrs- und Infrastrukturminister Danilo Toninelli forderte die Führung des Unternehmens zum Rücktritt auf. Auf Facebook schrieb er: «Wir zahlen Europas teuerste Maut an die Unternehmen, die unsere Autobahnen verwalten. Und sie kassieren Milliarden, zahlen ein paar Millionen Steuern und kümmern sich nicht um die Wartung der Brücken und Strassen.»

Auch die italienischen Populisten schiessen sich auf den Autobahnbetreiber ein: «Die Verantwortlichen haben einen Namen und einen Vornamen und es sind Autostrade per l'Italia», sagte Di Maio, Chef der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung im italienischen Radio. Die Brücke sei eingestürzt, weil die Wartung nicht erfolgt sei.

Aktie bricht um 24 Prozent ein

Ganz so einfach dürfte es mit den Schuldzuweisungen allerdings nicht sein. Denn Autostrade per l'Italia soll der italienischen Agentur Ansa zufolge bereits 2011 berichtet haben, dass das Viadukt in Genua zerfalle. Es müsse deshalb jedes Jahr renoviert werden. Besonders die Fünf-Sterne-Bewegung hatte sich allerdings vor ein paar Jahren vehement gegen ein neues Verkehrskonzept zur Entlastung der Strassen in Genua gestellt, wie SRF.ch berichtet.

Aus dem Finanzbericht von Atlantia, also der Muttergesellschaft des Autobahnbetreibers, geht hervor, dass Autostrade per l'Italia im vergangenen Jahr 517 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert hatte. 2016 waren es noch 677 Millionen Euro gewesen.

Im Gegensatz dazu stehen Gewinne von 1,4 Milliarden Euro, die Atlantia im letzten Jahr eingestrichen hatte, nachdem es im Jahr zuvor noch 1,2 Milliarden Euro gewesen waren. Mit diesem Rekordergebnis war auch die Dividende für die Eigentümer, und damit für die Benettons als grösster Aktionär, gestiegen.

Nach dem Unglück ist die Aktie von Atlantia nun massiv eingebrochen. Nachdem das Unternehmen vor dem Brückeneinsturz an der Börse noch mit 20,5 Milliarden Euro bewertet wurde, brach die Aktie am Donnerstag um 24 Prozent ein. Zuvor waren die Titel für knapp eine Stunde vom Handel ausgesetzt worden.

Bilder: Das Brückenunglück von Genua

Die Arbeiten an einem Ende der Brückenreste mussten eingestellt werden.
Die Arbeiten an einem Ende der Brückenreste mussten eingestellt werden.
AP/Nicola Marfisi, Keystone
Laut der Feuerwehr seien Geräusche zu hören, die sich von jenen der vergangenen Tage unterscheiden.
Laut der Feuerwehr seien Geräusche zu hören, die sich von jenen der vergangenen Tage unterscheiden.
AP/Nicola Marfisi, Keystone
Bei dem darunter liegenden Stadtteil handelt es sich um ein von Industrie und Gewerbe geprägtes Gebiet.
Bei dem darunter liegenden Stadtteil handelt es sich um ein von Industrie und Gewerbe geprägtes Gebiet.
Wikimedia/Bbruno
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