Bei Übernahmen ist eine schärfere Kontrolle sinnvoll

Das Argument freier Märkte greift bei internationalen Wirtschaftsbeziehungen zu kurz.

Grösste chinesische Übernahme: Chemchina kaufte die Schweizer Firma Syngenta. Bild: Keystone

Grösste chinesische Übernahme: Chemchina kaufte die Schweizer Firma Syngenta. Bild: Keystone

Markus Diem Meier@MarkusDiemMeier

Im Schweizer Parlament läuft eine heftige Auseinander­setzung rund um die Frage, ob die Schweiz Käufe von hiesigen Unternehmen durch Ausländer schärfer kontrollieren soll. Im Fokus steht China, dessen Unternehmen in der Schweiz schon mehrere Zukäufe getätigt haben. Die Übernahme von Syngenta durch den Staatskonzern Chemchina war der grösste darunter.

Mit der Offenheit für ausländisches Kapital fährt die Schweiz gut. Der grösste Teil des Aktionariats der hiesigen weltweit tätigen Konzerne stammt aus dem Ausland, und Schweizer Unternehmen profitieren von der Möglichkeit, rund um den Globus ­Investitionen zu tätigen.

Die Erkenntnis, dass ein Totalverbot von ausländischen Investitionen für die Schweiz schädlich wäre, bedeutet umgekehrt nicht, dass das ebenso für eine schärfere Kontrolle oder eine Einschränkung gilt. Die Wahl von Donald Trump in den USA und der Auftrieb von nationalistischen Parteien weltweit stehen für die wachsende Skepsis breiter Bevölkerungsschichten gegenüber einer überbordenden Globalisierung.

China ist nicht die totale Ausnahme von der Regel

Es gibt gute Gründe, diese Skepsis ernst zu nehmen. Chinas Zukäufe sind zudem nie nur die Folge eines für alle nützlichen ökonomischen Kalküls, gemäss dem das Kapital dahin fliesst, wo es am effizientesten eingesetzt werden kann.

Hinter den Zukäufen stehen die strategischen Interessen ­Chinas, dessen kommunistische Führung selbst restriktiv ist, wenn ausländische Unternehmen bei chinesischen einsteigen wollen. China ist zwar ein Extrembeispiel, aber nicht die totale Ausnahme von der Regel. Einen freien Markt mit nur am gleichberechtigten Wettbewerb interessierten Parteien gibt es in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen nicht. Und wenn die Märkte nicht gut genug funktionieren, sind Eingriffe durch den Staat sinnvoll. Das gilt auch für eine schärfere Kontrolle bei der Übernahme von Schweizer Firmen.

Tages-Anzeiger

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