BEKB testet die «unbemannte Filiale»

Die Berner Kantonalbank testet eine Filiale ohne Angestellte, dafür mit Videochat-Funktion. Nach der Reduktion der Niederlassungen im letzten Jahr, ist das ein weiterer Weg, Geld zu sparen.

hero image
Mischa Stünzi

Fast jede dritte Niederlassung hat die Berner Kantonalbank (BEKB) seit 2010 geschlossen. Erst letzte Woche gab sie beispielsweise bekannt, dass für die Filiale am Eigerplatz Mitte Jahr Schluss ist. Noch vor sechs Jahren unterhielt die BEKB 78 Niederlassungen und zusätzlich 17 Standorte für die fahrenden Bankfilialen – zur Bank umgebaute Lastwagen. Die sogenannte mobile Bank wurde letztes Jahr komplett eingestellt. Insgesamt kommt die BEKB heute noch auf 67 Filialen. «Wir werden dieses Jahr noch vier Standorte schliessen. Danach gibt es vielleicht noch die eine oder andere Bereinigung», sagt Bankchef Hanspeter Rüfenacht. «Das Gröbste haben wir dann aber hinter uns und sind immer noch flächendeckend präsent.»

Dafür, dass die Bank in den letzten Jahren die Zahl der Niederlassungen derart stark reduziert hat, hat Rüfenacht zwei Erklärungen: Erstens gingen die Schalterfrequenzen bei der BEKB jährlich um 10 Prozent zurück. Deshalb habe das Filialnetz in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Zweitens hat die BEKB darauf in seinen Augen in der Vergangenheit eher zurückhaltend reagiert und die Schalterzeiten zu wenig stark reduziert. «Hier hatten wir einen Nachholbedarf.» Die Schalterzeit reduzieren kann die Bank, indem sie die Öffnungszeiten kürzt, einige Schalter einer Filiale nicht mehr bedient oder die gesamte Filiale schliesst.

Gespart wird beim Filialnetz auch dadurch, dass der Telefondienst zentralisiert wurde. Noch vor einem Jahr erreichte man als Kunde über die Rufnummer einer Niederlassung auch tatsächlich jemanden vor Ort. Heute klingelt das Telefon stattdessen im Liebefeld. Dort kümmern sich seit letztem Jahr 50 Angestellte um die Anliegen der Kunden.

Umdenken beim Bankchef

In Nidau testet die Bank zudem schon bald eine weitere Möglichkeit, wie beim Filialnetz gespart werden kann. Ähnlich wie es Konkurrentin Valiant letzte Woche in Brugg präsentierte, sollen die Kunden bei der BEKB in Nidau dereinst über Videochat beraten werden. Mitarbeiter werden keine mehr vor Ort sein. Um das Kundenanliegen kümmert sich jemand aus dem Kundencenter im Liebefeld. Die Kantonalbank spricht von einer «unbemannten Automatenfiliale». Bei der Eröffnung im Februar wird die Beratung vorerst per Telefon erfolgen, die Videofunktion ist für später vorgesehen. Der Bildschirm soll den Schalter ersetzen. Für aufwendigere Beratungen werden die Kunden an die Filiale Biel verwiesen.

Nidau sei ein Test, betont Rüfenacht. Ob das Modell dereinst an weiteren Standorten umgesetzt werde, sei noch nicht entschieden und hänge auch von der Kundenakzeptanz ab. «Die Idee ist sicher nicht, dass wir flächendeckend solche Niederlassungen einführen.» Das Modell eigne sich höchstens für Standorte, die die BEKB noch beibehalten möchte, die sich aber eigentlich nicht mehr lohnten. Noch im Sommer war der Videochat für BEKB-Chef Rüfenacht kein Thema. «Aus meiner Sicht kann ein Bildschirm den persönlichen Kontakt am Schalter nicht ersetzen», sagte er damals dem «Bund». Auch heute ist er offenbar kein glühender Befürworter des neuen Filialtyps: «Ich gehe nicht davon aus, dass das der Renner sein wird», meint er im Gespräch.

Die letzte grosse Innovation im Bereich des Filialnetzes, die mobile Bank, hat das Zeitliche gesegnet. Davor waren die Banklastwagen während 22 Jahren im Einsatz und haben entweder dabei geholfen, eine neue Region zu erschliessen – etwa im Kanton Solothurn –, oder der Bank einen schrittweisen Rückzug aus einer Region ermöglicht. Es habe sich gezeigt, dass die Kunden für eine Beratung selten in einen Lastwagen gingen, erklärt Rüfenacht die Gründe für das Ende der mobilen Bank. Die Gefährte seien vor allem für Transaktionen genutzt worden und seien zum Schluss primär noch «mobile Bankomaten» gewesen. Unter dem Strich habe sich das Projekt nicht mehr gerechnet. Und letztlich sei der Nutzen für die Kunden grösser, wenn «wir ihnen einen Automaten zur Verfügung stellen, der 24 Stunden und auch am Wochenende geöffnet hat», findet Rüfenacht.

Letztes Jahr 82 Stellen gestrichen

Der Umbau des Filialnetzes, das Ende der mobilen Bank, die Einführung unbemannter Filialen; das alles hat Auswirkungen auf den Personalbestand. Allein 2016 hat die Bank die Zahl der Vollzeitstellen um 82, also um 7,5 Prozent, auf gut 1000 reduziert. Verglichen mit Anfang 2012 sind damit über 200 Stellen gestrichen worden. Ursprünglich hatte Rüfenacht kommuniziert, die Zahl von 1000 Vollzeitstellen werde erst im Jahr 2018 erreicht. «Nun waren wir etwas schneller.» Eine neue Zielgrösse für den Personalbestand will der Bankchef nicht bekannt geben. Die Richtung ist dennoch klar: «Der langfristige Trend des Margendrucks dauert an. Unsere Prozesse müssen wir deshalb weiterhin optimieren. Wir müssen mit weniger Leuten mehr machen.» Rüfenacht versichert aber, einen so starken Personalabbau wie 2016 werde es in den nächsten Jahren nicht mehr geben.

Zudem hält er fest, dass keine Entlassungen erfolgt seien. Die BEKB habe einerseits vorzeitige Pensionierungen forciert. Andererseits gebe es bei Reorganisationen auch immer Leute, die Stellen angeboten bekämen, die ihnen nicht zusagten. Dass mit dem Personalabbau die Arbeitsbelastung gestiegen ist, belegt eine Zahl eindrücklich: Vor fünf Jahren betreute ein Mitarbeiter im Durchschnitt ein Geschäftsvolumen – bestehend aus Kundengeldern, Ausleihungen und Depotwerten – von 48 Millionen Franken. Heute ist es ein Drittel mehr: 63 Millionen. Und das, obwohl gleichzeitig der administrative Aufwand in der Kundenbetreuung stark zugenommen hat.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt