Beim zweiten Anlauf solls jetzt klappen

Die Fusionspartner Holcim und Lafarge haben ihre Differenzen überwunden. Die Schweizer gehen als Punktsieger aus dem Machtgerangel hervor.

In die Fusionsbestrebungen von Holcim und Lafarge ist wieder Bewegung gekommen - Güterzug mit Holcim-Zementwaggons.

In die Fusionsbestrebungen von Holcim und Lafarge ist wieder Bewegung gekommen - Güterzug mit Holcim-Zementwaggons.

(Bild: Keystone Steffen Schmidt)

Robert Mayer@tagesanzeiger

Die industrielle Logik hat am Ende obsiegt über persönliche Befindlichkeiten einzelner involvierter Topmanager. Und so dürfte der Weg nun doch geebnet sein für einen Schulterschluss der beiden Zementkonzerne Holcim und Lafarge, wie er im April 2014 verkündet wurde. Jedenfalls ist es den schweizerischen und französischen Akteuren in der Nacht auf Freitag gelungen, die in der Zwischenzeit aufgetretenen strittigen Fragen bezüglich der Bewertung der beiden Unternehmen und der beruflichen Zukunft von Lafarge-Konzernchef Bruno Lafont einvernehmlich zu regeln. Holcim scheint sich dabei im Wesentlichen durchgesetzt zu haben, nachdem der Verwaltungsrat des Schweizer Branchenriesen am vergangenen Wochenende ultimativ erklärt hatte, dem Zusammenschluss in der geplanten Form nicht mehr zustimmen zu können.

Neuer Posten für den ungeliebten Lafont

Offen bleibt jedoch vorderhand, wer dem neuen Konzern Lafarge-Holcim vorstehen soll. Der 58-jährige Lafont, der als neuer Chef vorgesehen war, soll nun Co-Verwaltungsratspräsident werden – zusammen mit Holcim-Präsident Wolfgang Reitzle, der bisher als alleiniger Chefaufseher des fusionierten Konzerns vorgesehen war. Wie gut dieses Tandem funktionieren wird, bleibt höchst ungewiss. Für Beobachter ist es ein offenes Geheimnis, dass die beiden Herren nicht miteinander können. Aber auch andere Holcim-Manager hatten offenbar Mühe, einen persönlichen Draht zu dem Franzosen zu finden, der als introvertiert, kühl und bisweilen elitär beschrieben wird.

Lafarge bestand indes auf einem Spitzenamt für seinen Konzernchef. Möglicherweise ist die jetzt gefundene Lösung mit dem Co-Präsidium nur temporärer Natur, aber sie erlaubt es den Franzosen, das Gesicht im jüngsten Machtgerangel zu wahren. Dazu gehört auch, dass Lafarge weiterhin den künftigen Konzernchef des Fusionsgebildes stellen wird. Dieser soll den Verwaltungsräten der beiden Unternehmen «in den kommenden Wochen» präsentiert werden, wie Lafont in einer Telefonkonferenz heute Morgen sagte. Laut der Agentur Bloomberg, die sich auf Insider berief, sei ein Kandidat bereits gefunden worden.

Fusion unter Gleichen nur noch auf dem Papier

Was das Austauschverhältnis für die Aktien der beiden Fusionskandidaten betrifft, so müssen Holcim-Eigner neu noch 9 Papiere für 10 Lafarge-Titel hergeben; ursprünglich hatte man sich auf einen Aktientausch im Verhältnis von 1:1 verständigt. Experten setzten von Anfang an ein Fragezeichen hinter den Deal und monierten, dass die Holcim-Aktionäre eine Prämie für Lafarge zu bezahlen hätten. Dieses Unbehagen verstärkte sich noch seit dem Fusionsbeschluss vom Frühjahr 2014, je deutlicher sich zeigte, dass der Geschäftsverlauf bei Holcim signifikant besser war als bei seinem französischen Fusionspartner. Diesem machten vor allem die Märkte in Afrika und dem Mittleren Osten zu schaffen. Im vierten Quartal musste Lafarge aufgrund eines Abschreibers auf seinen Irak- und Syrien-Aktivitäten einen Verlust von 145 Millionen Euro ausweisen.

Die Benachteiligung der Holcim-Aktionäre verstärkte sich zusätzlich mit der Aufhebung des Euromindestkurses Mitte Januar. Hat doch der anschliessende Höhenflug des Frankens die Titel des Schweizer Zementherstellers gegenüber den in Euro denominierten Lafarge-Aktien noch werthaltiger gemacht. Letztlich war die Frage nicht mehr, ob, sondern vielmehr wie die Eigner von Holcim bei einer Fusion «unter Gleichen» angemessen kompensiert werden sollen. Laut Medienberichten wurde unter anderem eine Spezialdividende ins Auge gefasst. Doch wäre dies mit einem Liquiditätsabfluss und einer allfälligen Bonitätsherabstufung des fusionierten Konzerns verbunden gewesen, weshalb die Idee wieder verworfen wurde. So blieb nichts mehr anderes übrig, als das Austauschverhältnis zugunsten von Holcim zu ändern. Von einem Zusammenschluss auf gleicher Augenhöhe kann jetzt aber kaum mehr die Rede sein.

«Glücklicher» Schmidheiny

Massgebliche Aktionäre der beiden Zementkonzerne hätten die veränderten Übernahmebedingungen bereits gutgeheissen, wie Medienmitteilungen zu entnehmen ist. Das gilt namentlich für Thomas Schmidheiny, der als Holcim-Hauptaktionär eine 20-prozentige Beteiligung hält: Er sei «glücklich» mit dem Ausgang der Verhandlungen, teilte er in einer Stellungnahme mit. Einverstanden mit dem revidierten Deal ist auch der irische Zementhersteller CRH. Er beabsichtigt, Geschäftsaktivitäten von Holcim und Lafarge für 6,5 Milliarden Euro zu kaufen, welche die Fusionspartner auf Geheiss der Kartellbehörden abstossen müssen.

DerBund.ch/Newsnet

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