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Brillen-Pflicht für Fielmann-Personal

Selbst Mitarbeiter mit perfekter Sehschärfe müssen beim Discounter Gläser tragen. Warum das?

Alle Fielmann-Angestellten haben pro Jahr zwei Brillen zugute, egal was das Modell kostet. Foto: Roland Magunia (DDP Images)
Alle Fielmann-Angestellten haben pro Jahr zwei Brillen zugute, egal was das Modell kostet. Foto: Roland Magunia (DDP Images)

Brille: Fielmann. Der Slogan des erfolgreichen Brillenunternehmens aus Hamburg brachte es zu grosser Bekanntheit. Für die über 17'000 Mitarbeiter des Konzerns hat er sogar eine doppelte Bedeutung. Ein Job bei Fielmann heisst für sie: Brille. Zwingend. Von jedem Mitarbeiter wird nämlich erwartet, dass er oder sie Brille trägt – egal, ob man unter Sehschwäche leidet oder nicht. Als Zwang will man das bei Fielmann nicht verstanden wissen, wie eine Sprecherin der Firmengruppe sagt, aber: «Wir begrüssen das sehr.»

Im grossen Fielmann-Geschäft an der Zürcher Bahnhofstrasse sticht die Fielmann-Vorgabe ans Personal gleich ins Auge. Ausnahmslos jeder Mitarbeiter trägt eine Brille. «Das gehört zur Arbeitsausrüstung», sagt ein Verkäufer, «es ist bei uns Vorschrift.» Jeder Angestellte hat pro Jahr zwei Brillen zugute, und zwar aus der ganzen Fielmann-Kollektion. Egal was das Modell kostet.

Die Kunden besser verstehen

Hinter den Brillen fürs Personal stecke die Überlegung, dass die Fielmann-­Mitarbeiter an den 700 Standorten in Deutschland, der Schweiz und Österreich sich noch besser in die Kunden ­hineinfühlen könnten, wenn sie selbst das Produkt am eigenen Leib erlebten, meint die Sprecherin. So könnten sie nachempfinden, wie wichtig der perfekte Sitz einer Brille sei. Beispielsweise bei der Anpassung der Bügellänge: Wer aus eigener Erfahrung wisse, wie entscheidend dies fürs Wohlbefinden sei, könne die Kunden besser beraten. Und natürlich gehe es auch um Mode und Aussehen. Durch ihre Brillen könnten die Angestellten «die Schönheit des Produk­tes» betonen.

Man würde einen Mitarbeiter, der unter keinen Umständen eine Brille tragen möchte, selbstverständlich nicht dazu zwingen. Doch von einem solchen Fall habe sie bis heute nie gehört, meint die Fielmann-Frau.

Was als Marketing-Gag abgetan werden könnte, zeugt von einer speziellen Unternehmenskultur.

Das Gebot, das eigene Produkt selbst zu nutzen, beginnt zuoberst im Unternehmen. Firmengründer Günther Fielmann, der innert 45 Jahren eines der erfolgreichsten deutschen Unternehmen aufgebaut hat, und alle seine Kollegen in der Geschäftsleitung, zu der seit einem Jahr auch sein Sohn Marc als Marketingverantwortlicher gehört, tragen allesamt Brille. Was als Marketing-Gag abgetan werden könnte, legt Zeugnis ab von einer speziellen Unternehmenskultur. Bei Fielmann arbeitet man nicht nur, sondern man identifiziert sich mit dem Produkt und der Beratung dafür.

Ob das bei jedem Mitarbeiter der Fall ist, spielt letztendlich keine Rolle. Entscheidend ist allein, dass der Kunde zu diesem Schluss kommt. Der Erfolg gibt Fielmann und seiner Mannschaft recht. 2015 verkaufte das Unternehmen fast 8 Millionen Brillen und erwirtschaftete damit einen Umsatz von anderthalb Milliarden Euro sowie einen Gewinn nach Steuern von 170 Millionen. Gemäss Website tragen inzwischen 23 Millionen Menschen eine Brille von Fielmann. ­Jedes zweite in Deutschland verkaufte Modell stammt vom Unternehmen aus dem hohen Norden.

500 neue Stellen geschaffen

Der Erfolg hielt in den ersten neun Monaten des letzten Jahres an, Umsatz und Volumen stiegen weiter an. Allerdings liess der Gewinn leicht nach. Die Expansion mit neuen Geschäften und Umzügen an bessere Lagen soll trotzdem weitergehen. Für das ganze Jahr würden 500 Stellen geschaffen, teilte Fielmann im Oktober mit. Im Jahr 2000 ging das Brillenunternehmen an die Börse. Bis vor zwei Jahren war die Fielmann-Aktie stark gesucht. Seither bewegt sie sich seitwärts. Die Aktionäre konnten sich mit einer stattlichen Dividendenausschüttung darüber hinwegtrösten.

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