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Bankier Bär lässt sich nicht weichklopfen

Vor vier Jahren stach Hans J. Bär mit seiner Kritik am Bankgeheimnis in ein Wespennest. Die englische Übersetzung der Memoiren hat er jetzt entschärft. Doch Bär bleibt sich treu.

«Seid umschlungen, Millionen» - der Buchtitel war ein Reisser. Auf 423 geistreichen Seiten breitete der damals 76-Jährige seine Lebensbilanz aus. Ganze drei Sätze widmete der Bankier dem Stichwort Bankgeheimnis. Einer hatte die Explosivkraft eines Vulkans: «Es [das Bankgeheimnis] ist ein defensives Instrument, das die Schweiz vom allgemeinen Wettbewerb verschont und das uns, um ein Churchill-Wort aufzunehmen, 'fett, aber impotent' macht.»

Einer der Ihren hatte es gewagt, am Allerheiligsten zu rütteln. Die schweizerische Bankierszene reagierte zunächst sprachlos und peinlich berührt. Und dann entrüstet, als Bär im Interview mit der «Weltwoche» noch einen draufsetzte. Zur schweizerischen Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung sagte er: «Das ist eine ganz fragwürdige Sache. Das ist unethisch. Ich verstehe den Unterschied nicht, weil ich wahrscheinlich zu dumm bin.»

Nichts mehr zum Bankgeheimnis

Der Grossbürger vom Zürichberg, der erfolgreiche Privatbankier, der uneigennützige Mittler im Streit um die Holocaust-Gelder, der spendable Förderer klassischer Musik war über Nacht zum Nestbeschmutzer geworden. Sein eigener Sohn, Raymond Bär, fühlte sich damals als Verwaltungsratspräsident der Bank Julius Bär genötigt, sich öffentlich von den Aussagen seines Vaters zu distanzieren.

Vier Jahre später sind Hans J. Bärs Lebensaufzeichnungen in englischer Sprache erschienen. Der Buchtitel: «It's not all about money». Die Sätze zum Bankgeheimnis sucht man darin vergeblich. Das brisante deutschsprachige Schlusskapitel ist in der englischen Ausgabe komplett neu geschrieben. Bär bestätigt die Vermutung: «Es ist wegen des Krachs, den es gegeben hat.» Es sei zwar kein Druck auf ihn ausgeübt worden. Doch habe er von der Sache einfach genug gehabt.

Geschichte nicht nochmals hochschaukeln

Bär will nicht, dass die Geschichte noch einmal hochgeschaukelt wird. Er bereue den damaligen Wirbel. Weichklopfen liess er sich aber keineswegs. Ob er in der Sache etwas bereue? «Nein, eigentlich nicht. Die Entwicklung gibt mir sogar recht.»

Was er damit meint, ist im neu formulierten Schlusskapitel der englischen Ausgabe nachzulesen. Weltweit gewinnt das Geschäft mit institutionellen Anlegern - etwa Versicherungsgesellschaften oder Pensionskassen - stetig an Bedeutung. Auch im Schweizer Finanzplatz findet das Wachstum vor allem in diesem Bereich statt. Entsprechend verliert nach Bär das Geschäft mit der Privatkundschaft an Bedeutung. Und damit das Bankgeheimnis. Auch wenn Bär das so nicht schreibt, muss diesen Schluss ziehen, wer die deutsche Version seiner Gedankenwelt kennt und den englischen Text logisch zu Ende denkt. Ein Mann aus Bärs Umfeld formuliert denn auch unumwunden: «Im institutionellen Geschäft ist nur der Wettbewerb ein Thema, nicht aber das Bankgeheimnis.»

In der Sache treu geblieben

Den Pfeffer hat der altgediente Bankier in der englischen Ausgabe damit weggelassen. Man vermisst die Aussagen, dass die Millionenbezüger Klassenkampf von oben betreiben, dass man hierzulande den Versagern noch Geld hinterher werfe oder dass die Bilanzen der Grossbanken jahrelang geschönt waren. Der inzwischen über 80-Jährige hat seinen Schreibstil gezähmt. In der Sache ist er sich aber treu geblieben.

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